Auch Chicago und San Francisco sagen Nein zum Krieg
Washington. Die schwer bewaffneten Secret- Service-Beamten hinter dem mächtigen Eisenzaun des US-Präsidentenpalastes werden immer nervös, wenn Passanten der Barriere zu nahe kommen. So verwunderte es Joe Moore, Stadtrat aus Chicago, auch nicht, dass er brüsk abgewiesen wird, als er ein Päckchen für den Hausherrn George W. Bush übergeben will. Das Päckchen enthält "überzeugende Beweise dafür, dass sich die Stimmung im Lande immer mehr gegen einen von den USA geplanten Krieg im Irak dreht", sagt Moore. In der Schachtel sind Hunderte Anti-Kriegs-Resolutionen, die Volksvertreter unterschrieben haben. Während die Regierung von Präsident Bush weiter versucht, den Eindruck zu erwecken, als wäre mit Ausnahme von einigen linken Spinnern die große Mehrheit der Bürger für den Krieg, sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Wurde das schon durch massive Antikriegs-Demonstrationen im ganzen Land, dem Widerstand der Kirchen sowie des Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO deutlich, bekommen die Kriegsgegner jetzt zunehmend Unterstützung von Politikern aus Städten, Kommunen und Bundesstaaten. Inzwischen haben sich fast 100 Städte der Bewegung "Cities for Peace" (Städte für Frieden) angeschlossen. Sogar Metropolen wie San Francisco, Detroit, Chicago, Philadelphia, die Hauptstadt Washington sowie die Staaten Maine und Hawaii unterschrieben die Resolution gegen einen "präventiven und einseitigen Krieg". Der Grund für die Ablehnung liegt jedoch nicht alleine im ethischen und moralischen Bereich, sondern erfolgt nicht selten auch aus wirtschaftlichen Erwägungen. So wettert Maryann Mahaffey, die Vorsitzende des Stadtrates von Detroit: "Die Obdachlosenasyle meiner Stadt sind völlig überfüllt, und wir haben ein Haushaltsdefizit von einer Million Dollar wegen erhöhter Kosten für Heimatsicherheit. Da sind mir die Sorgen meiner Bürger wichtiger als ein unnötiger Krieg." Auch ihre Kollegin Serena Cruz aus Portland (Oregon) sieht keinen Grund für einen Krieg. "Er wird Portland nicht sicherer machen, wir sehen also keine Notwendigkeit für eine militärische Intervention. Außerdem wissen wir schon so nicht, wie wir die großen Nöte unserer Bürger hier lindern können", klagt die zierliche Frau. Eine Studie der Harvard-Universität hat jetzt errechnet, dass ein Krieg gegen Saddam eine Stadt wie Denver in diesem Jahr rund 38 bis 40 Millionen Dollar an fehlenden Bundeszuschüssen kosten würde. Je nach Länge eines bewaffneten Konfliktes müssten US-Steuerzahler im Schnitt in den kommenden zehn Jahren zwischen 800 und 20 000 Dollar pro Familie für Bushs Krieg berappen. Karen Dolan vom Washingtoner Institut für Politikstudien bestätigt, dass ein Krieg "die angespannte Wirtschaftslage der Kommunen noch verschärfen und den finanziellen Spielraum zusehends einschnüren würde". Dass Bush der Wind ins Gesicht bläst, beweisen auch die jüngsten Umfragen von CNN. Danach fiel die Zustimmungsrate für den US-Präsidenten erstmals seit seinem Amtsantritt auf unter 50 Prozent. Auch die Unterstützung für einen Krieg weicht auf. Während 59 Prozent der US-Bürger sich prinzipiell einen Waffengang gegen Saddam Hussein vorstellen können, machen ihn 40 Prozent davon abhängig, dass er durch die UNO unterstützt wird. Sollte Saddam tatsächlich seine Raketen zerstören, halten nur noch 33 Prozent eine Invasion für nötig.



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