01.06.11

Libyen

Chef der Ölgesellschaft kehrt Gaddafi den Rücken

Der Chef der nationalen Ölgesellschaft Schokri Ghanem begründet seine Entscheidung mit der unerträglichen Gewalt. Nato verlängert Einsatz.

Foto: dpa/DPA
Der damalige libysche Ölminister Schukri Ghanim geht am 13.05.2008 in Tripolis an einem Bild von Muammar al-Gaddafi vorbei. Ghanim hat sich vom Regime des Machthabers Muammar al-Gaddafi losgesagt und hält sich jetzt in Rom auf
Der damalige libysche Ölminister Schukri Ghanim geht am 13.05.2008 in Tripolis an einem Bild von Muammar al-Gaddafi vorbei. Ghanim hat sich vom Regime des Machthabers Muammar al-Gaddafi losgesagt und hält sich jetzt in Rom auf

Rom. Immer mehr Spitzenkräfte kehren dem libyschen Machthaber Muammar Gaddafi den Rücken. Am Mittwoch kündigte der Chef der nationalen Ölgesellschaft, Schokri Ghanem, dem langjährigen Herrscher die Gefolgschaft auf. Er begründete seinen Schritt auf einer Pressekonferenz in Rom mit einer unerträglichen Gewalt in dem nordafrikanischen Land. Er unterstütze "den Kampf der libyschen Jugend für einen Verfassungsstaat", wisse aber noch nicht, ob er mit den Rebellen zusammenarbeiten wolle. Wegen des westlichen Embargos sei die Ölförderung in Libyen praktisch zum Erliegen gekommen.

Ghanem ist einer der ranghöchsten Libyer, die im Machtkampf zwischen Gaddafi und den Rebellen die Seiten gewechselt haben. Erst Anfang der Woche waren mehrere hohe Offiziere, darunter fünf Generale, übergelaufen. Mit ihnen hätten mehr als 100 Militärs die Zusammenarbeit mit dem seit 40 Jahren über Libyen herrschenden Gaddafi beendet, erklärten sie ebenfalls in Rom.

Ghanem sagte, noch gebe es die Chance, friedlich über das Schicksal von Gaddafis Herrschaft zu entscheiden. Er selbst werde sein Land in Zukunft nicht mehr bei den Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) vertreten. Ghanem, dessen Aufenthaltsort mehrere Tage nicht bekannt war, erschien zu der Pressekonferenz mit dem ebenfalls übergelaufenen libyschen Botschafter in Italien.

Nato will Gaddafi weiter unter Druck setzen

Die Nato setzt ihren Militäreinsatz in Libyen vorerst bis Ende September fort. Das Bündnis und seine Partnerländer hätten eine Verlängerung um 90 Tage beschlossen, teilte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel mit. "Diese Entscheidung sendet eine klare Botschaft an das Gaddafi-Regime: Wir sind entschlossen, unseren Einsatz zum Schutz der Bevölkerung Libyens fortzusetzen."

Die Nato greift auf Grundlage einer UN-Resolution seit Ende März Ziele in Libyen an, um die von den Vereinten Nationen verhängte Flugverbotszone über Libyen und ein Waffenembargo durchzusetzen. Sie unterstützt damit faktisch die Aufständischen, die Gaddafi stürzen wollen. Dieser hat bisher keine Bereitschaft zum Rücktritt signalisiert.

Die Machtbasis Gaddafis könnte allerdings in den von ihm kontrollierten Gebieten mit den Vorräten an Lebensmitteln und Medikamenten schwinden. Die Lagerbestände reichen nach UN-Schätzungen allenfalls noch einige Wochen. Je länger der Konflikt dauere, desto stärker werde auf die Reserven zurückgegriffen.

Zur Niederschlagung des Volksaufstands setzt Gaddafi den Rebellen zufolge zunehmend auf Kriminelle. In der strategisch wichtigen Hafenstadt Slitan bewaffneten die Regierungstruppen Verbrecher, deren Aufgabe es sei, Aufständische festzunehmen und die Einwohner einzuschüchtern, sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefongespräch. Es gebe auch Berichte über Vergewaltigungen. Von unabhängiger Seite konnten die Angaben nicht überprüft werden.

Material von Reuters

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