22.05.12

Internationale Atomenergiebehörde

Iran signalisiert im Atomstreit Entgegenkommen

Kurz vor den Verhandlungen in Moskau zeigte sich Irans Präsident Ahmadinedschad kompromissbereit in Bezug auf das Thema Urananreicherung.

Foto: dpa/DPA
Irans Vorsitzender des Obersten nationalen Sicherheitsrats Saeid Jalili (r.) betet im Flugzeug, das ihn nach Moskau zu den Verhandlungen bringen soll
Irans Vorsitzender des Obersten nationalen Sicherheitsrats Saeid Jalili (r.) betet im Flugzeug, das ihn nach Moskau zu den Verhandlungen bringen soll

Berlin. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat kurz vor der nächsten internationalen Verhandlungsrunde im Atomstreit Entgegenkommen beim umstrittenen Thema Urananreicherung signalisiert. Allerdings zeigte er keine Bereitschaft, Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in die umstrittenen Militäranlage Parchin zu lassen. "Parchin kommt in unseren Verträgen mit der IAEA nicht vor", sagte er in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Diejenigen, die Inspektionen forderten, würden Israel aufrüsten, "das uns jeden Tag mit einem Angriff bedroht". Er sei sich sicher, "Deutschland würde der IAEA auch nicht erlauben, jeden Ort zu untersuchen."

Die IAEA fordert seit längerem Zugang zu dem Militärkomplex. Sie vermutet, dass dort Sprengtests abgehalten wurden, die für die Entwicklung von Atomwaffen relevant sein könnten, und dass der Iran derzeit jegliches belastendes Material verschwinden lässt. Die Islamische Republik steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich an Kernwaffen zu arbeiten. Sie weist dies zurück.

+++ IAEA: Atomabkommen mit Iran kurz vor der Unterzeichnung +++

Am Montag beginnen in Moskau auf zwei Tage angesetzte Verhandlungen zwischen den fünf UN-Vetomächten und Deutschland einerseits und dem Iran andererseits. Neben dem Zugang zu Parchin ist eines der zentralen Themen die Urananreicherung. Für Brennstäbe in Atomkraftwerken sind nur 3,5 Prozent nötig. Der Iran hat Uran allerdings auch auf bis zu 20 Prozent angereichert und damit Vermutungen geschürt, das Land könne rasch auch noch einen deutlich höheren Anreicherungsgrad erreichen, wie er für Nuklearwaffen nötig ist.

+++Iran weist Forderungen vor Atomverhandlungen zurück+++

Ahmadinedschad sagte, die Anreicherung auf 20 Prozent diene allein medizinischen Zwecken. "Jetzt sind wir bereit, auf einer freiwilligen Basis bereit, einen positiven Schritt zu machen, wenn die andere Seite auch Schritte unternimmt." Er hoffe, dass in Moskau Fortschritte erzielt würden. Der Iran strebt insbesondere eine Lockerung der Sanktionen des Westens an, die sich unter anderem gegen den Ölsektor des Landes richten.

+++Es kommt Bewegung in den Atomstreit mit Iran+++

Das Treffen in Moskau ist das dritte dieser Art seit April. Zuvor waren die Atomgespräche 15 Monate lang auf Eis gelegen, die Beziehungen hatten sich dramatisch abgekühlt. Während der Auftakt in Istanbul als positiv gewertet wurde, gelang in Bagdad nicht die erhoffte Annäherung. Mit Spannung wird nun erwartet, was das Treffen in der russischen Hauptstadt bringt. Der Westen hatte im Vorfeld angekündigt, auf konkrete Ergebnisse dringen zu wollen.

(Reuters)

Die iranischen Atomanlagen
Natans: In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden...
...Nach dem jüngsten Bericht der Internationale Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.
Fordo: Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung...
...Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.
Buschehr: Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück...
...Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.
Isfahan: Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.
Arak: Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.
Teheran: Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.
Karadsch: Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.
Parchin: Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.
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