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Ausland

Ein Kontinent als Schlupfloch für den Terror

Die instabile Lage in Afrika begünstigt Anschläge der Al Kaida

Hamburg. "Untätig und unfähig" seien sie allesamt gewesen, beschimpfte die nationale Tageszeitung "Daily Mail" die kenianischen Sicherheitskräfte kurz nach dem Bombenanschlag auf ein Hotel in Mombasa am 28. November vergangenen Jahres. 13 Menschen mussten dabei sterben. Einiges deutet mittlerweile darauf hin, dass das Blatt richtig liegt. Denn Kenias Behörden erhielten offenbar schon ein halbes Jahr zuvor Hinweise, dass Attentate auf israelische und amerikanische Einrichtung geplant seien. Passiert ist aber offenbar nichts.

Ist aber vielleicht genau das der Grund, weshalb immer häufiger Ziele in Afrika ins Visier von Al Kaida geraten? Das Netzwerk Osama bin Ladens war es nämlich, das sich zu dem Mombasa-Attentat bekannte. In die Tat umgesetzt hat das Vorhaben schließlich die mit Al Kaida verbundene Terrorgruppe "Al Ittihad Al Islamiya" (Islamische Einheit) aus Somalia - die auch für die Botschaftsanschläge 1998 in Kenia und Tansania verantwortlich gemacht wird.

Experten und Diplomaten erklären zudem, es müsse in diesem Jahr verstärkt mit weiteren Anschlägen in Afrika gerechnet werden - vor allem auf so genannte "weiche Ziele" wie Touristenzentren. Terrorexperten stellen sich nun vor allem zwei Fragen: Ermöglicht es der Staatszerfall in weiten Teilen des südlichen Afrikas Terroristen, bequem Unterschlupf zu finden, um ungestört weitere Anschläge zu planen? Und gibt es eine starke islamistische Bewegung, die Al Kaida den Boden für eine Verbreiterung seiner terroristischen Basis ermöglicht?

Eine Radikalisierung des Islam sei im nördlichen Nigeria, in Somalia und unter den Muslimen Südafrikas festzustellen, erklärt Stefan Mair, Afrikaexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. "Doch kurzfristig ist nicht zu erwarten, dass extremistische Muslime im südlichen Afrika zu einem Bestandteil von Al Kaida werden."Auch die grassierende Armut treibt den Mullas nicht viel neue Kundschaft zu. Die viel größere Gefahr geht seiner Ansicht nach davon aus, dass sich - anders als in Nordafrika - südlich der Sahelzone mehr kollabierte Staaten tummeln als überall sonst auf der Welt. Kongo, Guinea, Tschad, Sudan, Angola stehen kurz vor dem Kollaps - Kenia, Tansania, Mali, Sambia, Kamerun, Malawi sind auf dem Weg dahin. Alle diese Länder haben eines gemein: Ihre Grenzgebiete, Großstädte und Elendsviertel sind faktisch rechtsfreie Räume.

Für den Berliner Experten ergeben sich daraus zwei Schlussfolgerungen: "Zum einen bieten schwache und zerfallende Staaten exzellente Rückzugsräume und ausgezeichnete Bedingungen für Geldwäsche und das Parken von Kapital. Zum anderen schafft die Ineffektivität der Behörden ein günstiges Umfeld für die Ausführung von Anschlägen."

In Kenia ist es schon soweit, dass das Grenzgebiet zu Somalia nur noch in geschützen Militärkonvois zu bereisen ist. Weite Teile des Landes werden von somalischen Warlords oder kriminellen Banden kontrolliert. "Und die Polizei", erläutert Mair, "beteiligt sich an Überfällen und vermietet Fahrzeuge sowie Waffen an die Kriminellen". Unter diesen Umständen sei es unmöglich, Anschläge wie den in Mombasa zu verhindern.

Für die Zehntausenden Amerikaner und Europäer in Afrika sind das ungemütliche Aussichten. Denn die einzige Möglichkeit, die Terrorgefahr zu bannen, wäre eine Wiederherstellung der staatlichen Ordnungsmacht. In den meisten der genannten Länder ist das auf kurze Frist hin illusorisch. Deshalb bleibt den Ausländern wohl nur zweierlei: Ausreisen oder sich noch stärker in ihren Häusern zu verbarrikadieren.

 

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