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Ausland

Vorwahlen der US-Republikaner

Sieg in Nevada: Rechter Flügel entdeckt Romney

Seit der Wahl in Nevada scheinen auch rechte Hardliner mit Mitt Romney warm zu werden – das könnte ihm aber nicht nur nützlich sein.

Händeschütteln in Las Vegas: Mitt Romney nimmt nach seinem Sieg bei den Vorwahlen der Republikaner für die Kandidatur zur US-Präsidentschaft in Nevada Glückwünsche entgegen. Die konservative Rechte scheint mit dem als liberal geltenden Romney langsam warm zu werden
Foto: AFP

Las Vegas. Ein besseres Blatt konnte sich Mitt Romney bei der Vorwahl im Spielerstaat Nevada kaum wünschen: Sein satter Sieg in Florida lag gerade ein paar Tage zurück, Rivale Newt Gingrich wirkt im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner seit Tagen fahrig, zudem konnte der Multimillionär auf die Stimmen der Mitglieder seiner Mormonenkirche zählen. Und es kamen noch ein paar unverhoffte Trümpfe hinzu: Deutlich votierten in Nevada Tea-Party-Anhänger, die religiöse Rechte und andere Erzkonservative für ihn. Wird das Phänomen zum Trend, dürfte Mitt Romney die Kandidatur gegen Präsident Barack Obama kaum zu nehmen sein.

+++ Amerikas Konservative stärken Mitt Romney +++

Gerade Wähler am rechten Rand hatten mit dem Multimillionär erhebliche Probleme. Da ist einmal seine Mormonen-Religion, für Evangelikale nicht anderes als eine Sekte. Seine Politik als Gouverneur von Massachusetts ist nicht wenigen bei weitem zu linkslastig. Zu spröde, zu weit weg vom Volk, ist immer wieder über den 64-Jährigen zu hören. Doch in Nevada hat sich das Blatt nun gewendet: Etwa die Hälfte derer, die sich in Befragungen dort als Tea-Party-Aktivisten zu erkennen gaben oder sich selbst als „sehr konservativ“ einstuften, sprachen sich für Romney aus; unter Tiefreligiösen holte er immerhin 43 Prozent.

Der Grund: Ein satter Rechtsruck, wie die „Washington Post“ meint. Beim heiß diskutierten Thema illegale Einwanderung überholte er gar den inzwischen aus der Kandidaten-Kür ausgestiegenen Texas-Gouverneur Rick Perry. Statt Hausbesitzern in Nöten zu helfen, möchte Romney Marktkräfte den Karren aus dem Schlamassel des US-Immobiliendesasters ziehen sehen. Und für Obamas Pläne, den Kampfeinsatz in Afghanistan vorzeitig zu beenden, fand der Millionär nichts als Kritik.

Doch mit Blick auf das eigentliche Rennen gegen den Amtsinhaber im Weißen Haus könnte der Erfolg am rechten Rand zum Mühlstein um den Hals des Republikaners werden. Denn: Keiner zweifelt, dass dieses Rennen von parteiunabhängigen Wählern entschieden wird. „Die republikanische Basis scheint sich für ihn nun zu erwärmen“, schreibt die „Post“. „Aber je länger die Nominierung dauert, desto schwieriger könnte es für Romney werden, sich bei der Hauptwahl durchzusetzen.“ Schon zeichnet sich das mögliche Verhängnis ab. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der „Washington Post“ und des TV-Senders ABC zeigte, dass sich der Anteil der unabhängigen Wähler mit einem „positiven Eindruck“ von Romney von 45 auf 23 Prozent glatt halbierte. „Die Konservativen hat er noch nicht hinter sich und die Unabhängigen wenden sich von ihm ab. Er ist zwischen beiden eingeklemmt“, meint Marc McKinnon, Ex-Medienberater von George W. Bush.

Beflügelt dürfte sich der Ex-Gouverneur vom Zustand des Wahlkampfes seines ärgsten Konkurrenten fühlen. Nach der vernichtenden Niederlage von Nevada „fand sich Gingrich wieder einmal in der Situation, angesichts vieler Fragen zu seiner Überlebensfähigkeit zu versichern, dass er weitermachen werde“, schreibt die „New York Times“.

Vor der Florida-Wahl stolperte er durch TV-Debatten, fantasierte von Mondbasen mit tausenden Bewohnern und lancierte fälschlicherweise an die Medien, Immobilienmogul Donald Trump unterstütze ihn. „Eigentlich gab es über die vergangene Woche jeden Tag etwas, das nahe legt, dass dieser Wahlkampf nicht für die beste Sendezeit taugt“, lästerte die „Washington Post“. Spätestens bis Anfang April, kündigte Gingrich nach dem Reinfall von Nevada trotzig an, wolle er mit Romney bei den Delegiertenstimmen wieder gleichgezogen haben.

Jedoch: Noch liegt vor den Bewerbern ein weiter Weg bis zur magischen Zahl von 1144 Delegierten, die die Kandidatur gegen Obama bedeuten. Und bislang war der Verlauf des Vorwahlkampf eher eine Achterbahn denn eine klare Sache. Das Obama-Lager reibt sich unterdessen über die Selbstzerfleischung der Republikaner die Hände. In der Wahlkampfzentrale in Chicago, erfuhr die „Washington Post“, wird derzeit ein Dossier mit den saftigsten Aussagen erstellt, die Romney in der Hitze der Wahlschlacht über die Lippen kamen.

Mit Material von dpa

 

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