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Ausland

Fukushima: Der Kampf gegen den Gau

Die Hoffnung hängt am Kabel - und an einer Handvoll Helden

Die Hoffnungen in Japan hängen an einem Starkstromkabel: Die unterbrochene Stromzufuhr zu den Kühlsystemen der Reaktoren soll wieder in Gang gesetzt werden. Noch immer kämpfen die letzten zurückgebliebenen Mitarbeiter des Akw verzweifelt gegen die Katastrophe.

Ein Satellit zeigt die Verwüstung am Atomkraftwerk Fukushima.
Foto: AFP

Fukushima. Mit Wasserwerfern, Flughafenlöschfahrzeugen und Militärhubschraubern versuchen die Helfer im japanischen Katastrophen-AKW Fukushima-Daiichi fieberhaft, die überhitzten Reaktoren zu kühlen und ein weiteres Austreten von Radioaktivität zu verhindern. Bei Einbruch der Dunkelheit am Donnerstag war jedoch unklar, ob die Bemühungen erfolgreich waren.

Die Internationale Atombehörde (IAEA) erklärte, die Situation sei sehr ernst, habe sich in den vergangenen 24 Stunden aber nicht „signifikant verschlechtert“. IAEA-Chef Yukiya Amano, ein Japaner, war am Donnerstagnachmittag von Wien in sein Heimatland geflogen, um sich dort selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Die Hubschrauber-Flüge zur Kühlung des überhitzten Reaktors 3 wurden am Donnerstag nach vier Wasserabwürfen wieder eingestellt. Es sollte zunächst überprüft werden, ob die ungewöhnliche Maßnahme Erfolg zeige, erklärten die Behörden.

Die Betreibergesellschaft TEPCO sieht dagegen schon Fortschritte. „Das ist ein erster Schritt in Richtung Erholung“, sagte ein Sprecher. Die Strahlung habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert, eine Notstromleitung zum Kraftwerk stehe kurz vor der Fertigstellung und auch die Hubschrauberflüge hätten Wirkung gezeigt.

„Das ist ein Himmelfahrtskommando“

Die Arbeit auf dem Reaktorgelände ist Experten zufolge trotzdem extrem gefährlich. Die Techniker seien dort Strahlendosen ausgesetzt, die mindestens ihr Krebsrisiko deutlich erhöhten. „Ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll: Das ist wie ein Himmelfahrtskommando im Krieg“, sagt Professor Keiichi Nakagawa aus der Radiologieabteilung der Tokioter Universitätsklinik. Allerdings nimmt die Strahlenbelastung mit der Entfernung zu den Reaktoren schnell ab. Die außerhalb der Evakuierungszone gemessene Radioaktivität sei – obwohl erhöht – bislang ungefährlich.

Der Gouverneur der Präfektur Fukushima, Yuhei Sato, sagte dem japanischen Fernsehsender NHK, die Evakuierungsvorbereitungen angesichts der Lage in Fukushima-Daiichi seien unzureichend. „Die Angst und Entrüstung, die Menschen in Fukushima empfinden, haben den Siedepunkt erreicht“, sagte er.

Offiziell 5.300 Opfer

Die offizielle Zahl der Opfer wird mittlerweile mit mehr als 5.300 angegeben, Schätzungen gehen aber mindestens von doppelt so vielen Toten aus. Mehr als 450.000 Menschen haben in Notunterkünften Zuflucht gefunden.

Während es bei der Versorgung mit Lebensmitteln offenbar keine massiven Probleme gibt, fehlt es vor allem an Kraftstoffen und bei der medizinischen Versorgung.

So starben in der Nähe von Fukushima 14 ältere Patienten nach der Evakuierung aus einem Krankenhaus. „Wir hatten einfach nicht die Möglichkeiten, gute Pflege zu gewährleisten“, sagte ein Beamter in Fukushima.

Ausländer verlassen das Land

Mehrere Länder evakuieren ihre Staatsbürger aus Japan – darunter Frankreich und Tschechien. Die USA und Großbritannien planen solche Evakuierungen.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnt nach wie vor vor Aufenthalten im Krisengebiet im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu. Von nicht erforderlichen Reisen nach Japan wird abgeraten. Die deutsche Botschaft in Tokio verlagerte ihren Dienstbetrieb vorübergehend nach Osaka-Kobe.

Heldenhaft kämpfen die Menschen in Fukushima gegen den drohenden GAU. Alle Hoffnungen ruhen derzeit auf einem Starkstromkabel, welches die unterbrochene Stromzufuhr der Kühlsyteme wiederherstellen soll. Techniker begannen am Donnerstag damit, die etwa 1000 Meter lange Verbindung zu knüpfen, die nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco in der Nacht stehen soll. Für die Kühlung der Anlagen sorgten derweil Lösch-Hubschrauber der Armee und Wasserwerfer. Die Sorge vor einer Atomkatastrophe drohte das Los Hunderttausender Opfer des Jahrhundert-Erdbebens der Stärke 9 und des Tsunamis zu überdecken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Japan in einer Regierungserklärung Hilfe bei der Bewältigung der Erdbeben-Katastrophe zu und rief die Deutschen zu Spenden auf. Gleichzeitig drang sie auf einheitliche Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke in Europa und der Welt. Die Kanzlerin äußerte zugleich die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft durch die Folgen der Natur- und Umweltkatastrophe nur unwesentlich beeinträchtigt werde. Merkel trug sich später in der japanischen Botschaft in Berlin in ein Kondolenzbuch ein. Sie gedenke der „Opfer des schweren Erdbebens und der schrecklichen Flutkatastrophe“, schrieb die Kanzlerin und wünschte dem japanischen Volk Kraft.

Die deutsche Botschaft wurde vorübergehend von Tokio nach Osaka verlegt. Die Lufthansa leitet ihre Tokio-Flüge noch eine weitere Woche nach Osaka und Nagoya im Süden Japans um.

Sollte die geplante Starkstromleitung tatsächlich zustande kommen, soll sie nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco zunächst den relativ gering beschädigten Reaktor zwei mit Strom versorgen. Es sei aber unklar, ob die Wasserpumpen des Reaktors anspringen würden, mahnte ein Vertreter von Tepco zur Vorsicht. Bisherige Versuche, die von vier Explosionen beschädigten Reaktoren zu kühlen, schlugen fehl. Sollten die jüngsten Bemühungen nicht zum Erfolg führen, „werden wir in ein paar Tagen einen kritischen Punkt erreichen“, sagte ein Vertreter der japanischen Atombehörde.

Das Hauptaugenmerk war weiter auf den Reaktor drei gerichtet, zu dessen atomarem Brennstoff auch das hochgiftige und krebserregende Plutonium gehört. Dort versuchten Arbeiter in Schutzanzügen, sich ein Bild von der Lage zu machen. Ihre Schichtzeiten wurden wegen der hohen radioaktiven Strahlung verkürzt. Für die Techniker sei es gefährlich, den Reaktoren zu nahe zu kommen, warnte der Chef der US-Atombehörde. „Die drohende Strahlendosis könnte sich in kürzester Zeit als tödlich erweisen“, sagte Gregory Jackzo. Über dem Reaktor ließen Armee-Hubschrauber allein am Morgen 30 Tonnen Wasser ab. Die USA boten ihrem Verbündeten Japan den Einsatz einer Aufklärungsdrohne und von Atomexperten an. Das US-Außenministerium kündigte die Heimholung amerikanischer Staatsbürger an.

Der Chef der UN-Atomenergiebehörde Yukiya Amano reiste inzwischen in seine japanische Heimat. Er äußerte vor dem Abflug in Wien die Hoffnung, auch das verstrahlte Katastrophengebiet besuchen zu können. Darüber werde nach seiner Ankunft entschieden.

Eine niedrige Konzentration von radioaktiven Teilchen aus dem japanischen Unglücksreaktor bewegt sich Forschern zufolge mittlerweile auf Nordamerika zu und wird in der Folge auch Europa erreichen. Eine Gefahr für Menschen bestehe aber nicht, sagte der Forschungsleiter am Schwedischen Institut für Verteidigungsforschung, Lars-Erik De Geer.

Als Reaktion auf die Turbulenzen am Finanzmarkt nach dem schweren Erdbeben in Japan wurden Rufe nach einer zeitweiligen Schließung der Tokioter Börse laut. Ein einwöchiger Handelsstopp am Aktien- und Devisenmarkt könnte eine Option sein, um die Lage zu beruhigen, sagte Oberhaus-Präsident Takeo Nishioka, laut Nachrichtenagentur Kyodo. Der Agentur Nikkei zufolge sprachen sich auch einige ausländische Finanzinstitute wegen der starken Kursschwankungen für eine einstweilige Schließung der Börse aus. Der Marktbetreiber wies dies aber zurück. Nach dem Jahrhundertbeben und dem Tsunami waren die Kurse am wichtigsten asiatischen Handelsplatz zu Wochenanfang um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Am Mittwoch erholten sie sich zwar wieder etwas, doch die anhaltende Furcht vor einem Super-Gau drückte die Börse am Donnerstag wieder ins Minus.

Derweil setzt in den Katastrophengebieten im Nordosten Japans der Winter den Überlebenden von Beben und Tsunami zu. In den Notunterkünften kam nur wenig Trinkwasser und Heizöl an. 850.000 Haushalte sind ohne Strom, mindestens 1,5 Millionen ohne Trinkwasser. Bisher hat die Polizei den Tod von über 4300 Menschen bestätigt, 8600 werden vermisst.

Donnerstag, 17. März

17.07 Uhr: Aufgrund der Entwicklungen in dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 1 wird die deutsche Botschaft in Japan vorübergehend von Tokio nach Osaka verlegt. Von der Stadt im Südwesten der Hauptinsel Honshu werde die Beratung und Betreuung deutscher Staatsbürger fortgeführt, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Zudem empfiehlt das Ministerium, das eine Teilreisewarnung für das ostasiatische Land erließ, allen Deutschen, die Region um das Atomkraftwerk Fukushima 1 sowie den Großraum um die benachbarten Städte Tokio und Yokohama vorübergehend zu verlassen. Sie sollten nach Osaka oder über Osaka ins Ausland ausweichen, riet das Ministerium.

17.04 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium hat die Entsendung eines neun Mitglieder zählenden Teams zur atomaren Gefahrenabwehr bekanntgegeben. Die Soldaten sollen die japanischen Streitkräfte beraten.

16.25 Uhr: Freiwillige wollen die Arbeiter im havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 unterstützen. Darunter sind Angestellte des AKW-Betreibers Tepco sowie anderer Firmen, wie der britische Sender BBC berichtete. Sie wollten die eskalierende Lage unter Kontrolle bringen. Unter Berufung auf die Agentur Jiji Press meldete BBC weiter, dass einer der Freiwilligen ein 59 Jahre alter Mann sei, der bereits vier Jahrzehnte in Atomkraftwerken gearbeitet habe und eigentlich in sechs Monaten in Ruhestand wollte.

15.46 Uhr: Mit individuellem Stromsparen haben Millionen von Haushalten im Großraum Tokio einen drohenden Kollaps bei der Energieversorgung abgewendet. Am Donnerstag sei es nur zu vorübergehenden Stromabschaltungen und nicht zum befürchteten totalen Blackout gekommen, teilte der Energieversorger Tepco nach Angaben der Agentur Kyodo mit. Der Verbrauch habe in Spitzenzeiten 33,3 Millionen Kilowatt bei einer Einspeisung von 33,5 Millionen Kilowatt betragen.

15.30 Uhr: Die US-Regierung fliegt nach Angaben des Fernsehsenders CNN Amerikaner aus Japan aus. Mit der Aktion solle an diesem Donnerstag begonnen werden, berichtete der Sender unter Berufung auf Informationen aus dem State Department. Dafür würden Charterflüge eingesetzt. Zunächst werden Angehörige von Diplomaten sowie Kranke ausgeflogen, hieß es. Auch andere US-Bürger könnten sich melden.

14.30 Uhr: Die neue Stromleitung ins Katastrophen-AKW Fukushima soll bald stehen: Wahrscheinlich werde die Versorgung noch am Donnerstag wieder hergestellt, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Tepco. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Zum einen planen die Techniker neue Außenkabel zu den havarierten Reaktoren 1 und 2: Mit ihrer Hilfe soll die defekte Kühlung der Anlagen wieder in Betrieb gesetzt werden. Außerdem soll bald ein provisorisches Stromaggregat in Betrieb gehen - und zwar auf einem Teil des AKW-Geländes, wo die Strahlenbelastung nicht so hoch ist.

14.13 Uhr: Fünf Spezialfahrzeuge des japanischen Militärs haben den Reaktor 3 des Katastrophen-AKW Fukushima mit rund 30 Tonnen Wasser bespritzt. Den Einsatz an der Reaktor-Ruine bewertete der Betreiber Tepco als Erfolg: Es sei Dampf aufgestiegen, folglich hätten die Wasserwerfer das Becken mit den Brennstäben getroffen, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo einen Tepco-Sprecher. Bei den Wasserwerfern handelt es sich um Spezialfahrzeuge des Militärs, wie sie sonst etwa bei Flughafen-Bränden zum Einsatz kommen. Ihre Wasserkanonen können rund 80 Meter weit spritzen. Der Einsatz soll am Freitag fortgesetzt werden.

13.34 Uhr: Russland bietet Japan Hilfe bei der Feuerbekämpfung im Atomkraftwerk Fukushima an, meldet die Agentur Interfax unter Berufung auf das Außenministerium. Unterdessen stieg weißer Rauch oder Dampf aus dem Reaktor Nr. 2 in Fukushima auf, teilt Tepco mit.

13.20 Uhr: Die USA haben eine unbemannte Drohne zur Dokumentation der Schäden über das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima 1 fliegen lassen. Die dabei gemachten Fotos sind der Regierung in Tokio übermittelt worden.

12.14 Uhr: Große Hoffnungen richten sich auf neue Stromleitungen ins Katastrophen-AKW in Japan. "Der nächste wichtige Schritt ist, die Stromversorgung wiederherzustellen“, sagte Hidehiko Nishiyama von der staatlichen Atombehörde der Agentur Kyodo. Es war geplant, die Arbeiten am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) zu starten. Über den Fortschritt bei der Aktion gab es zunächst keine Informationen. Zum einen planen die Techniker neue Außenkabel zu den havarierten Reaktoren 1 und 2: So soll die defekte Kühlung der Anlagen wieder in Betrieb gesetzt werden. Außerdem soll bald ein provisorisches Stromaggregat in Betrieb gehen - und zwar auf einem Teil des AKW-Geländes, wo die Strahlenbelastung nicht so hoch ist.

11.42 Uhr: Die Kühlung der Reaktoren des AKW Fukushima mit Wasserwerfern ist eingestellt worden, berichtet das japanische Fernsehen. Grund dafür sei die hohe Radioaktivität.

11.33 Uhr: Sechs Tage nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe ist die Zahl der Toten und Vermissten auf 14.650 angestiegen. Bislang seien 5321 Todesopfer bestätigt worden, teilte die Polizei am Donnerstag in Tokio mit. 9329 Menschen würden noch vermisst. Außerdem seien bei der Katastrophe am Freitag vergangener Woche knapp 2400 Menschen verletzt worden.

11.17 Uhr: Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 sind in den vergangenen Tagen nach Angaben der internationalen Atombehörde IAEA in Wien 23 Menschen verletzt worden. Mindestens 20 weitere Mitarbeiter wurden verstrahlt, hieß es in einer Mitteilung der IAEA. Einer von ihnen war demnach sehr starker Strahlung ausgesetzt.

10.13 Uhr: Eine niedrige Konzentration von radioaktiven Teilchen aus dem japanischen Unglücksreaktor bewegt sich Forschern zufolge auf Nordamerika zu. Der Forschungsleiter am Schwedischen Institut für Verteidigungsforschung, Lars-Erik De Geer, berief sich am Donnerstag auf Daten von internationalen Messstationen. Die Strahlenwerte seien für Menschen unbedenklich, betonte er.

9.40 Uhr: Am Nachmittag will die Polizei damit beginnen, die beschädigten Reaktoren im Kernkraftwerk Fukushima 1 mit Wasserwerfern abzukühlen. Bei Reaktor 4 etwa aber ist das Dach noch teilweise intakt, das erschwert den Einsatz aus der Luft.

9.05 Uhr: Einsatzkräfte arbeiteten in Fukushima unter extremen Bedingungen daran, das Atomkraftwerk erstmals seit dem Beben vom Freitag wieder über eine Behelfsleitung mit Strom zu versorgen. Bis zum Nachmittag (Vormittag MEZ) könnte die Leitung teilweise wieder funktionieren, meldete die Agentur Kyodo unter Berufung auf die nationale Atomsicherheitsbehörde. Damit soll die defekte Kühlung wieder in Gang gebracht werden.

8.32 Uhr: Die chinesische Regierung fordert Japan dazu auf, zeitnah und präzise über jede Entwicklung in der Atom-Krise zu informieren.

7.54 Uhr: In Japans Hauptstadt Tokio und Umgebung ist laut dem Handelsminister Banri Kaieda ein großflächiger Stromausfall möglich. Dies könne geschehen, wenn die Stromnachfrage über die des Donnerstagmorgens steige, sagt Kaieda.

7.22 Uhr: Der Hafen Onahama im vom Erdbeben erschütterten Norden Japans hat teilweise seinen Betrieb wiederaufgenommen. Dies teilt die Regierung mit. Weitere Häfen würden innerhalb der nächsten Tage folgen. Über die Häfen werden rund sieben Prozent der Industrieproduktion des Landes abgewickelt.

6.48 Uhr: Die Zahl der offiziell registrierten Todesopfer nach der Naturkatastrophe in Japan steigt weiter. Binnen weniger Stunden korrigierte die Polizei ihre Angaben noch einmal deutlich nach oben und nannte 5198 Tote.

6.02 Uhr: Im Pazifik-Staat Vanuatu ist am Donnerstag ein starkes Erdbeben gemessen worden. Nach Angaben des US-Instituts für Geophysik hatte es eine Stärke von 6,5. Eine weitreichende Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben. Das Institut rief aber die Behörden in Vanuatu wegen möglicher örtlicher Riesenwellen zur Wachsamkeit auf. Vanuatu liegt wie Japan auf dem Pazifischen Feuerring, auf dem die Erde regelmäßig stark bebt.

5.50 Uhr: Die japanischen Streitkräfte haben die Bewässerung des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi wieder aufgenommen. Ein Militärhubschrauber vom Typ Chinook CH-47 habe über Reaktorblock 3 mindestens vier Ladungen Wasser abgeworfen, sagte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Kazumi Toyama.

5.45 Uhr: Das Dach von Reaktor 4 des Unglücks-Atomkraftwerks Fukushima 1 ist bis auf den Rahmen zerstört. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo mit Verweis auf den AKW-Betreiber Tepco. Bislang hatte es geheißen, dass das nur teilweise beschädigte Dach einen Kühleinsatz per Hubschrauber erschwere. Deshalb gingen elf Wasserwerfer der Polizei in Stellung.

4.44 Uhr: Der Druck im Reaktorblock 3 steigt nach Angaben des AKW-Betreibers Tepco wieder.

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Lesen Sie auch: Lage in japanischen Notlagern verschärft sich

Die Situation der Flüchtlinge in Japan verschärft sich. In der Präfektur Fukushima verlassen immer mehr Menschen ihre Häuser und bringen sich in Sicherheit. Laut Fernsehsender NHK flohen weitere 28.000 Menschen vor der Gefahr radioaktiver Verstrahlung. Weiter im Nordosten kämpfen die Menschen unterdessen gegen bittere Kälte. Benzin und Nahrungsmittel werden immer knapper.

Die Situation im Kernkraftwerk Fukushima 1 gerät zunehmend außer Kontrolle, nachdem ein heftiges Erdbeben und Tsunami die Anlage am Freitag beschädigt hatten. Viele Notunterkünfte in der Region seien aber schon überfüllt und könnten keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, berichtete NHK. Deshalb würden viele Menschen jetzt auch auf umliegende Präfekturen ausweichen.

So seien in der Präfektur Niigata weitere Hotels reserviert worden, um Flüchtlinge aufzunehmen. Allein in der Stadt Niigata stünden dafür nun zusätzliche 17 Hotels zur Verfügung. In den Präfekturen Yamagata und Tochigi seien nun Experten damit beschäftigt, Menschen aus Fukushima auf Radioaktivität zu überprüfen und medizinisch zu versorgen.

Die Lage in den Notlagern weiter im Erdbebengebiet im Nordosten wird ebenfalls immer angespannter. In einer Grundschule in der Stadt Sendai entfachten die dort untergebrachten Menschen am Donnerstag im Morgengrauen mit Holzscheiten Feuer unter Fässern, um heißes Wasser zuzubereiten. Die Fensterscheiben waren im Inneren des Gebäudes vereist. Die Menschen versuchen sich mit Decken warm zu halten.

“Die Gasvorräte gehen zu Ende“, sagte ein Reporter des japanischen Fernsehens. An den Wassertanks bildeten sich Schlangen geduldig wartender Menschen. Mancherorts hat es geschneit. Auch Benzin an den wenigen noch geöffneten Tankstellen geht aus.

Die Welt erbebt - Hier geht es zum großen Abendblatt-Dossier zur Naturkatastrophe in Japan

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