Benedikt XVI.
Papst zeigt sich erschüttert über Kammerdiener-Affäre
Papst Benedikt XVI. kritisiert vor Tausenden Pilgern, die Medien zeichneten "ein Bild vom Heiligen Stuhl, das nicht der Wirklichkeit entspricht".
Rom. Im Enthüllungsskandal des Vatikans hat sich Papst Benedikt XVI. erstmals selbst geäußert und Medienberichte über die Affäre um seinen Kammerdiener zurückgewiesen. Sie zeichneten "ein Bild vom Heiligen Stuhl, das nicht der Wirklichkeit entspricht", sagte Benedikt vor Tausenden Pilgern bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz. Die jüngsten Ereignisse hätten ihn sehr traurig gemacht. Der Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, war festgenommen und angeklagt worden, weil er unerlaubt im Besitz vertraulicher Vatikan-Dokumente gewesen sein soll. Der 46-Jährige wird beschuldigt, seit Jahresbeginn brisante Dokumente, in denen es unter anderem um Vorwürfe der Korruption und des Missmanagements im Vatikan ging, an Medien weitergegeben zu haben.
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Es gebe immer mehr Gerüchte, die völlig grundlos seien und die weit über die Tatsachen hinausgingen, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. "Unser Leben und unser christlicher Weg sind häufig gekennzeichnet durch Schwierigkeiten, Unverständnis und Leid." Benedikts Kammerdiener arbeitete in der Wohnung des Papstes im Apostolischen Palast. In dieser Vertrauensstellung hatte er Zugang zu den streng abgeriegelten Privatgemächern des Kirchenoberhauptes und kannte die Vorgänge dort bestens. Der Kammerdiener bediente den Papst bei Tisch und begleitete ihn im Papamobil.
Zuletzt hatten italienische Medien berichtet, der Kammerdiener müsse als Sündenbock herhalten, um ranghöhere Vertreter des Vatikans wie Kardinäle zu schützen. In den nächsten Tagen beginnt vor dem Gericht des Kleinstaates die offizielle Vernehmung des Kammerdieners. Nach den Vorermittlungen durch Vatikan-Staatsanwalt Nicola Picardi wird Untersuchungsrichter Piero Antonio Bonnet die Untersuchungen führen. Der Vatikanstaat verfüge über ein voll ausgebautes Justizsystem, das einen solchen Prozess allein und souverän durchführen könne, versichern Rechtsexperten in Rom.
(rtr/KNA)















