04.06.11

Libyen

Nato ändert Angriffstaktik im Kampf gegen Gaddafi

Nato setzt erstmals Kampfhubschrauber im Kampf gegen Gaddafis Truppen ein. Liam Fox: Nato bereit, alle verfügbaren Mittel zu nutzen.

Von Ryan Lucas
Foto: Reuters/REUTERS
Still image taken from video shows Libyan leader Gaddafi welcoming South African President Zuma before holding talks in Tripoli
Ein Ausschnitt des libyschen Staatsfernsehens zeigt Muammar Gaddafi (2. v.r.) mit dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma (2.v.l.) am 30. Mai 2011 vor Beginn der Friedensverhandlungen. Kurz zuvor hatte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärt, Gaddafis "Regentschaft des Terrors" gehe zu Ende

Bengasi. Um den libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi zum Rückzug zu bewegen, hat die NATO nun ihre Taktik geändert. Das Militärbündnis setzt nicht länger nur auf Kampfflugzeuge. Am Sonnabend kamen auch erstmals britische und französische Kampfhubschrauber zum Einsatz. Am Vortag hatten die Aufständischen wichtige Geländegewinne erzielt.

Wie das britische Verteidigungsministerium bestätigte, griffen zwei Apache-Kampfhubschrauber am frühen Morgen zwei Ziele nahe der Ölhafenstadt Brega an und stießen dabei auf Gegenwehr. Anschließend seien sie aber sicher zum Hubschrauberträger "HMS Ocean" vor der libyschen Küste zurückgekehrt. Generalmajor Nick Pope sagte, die Apache-Hubschrauber hätten eine Radareinrichtung und einen militärischen Kontrollposten zerstört. "Hellfire-Raketen und 30-Millimeter-Kanonen wurden verwendet, um die Ziele zu zerstören", sagte der Generalmajor. Kampfflugzeuge hätten eine weitere Militäreinrichtung bei Brega und zwei Munitionsbunker in Waddan zerstört.

Französische Kampfhubschrauber griffen 15 Militärfahrzeuge und fünf militärische Kommandozentralen an. Wo diese sich befanden, sagte der französische Militärsprecher, Oberst Thierry Burkhard, nicht. Die Hubschrauber seien unter Beschuss gekommen, allerdings nur mit Feuerwaffen, die keinen Schaden angerichtet hätten.

"Zusätzlicher Druck auf die Gaddafi-Truppen"

Burkhard erklärte, die Operation habe darauf abgezielt, "zusätzlichen Druck auf die Gaddafi-Truppen auszuüben, die weiterhin die Zivilbevölkerung bedrohen". Bislang kamen bei NATO-Luftangriffen nur Kampfjets zum Einsatz, die gewöhnlich in einer Höhe von 4.500 Metern fliegen. Auch wurde nachts bombardiert. Doch die Hubschrauber sind ein Strategiewechsel, da sie viel niedriger fliegen. Mit ihnen setzt das Militärbündnis verstärkt auf den Nahkampf.

Die NATO zitierte den Chef der Militäroperation in Libyen, General Charles Bouchard, mit den Worten, der Einsatz habe die besonderen Möglichkeiten von Kampfhubschraubern zur Geltung gebracht.

Der britische Verteidigungsminister Liam Fox sagte, "der Gebrauch von Kampfhubschraubern ist eine logische Erweiterung" der NATO-Kampagne und deutete weitere Einsätze an. Dank der Kampfhubschrauber könne das Militärbündnis nun auch Ziele angreifen, die zuvor außer Reichweite gelegen seien, erklärte er am Sonnabend in Singapur, wo er an einer Sicherheitskonferenz teilnahm. Es zeige auch die Bereitschaft der NATO, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um Gaddafi zu entmachten.

Aufständische erobern Ortschaften im Nordwesten zurück

Am Freitag konnten die libyschen Aufständischen die Kontrolle über vier Städte im Bergland Nafusa im Nordwesten des Landes zurückgewinnen, wo Regierungstruppen seit Monaten Gebiete belagern und wahllos bombardieren.

Nach wochenlanger Belagerung rollten Anfang Mai sieben Panzer und eine Anzahl Panzerwagen der Gaddafi-Truppen in die Stadt Jifran und die benachbarten Ortschaft Galaa ein, wie Oberst Jumaa Ibrahim vom Militärrat der Aufständischen über Skype mitteilte.

Vor den Regierungstruppen geflohene Aufständische konnten ihre Ortskenntnisse nutzen, um Gelände zurückzugewinnen. Am Freitag schließlich seien die Aufständischen in die Stadt vorgerückt und hätten festgestellt, dass die Regierungstruppen diese bereits am Vortag verlassen hatten.

Die kleine Gruppe Aufständischer im Bergland dürfte Gaddafis Kontrolle über die 70 Kilometer nordwestlich gelegene Hauptstadt Tripolis nicht gefährden. Doch die Geländegewinne sind für die örtliche Bevölkerung von Bedeutung, da wichtige Verbindungsstraßen zurückerobert wurden.

Die Lage am Boden scheint seit Monaten unverändert. Es herrscht offenbar eine Pattsituation. Zwar halfen die NATO-Luftangriffe den waffentechnisch unterlegenen Aufständischen, nicht von den Regierungstruppen überrannt zu werden. Doch den Aufständischen gelang es bisher nicht, eine breit angelegte Offensive gegen Gaddafis Streitkräfte zu starten.

Der 69-Jährige, der seit 42 Jahren an der Macht ist, zeigt sich seit einem NATO-Luftangriff Ende April, bei dem einer seiner Söhne getötet wurde, immer seltener in der Öffentlichkeit.


Nato-Helikopter in Libyen

Nato-Kampfhubschrauber haben erstmals in den Libyen-Konflikt eingegriffen. Die französische Armee ist mit Maschinen der Typen "Tiger" und "Gazelle" beteiligt, die Briten fliegen Angriffe mit "Apache"-Helikoptern.

"TIGER": Der gemeinsam von Frankreich und Deutschland entwickelte Kampfhubschrauber "EC-665" wird in drei Versionen von Eurocopter (früher Aérospatiale) gebaut, einer hundertprozentigen Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Die Serienproduktion der 14 Meter langen Maschinen mit einem Gewicht von bis zu 6000 Kilogramm begann 2002. Seine beiden Turbinentriebwerke lassen ihn mit etwa 300 Stundenkilometern fliegen, die Reichweite liegt bei mehr als 700 Kilometern. Er ist mit Raketen, Panzerabwehrgeschossen und schweren Maschinengewehren bewaffnet. Pilot und Schütze bilden die Besatzung.

"GAZELLE": Ein Teil der jetzt vom Hubschrauberträger "Tonnerre" startenden leichten "Gazelle"-Mehrzweckhelikopter "SA 341" und "SA 342" soll über Panzergeschütze und Wärmebildkameras verfügen. Die britisch-französische Gemeinschaftsentwicklung ist seit 1973 in mehreren Versionen im Einsatz. Für den knapp 12 Meter langen Hubschrauber wird ein Gewicht von bis zu 2000 Kilogramm angegeben. Das Turbinentriebwerk kann den Helikopter bis auf 310 Stundenkilometer beschleunigen. Die "Gazelle" wird mit einem oder zwei Piloten geflogen. Als Vorteil gegenüber dem größeren "Tiger" gelten die geringeren Betriebskosten. So kostet eine Systemwartung bei diesem Typ nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums 800 Euro, beim neuen "Tiger" dagegen 8000.

"APACHE": Die "AH-64"-Kampfhubschrauber werden in Typen mit unterschiedlicher Ausstattung von Boeing McDonnell Douglas in den USA produziert. Die Maschinen in der 1997 erstmals ausgelieferten modernisierten Version "Longbow Apache" sind bis zu 17,73 Meter lang und wiegen rund 6800 Kilogramm. Mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 280 Kilometern in der Stunde gilt der "AH-64" als weltweit am häufigsten eingesetzter Kampfhubschrauber. Bei der Bewaffnung stehen unter anderem Luft-Luft-Raketen und Luft-Boden-Raketen für die Panzerabwehr zur Verfügung. Der "Apache" hat zwei Besatzungsmitglieder.

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