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Ausland

Machtkampf auf den Malediven

Nasheed wirft Nachfolger Hassan Putsch vor

Der erste frei gewählte Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, bestreitet seinen freiwilligen Rücktritt. Er sei gestürzt worden.

Am Mittwochabend geriet eine zunächst friedliche Demonstration von Nasheed-Anhängern außer Kontrolle
Foto: dapd/DAPD

Male. Auf den Malediven herrscht weiterhin Unklarheit über die Umstände um den Regierungswechsel. Der frühere Präsident des Inselstaats Mohamed Nasheed behauptete am Mittwoch, er sei durch einen Putsch gestürzt worden. Sein Nachfolger Mohammed Waheed Hassan erklärte hingegen, sein Vorgänger sei freiwillig zurückgetreten. Am Mittwochabend geriet eine zunächst friedliche Demonstration von Nasheed-Anhängern außer Kontrolle. Die Demonstranten warfen Brandsätze und verwüsteten eine Fernsehstation, die den ehemaligen Präsidenten kritisiert hatte.

Nasheed sagte gegenüber der Presse, er sei mit Waffengewalt aus dem Präsidentenpalast entfernt worden. „Ich wurde mit Gewehren um mich herum gezwungen zurückzutreten. Sie haben mir gesagt, wenn ich nicht zurücktrete, werden sie nicht zögern, die Waffen zu benutzen“, sagte der 2008 als erster demokratisch ins Präsidentenamt gewählte Nasheed.

Seinen bereits eingesetzten Nachfolger forderte er in einer Rede vor etwa 2.000 Mitgliedern seiner Partei am Mittwoch zu einem sofortigen Rückzug auf. Die obersten Richter des Landes müssten die Verantwortlichen für seine Entmachtung am Dienstag zur Rechenschaft ziehen, sagte Nasheed weiter. Bisher hatte der Expräsident seinen Rücktritt als freiwillig bezeichnet. „Ich werde diesen Putsch nicht akzeptieren und den Malediven Gerechtigkeit bringen“, sagte Nasheed am Mittwoch.

+++ Machtkampf auf den Malediven: Umsturz im Inselparadies +++

Dagegen erklärte sein Nachfolger und früherer Vize Hassan, es habe keine Pläne gegeben, Nasheed zum Rücktritt zu zwingen. Er rief zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit auf, um die Krise zu überstehen. Hassan versprach, seinen Vorgänger vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen zu schützen. Nasheed könne sich frei bewegen und auf Wunsch auch das Land verlassen, wenn er wolle.

Die Polizei ermittelt unterdessen gegen Nasheed wegen des Verdachts auf Alkoholbesitz. Grund ist der Fund von mindestens 100 Flaschen Alkohol, die kurz vor Nasheeds Rücktritt mit einem Lastwagen aus dem Präsidentenpalast gebracht worden waren, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Der Genuss von Alkohol außerhalb von Hotels ist in dem muslimischen Land eine Straftat. Im Falle einer Verurteilung drohen Nasheed bis zu drei Jahre Haft, die Verbannung auf eine abgelegene Insel, ein Hausarrest oder eine Geldstrafe.

Nasheed und Hassan waren 2008 gemeinsam als Präsident und Vizepräsident gewählt worden. In den vergangenen Wochen hatte es anhaltende Proteste wegen der Verhaftung eines hohen Richters gegeben. Der hatte die Freilassung des zuvor verhafteten Oppositionsführers Mohamed Jameel Ahmed angeordnet. Während der Proteste schlossen sich viele Polizisten und Soldaten den Demonstranten an. Nasheed hatte mit seiner prowestlichen Haltung auch den Zorn der Islamisten auf sich gelenkt und verlor im Verlauf der vergangenen sieben Tage zunehmend die Kontrolle über den Inselstaat. Nach Nasheeds Rücktrittserklärung am Dienstag hörten die Proteste auf.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon teilte mit, er hoffe, dass Nasheeds Rücktritt zu einer friedlichen Lösung der politischen Krise auf den Malediven führen werde. Sein Vize Oscar Fernandez-Taranco wird Ende dieser Woche mit einer UN-Delegation in dem Urlaubsparadies erwartet, um zwischen den rivalisierenden Gruppen zu vermitteln. (dpad)

 

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