26.03.12

Seoul

Atomgipfel: Obama appelliert an Nordkorea und den Iran

Vertreter aus mehr als 50 Ländern beraten in Seoul, wie nukleares Material besser geschützt und Atomterrorismus verhindert werden kann.

Foto: dapd
Ban Ki-Moon und Barack Obama unterhalten sich auf dem Atomgipfel in Seoul
Ban Ki-Moon und Barack Obama unterhalten sich auf dem Atomgipfel in Seoul

Seoul. Der Plan Nordkoreas, einen Satelliten mit einer Langstreckenrakete ins All zu schießen, hat am Montag das internationale Gipfeltreffen zur Atomsicherheit in Seoul überschattet. Die USA sehen darin einen Versuch Pjöngjangs, atomwaffenfähige, ballistische Raketen weiter zu entwickeln; US-Präsident Barack Obama appellierte an die nordkoreanische Führung, "den Mut zum Frieden zu haben". Die südkoreanische Regierung teilte mit, sie erwäge, die nordkoreanische Rakete abzuschießen, sollte sie ihren Luftraum verletzen.

Obama traf mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak zusammen. Beide forderten China als wichtigsten Verbündeten Pjöngjangs auf, Druck zur Verhinderung des für Mitte April angekündigten Starts auszuüben. Pjöngjang hatte vor zehn Tagen einen geplanten Starttermin um den 100. Geburtstag des ersten nordkoreanischen Staatschefs Kim Il Sung am 15. April herum bekannt gegeben.

Obama hat erklärt, dass die Führung um Kim Jong Un damit US-Zusagen für Lebensmittellieferungen aufs Spiel setze. Diese wurden als Gegenleistung für ein Atom- und Raketentest-Moratorium in Aussicht gestellt.

+++ Die Welt soll sicherer vor Atomterrorismus werden +++

Ein chinesischer Experte vertrat die Ansicht, Nordkorea wolle mit dem Raketentest den Atomsicherheitsgipfel überschatten. "Wir sollten nicht auf ihren Trick hereinfallen", sagte Li Hong von der Chinesischen Vereinigung für Rüstungs- und Abrüstungskontrolle.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Pazifischen Forums CSIS, Ralph Cossa. Nordkoreas Taktik bestehe darin, zunächst Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung des Streits um sein Atomprogramm zu machen, dann eine Krise zu provozieren, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu bekommen, und dann wieder neue Verhandlungen anzubieten – in der Hoffnung, mehr Hilfslieferungen herausholen zu können: "Je größer die Krise, umso besser der Deal."

Diese Einschätzung wird auch von südkoreanischen Politikwissenschaftlern wie Yoo Ho Yeol und Koh Yu Hwan geteilt. Ein Satellitenstart könnte die Macht Kim Jong Uns festigen, der den Aufbau einer aufstrebenden Nation versprochen hat. "Nordkorea hat nicht viel, was es vorzeigen kann", sagte Yoo.

Delegationen aus mehr als 50 Ländern

Neben dem nordkoreanischen dominiert auch der Streit über das iranische Atomprogramm den Gipfel. Obama sagte in einer Rede on Seoul, die Rechnungen beider Regierungen gingen nicht auf: Pjöngjang und Teheran hätten wenige Optionen und noch weniger Freunde. "Es sollte jetzt klar sein", sagte der US-Präsident. "Ihre Provokationen und das Streben nach Atomwaffen haben nicht die Sicherheit gebracht, die Sie suchten, sie haben sie untergraben."

Vertreter von mehr als 50 Ländern – überwiegend Staats- und Regierungschefs – beraten bis Dienstag über Wege, um nukleares Material besser zu schützen und Atomterrorismus zu verhindern. Das Treffen startete mit der offiziellen Begrüßung durch den südkoreanischen Präsidenten Lee. Haupttag der Beratungen ist der Dienstag. Für die Bundesregierung ist Außenminister Guido Westerwelle in Seoul. Er vertritt Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Der Nukleargipfel in Seoul
Der Nukleargipfel in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ist bereits der zweite dieser Art innerhalb von zwei Jahren.
Im April 2010 waren 47 Staats- und Regierungschefs, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, in Washington zusammengekommen.
Dort verständigten sie sich auf ein gemeinsames Vorgehen gegen den illegalen Handel mit atomarem Material.
Hintergrund ist die Befürchtung, dass atomwaffenfähige Substanzen in die Hände von Terroristen gelangen könnten.
Den Anstoß zum ersten Gipfel zur Atomsicherheit hatte im April 2009 US-Präsident Barack Obama gegeben.
In einer viel beachteten Grundsatzrede in Prag kündigte er konkrete Schritte für eine weltweite Atomabrüstung an.
Obama sprach sich unter anderem für eine Überarbeitung des Atomwaffensperrvertrags aus, um innerhalb der nächsten vier Jahre jegliches atomwaffenfähiges Material weltweit zu sichern.
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