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Ausland

Frankreich

Affären und unerwünschte Gäste verhageln Sarkozy die Parade

Der Spendenskandal um die L’Oréal-Erbin Bettencourt weitet sich aus. Und zum Nationalfeiertag kamen mutmaßliche Kriegsverbrecher.

Damenprogramm bei der Militärparade zum Nationalfeiertag: Die First ladies aus der Zentralafrikanischen Republik, Monique Bozize, aus Benin Chantal de Souza Yayi, aus Gabun Sylvia Bongo Ondimba, Carla Bruni Sarkozy, aus Mauretanien Tekber Mint Melainine Ould Ahmed und aus Kamerun Chantal Biya.
Foto: dpa/DPA

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Paris. Nicolas Sarkozy ist der kalten Dusche knapp entkommen. Der französische Präsident war zum Auftakt der traditionellen Militärparade zum Nationalfeiertag die Champs-Élysées gerade heruntergefahren, als ein kräftiger Regenschauer auf die zu Militärmusik marschierenden Truppen niederging. Die Soldaten in ihren durchnässten Uniformen verzogen keine Mine, zahlreiche Zuschauer flüchteten ins Trockene. Sarkozy war bereits auf der überdachten Tribüne angekommen, wo 13 afrikanische Staatschefs als Ehrengäste saßen. Sarkozy im Regen hätte ein schlechtes Bild abgegeben – aber es hätte gut gepasst, um seine politische Lage zu illustrieren.

Er wirkte angespannt und übermüdet, die seit Wochen andauernde Steuerschwindel- und Spendenaffäre um die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt scheint ihre Spuren hinterlassen zu haben. Mit seinem langen Fernsehinterview, in dem er sich erstmals öffentlich gegen die Vorwürfe verteidigte, hat er nach Umfragen nur eine Minderheit der Franzosen überzeugt. Sein umstrittener Arbeitsminister Eric Woerth ist zudem erneut in die Schusslinie geraten: Nach Informationen des Enthüllungsblatts „Le Canard Enchaîné“ soll er in seiner Zeit als Haushaltsminister ein staatliches Grundstück samt Pferderennbahn und Golfplatz weit unter Marktpreis an einen Freund verscherbelt haben.

Selbst die Militärparade, die üblicherweise Anlass zu einer militärisch-bunten Demonstration des französischen Nationalstolzes ist, wurde in diesem Jahr Zielscheibe heftiger Kritik. Ursprünglich hatte Frankreich mit der Teilnahme afrikanischer Truppen an der Parade die 50-jährige Unabhängigkeit von 14 ehemaligen Kolonien in Afrika feiern wollen. Umgehend hagelte es Kritik, dass dies wohl kaum Aufgabe der ehemaligen Kolonialmacht sei. Dann erklärte Sarkozy, dass er auf diese Weise die afrikanischen Soldaten ehren wolle, die für Frankreich gekämpft hatten. „Wir feiern die Blutsverbindung, die entstand, als afrikanische Soldaten sich an der Befreiung Frankreichs beteiligten“, betonte er. Tausende Afrikaner seien für Frankreich gestorben. Zudem sei die Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzungsmacht zunächst von afrikanischem Boden aus organisiert worden.

Am Vortag hatte Sarkozy zur Freude seiner afrikanischen Ehrengäste verkündet, dass Frankreich den afrikanischen Veteranen und ihren Hinterbliebenen künftig die gleiche Rente zahlen werde wie den Franzosen. Dies sei längst überfällig gewesen, beteuerte Sarkozy. Was er nicht erwähnte: Der Verfassungsrat hatte die Ungleichbehandlung kürzlich bemängelt, und die Regierung hätte ohnehin darauf reagieren müssen.

Kritik gab es vor allem an der Tatsache, dass auf diese Weise auch Armeen geehrt würden, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden. In Conakry, der Hauptstadt von Guinea, hatten Regierungssoldaten im vergangenen Herbst beispielsweise mehr als 150 Menschen getötet. Menschenrechtsorganisationen argwöhnten, dass sich in den afrikanischen Delegationen vermutlich Personen befänden, die für Schandtaten der Soldaten verantwortlich sein. Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin dementierte dies.

Ein Mitarbeiter des französischen Außenministeriums bestätigte indirekt, dass unter den Ehrengästen mutmaßliche Kriegsverbrecher sein könnten. Er wies die Bedenken nach Informationen des „Canard“ allerdings mit einer flapsigen Bemerkung zurück, die in Berlin Stirnrunzeln hervorrufen dürfte:„Wenn wir solche Maßstäbe anlegen, dann hätten wir auch nie deutsche Soldaten (zur Militärparade auf den Champs-Élysées) einladen dürfen.“

(dpa)

 

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