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Ausland

Kartendienst

Google Maps löst bizarren Grenzstreit in Costa Rica aus

Nicaragua hisst seine Fahne. Hinter dem Streit um die Grenze und Google Maps stecken Drogenkriege und politische Ränke.

Im Mündungsdelta des Flusses San Juan hissen nicaraguanische Soldaten die Flagge ihres Landes. Costa Rica ist empört.
Foto: REUTERS

Managua/San Jose. Es gibt weder Öl noch andere Schätze im Mündungsdelta des Flusses San Juan. Und doch ist das Grenzgewässer zwischen Nicaragua und Costa Rica seit vielen Jahren Grund für Streit. In den vergangenen Tagen hat er sich zugespitzt. Nicaragua hisste seine Fahne auf dem Gebiet des Nachbarn, dabei spielte auch eine Karte des Internet-Unternehmens Google eine Rolle. Costa Rica droht mit der Anrufung des Uno-Sicherheitsrates. Die Organisation der Amerikanischen Staaten versucht zu vermitteln. Bisher vergeblich.

Für die Besetzung macht Nicaragua wirtschaftliche Gründe geltend. Um den Tourismus in der Region zu entwickeln, soll der zu Nicaragua gehörende Fluss ausgebaggert werden. So könnten künftig auch Kreuzfahrtschiffe in das Flussdelta im malerischen Urwald einfahren. Costa Rica widersetzt sich wegen befürchteter Umweltschäden, bisher erfolglos. Managua schickte Soldaten, um die Aktion zu sichern und angeblich auch zur Bekämpfung des Drogenhandels im Wald.

Der wahre Grund für die Verschärfung ist allerdings der beginnende Wahlkampf um das Präsidentenamt in Nicaragua. Der sandinistische Präsident Daniel Ortega will entgegen der Regelung in der Verfassung für eine weitere Amtszeit kandidieren. In Costa Rica ist die neue Präsidentin Laura Chinchilla gerade frisch im Amt. Für ihre Regierung ist der Konflikt mit Nicaragua aber eine Gelegenheit, etwa vom Problem zunehmender Unsicherheit durch die Drogenkriminalität abzulenken.

„Das merkwürdige an dem Streit ist, dass die Regierungen nicht miteinander reden“, sagt ein Diplomat. „Es ist ein Problem entstanden und die Führungen der beiden Länder erwecken die nationalen Gefühle der Bevölkerungen durch öffentliche Auftritte, anstatt miteinander zu sprechen“. Trotz einer Vermittlungsreise des Generalsekretärs der Organisation der Amerikanischen Staaten, José Miguel Insulza, ist nicht abzusehen, dass vor allem Ortega in der Frage mit sich reden lassen wird. Mit dem Grenzstreit hat er möglicherweise den Schlüssel zu einer weiteren Präsidentschaft in der Hand.

Denn die Opposition, die sich gerade gegen ihn zusammenschloss, kann ihn aus patriotischen Gründen im Grenzstreit nicht attackieren. „Für ihn ist das Ganze ein Geschenk des Himmels“, sagt ein politischer Beobachter. „Zurzeit läuft es günstig für Ortega.“

Der lässt lieber weiter zündeln. Edén Pastora, der Kampfgefährte Ortegas und Ex-Guerillero, verantwortlich für das Ausbaggern des Flusses, beschuldigte Costa Rica, es habe Google mit Hilfe von Drogengeldern bestochen, um den Grenzverlauf auf den Karten zugunsten des Nachbarn zu verändern. Dass Google Maps Nicaragua begünstigte, focht den ehemaligen „Comandante Zero“ nicht an.

„Dass sich die Militärs eines Landes nicht von ihren eigenen Karten leiten lassen könnten, ist ausgeschlossen“, urteilte ein Beobachter. Im Vertrag aus dem Jahre 1859 wurde vertraglich festgelegt, dass die rechte Flussseite zu Costa Rica gehört. Im vielarmigen Delta ist aber möglicherweise vor allem in der Regenzeit nicht so klar, wo der Hauptarm fließt. Und so argwöhnt Costa Rica, der Nachbarstaat könne versuchen, den kürzesten Flussarm ausbaggern, und sich damit im Handstreich costaricanisches Land einzuverleiben. Offiziell entsandte Nicaragua die Truppen, um dort im Niemandsland den Drogenschmuggel zu bekämpfen. Am Mittwoch tagte das eigentlich zerstrittene nicaraguanische Parlament einschließlich aller Ortega-Gegner an der Grenze. Es beschloss, die Regierung bei der „Verteidigung der Souveränität des Flusses“ zu unterstützen.

(dpa)

 

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