Nach Rücktritt
Haftbefehl gegen Expräsidenten der Malediven
Mohamed Nasheed gab selbst an, mit Waffengewalt zum Rücktritt gezwungen worden zu sein. Der Grund für Haftbefehl ist bislang völlig unklar.
Haftbefehl gegen Nasheed
Foto: dapd
Male. Gegen den maledivischen Expräsidenten Mohamed Nasheed hat ein Gericht einen Haftbefehl ausgestellt. Ein Polizeisprecher teilte am Donnerstag mit, dass derzeit geprüft werde, ob der Haftbefehl verfassungsgemäß sei. Der Sprecher sagte weder weswegen noch wann Nasheed verhaftet werden solle.
Am Dienstag war Nasheed zurückgetreten. Seinen Worten zufolge wurde er mit Waffengewalt zum Rücktritt gezwungen. Sein Nachfolger Mohammed Waheed Hassan bestreitet dies. Anhänger von Nasheed hatten sich am Mittwoch zu einer Demonstration versammelt, die am Nachmittag und Abend in schwere Ausschreitungen in dem Urlaubsparadies mündeten. Auf unterschiedlichen Inseln des Archipels wurden 18 Polizeistationen verwüstet und einige Gerichtsgebäude und Polizeifahrzeuge zerstört. Die Polizei nahm 49 Menschen fest.
Der neue Verteidigungsminister Mohammed Nazin versprach, die Verantwortlichen der Ausschreitungen zu bestrafen und nannte die Proteste „terroristische Taten“. Die maledivische Armee blieb in Alarmbereitschaft. Am Donnerstag beruhigte sich die Situation, die Stimmung in der Hauptstadt Male blieb jedoch angespannt.
Nasheed hielt sich am Donnerstag mit vielen seiner Anhänger in seinem Haus in Male auf. Seine Frau sei am Mittwochnachmittag nach Sri Lanka ausgereist, bestätigte ein Präsidentensprecher dort.
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Die Umstände des Regierungswechsels blieben nach wie vor unklar. Brigadegeneral Ibrahim Didi widersprach Nasheeds Darstellung, derzufolge er mit Schusswaffen bedroht worden war. „Es gibt keinen Offizier beim Militär, der die Waffe auf den Präsidenten richten würde“, sagte Didi. Auch die neue Regierung um Nasheeds ehemaligen Vize Hassan bestritt, dass es einen Putsch gegeben habe.
Aus Nasheeds Partei wurden Spekulationen laut, Angehörige der maledivischen Polizei könnten hinter der gewaltsamen Amtsenthebung des Expräsidenten stehen. Nasheed und Hassan waren 2008 gemeinsam als Präsident und Vizepräsident des 300.000 Einwohner zählenden Inselstaats gewählt worden. In den vergangenen Wochen hatte es anhaltende Proteste wegen der Verhaftung eines hohen Richters gegeben. Der hatte die Freilassung des zuvor verhafteten Oppositionsführers Mohamed Jameel Ahmed angeordnet. Während der Proteste schlossen sich viele Polizisten und Soldaten den Demonstranten an.
Nasheed hatte mit seiner prowestlichen Haltung auch den Zorn der Islamisten auf sich gelenkt und verlor zunehmend die Kontrolle über den 1.200 Inseln umfassenden Staat. Nach Nasheeds Rücktrittserklärung am Dienstag hatten die Proteste aufgehört. (dapd)




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