Großoffensive in Afghanistan
Taliban missbrauchen Zivilisten als Schutzschilde
Bei der Großoffensive gegen die Taliban kommen die Truppen schleppend voran. Immer wieder geraten Zivilisten zwischen die Fronten.
Ein afghanischer Soldat salutiert, als die afghanische Flagge auf einem Marktplatz in Mardscha gehisst wird.
Foto: AP
Kundus/Kabul. Es war ein symbolischer Etappensieg, als der Gouverneur der afghanischen Provinz Helmand, Mohammad Gulab Mangal, auf einem Marktplatz der umkämpften Stadt Mardscha eine afghanische Flagge hissen ließ. Mardscha ist eine der letzten Hochburgen der Taliban in Helmand, der gewalttätigste Provinz in Afghanistan. Im Rahmen der Offensive „Muschtarak“ („Gemeinsam“) an der rund 15.000 Soldaten beteiligt sind, versuchen die Nato-Truppen seit Tagen die Taliban aus Mardscha zu vertreiben.
Die US-afghanische Offensive ist die größte seit der amerikanischen Invasion 2001. Bislang kamen dabei vier NATO-Soldaten und rund 30 Taliban-Kämpfer ums Leben. Zwölf Zivilisten wurden versehentlich getötet. Nach Angaben von US-Militärsprechern lässt der Widerstand der Taliban in Mardschah inzwischen nach, der Kampf sei aber noch nicht vorbei.
Ein afghanischer General warf den Taliban vor, im Kampf um die 80.000-Einwohnerstadt Zivilpersonen als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die angreifenden afghanischen und amerikanischen Soldaten würden immer wieder aus Häusern beschossen, auf deren Dächern und an deren Fenstern deutlich sichtbar Frauen und Kinder seien, sagte General Mohjudin Ghori. „Besonders im Süden Mardschas kämpft der Feind von Gebäuden, auf denen Soldaten sehr deutlich Frauen oder Kinder auf dem Dach oder an einem Fenster in der zweiten oder dritten Etage sehen“, sagte Ghori.
Nach Beginn der Großoffensive gegen die Taliban in Südafghanistan hat der Gouverneur der nördlichen Provinz Kundus eine entsprechende Operation auch für das Einsatzgebiet der Bundeswehr angekündigt. Die Offensive in Kundus und der benachbarten Provinz Baghlan werde „in naher Zukunft“ beginnen und der Operation „Muschtarak“ in der südafghanischen Provinz Helmand gleichen, sagte Gouverneur Mohammad Omar in Kundus-Stadt
Bei Gefechten mit Aufständischen in Nordafghanistan sind unterdessen drei Bundeswehrsoldaten verletzt und mehrere Angreifer getötet worden. Die zwei Attacken auf deutsche Soldaten ereigneten sich am Mittwochnachmittag fast zeitgleich in der Nähe des Feldlagers in Kundus. Ein Aufklärungstrupp der Bundeswehr wurde nördlich von Kundus mit Handfeuerwaffen angegriffen. Bei dem Gefecht wurden nach ersten Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam „vermutlich mehrere Angreifer“ getötet, die Bundeswehrsoldaten blieben unversehrt. Nur wenige Minuten später kam es westlich von Kundus zu einem weiteren Angriff auf einen Bundeswehrtrupp. Dabei wurden drei Soldaten leicht verwundet und im Feldlager medizinisch behandelt.




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