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Ausland

Taliban Afghanistan

Militärchef der Taliban geht Geheimdiensten in Pakistan ins Netz

Mullah Abdul Ghani Baradar ist der ranghöchste Taliban, der seit Beginn der US-Invasion in Afghanistan gefasst wurde. Er gilt hinter Mullah Omar als Nummer zwei der islamistischen Bewegung und als enger Vertrauter von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden.

Im Süden Afghanistans läuft derzeit die größte Militäroffensive gegen die Taliban seit dem Sturz ihres Regimes Ende 2001.
Foto: AFP

Islamabad. In der 2001 gestürzten Taliban-Regierung soll Baradar stellvertretender Verteidigungsminister gewesen sein. Zuletzt führte er den Militärrat der Taliban. Diese Position übernahm er von Mullah Achtar Mohammed Usmani, der 2006 getötet wurde.

Baradar soll vor allem die militärischen Aktivitäten der Taliban im Süden und Südwesten Afghanistans koordiniert haben. In seinen Verantwortungsbereich fielen die Unruheprovinzen Kandahar, Nimros, Sabul, Urusgan sowie Helmand. In letzterer Provinz haben NATO-Truppen und afghanische Soldaten am vergangenen Wochenende die größte Militäroffensive seit dem Sturz der Taliban gestartet. Baradar wurde etwa eine Woche davor in der pakistanischen Hafenstadt Karachi festgenommen.

Analysten halten die jetzige Bekanntgabe der Verhaftung denn auch für keinen Zufall. Vermutlich sollten damit die Taliban-Kämpfer in der Stadt Mardschah demoralisiert werden, gegen die sich die derzeitige alliierte Großoffensive richtet. Ein Taliban-Sprecher wies die Berichte von der Festnahme denn auch als falsch zurück. Dies sei westliche Propaganda, um den Erfolg des Dschihads in Mardschah zu schmälern, sagte er.

US-Analysten warnten allerdings davor, sich von der Verhaftung Baradars unmittelbare Vorteile bei den Kämpfen zu erhoffen. „Es ist unwahrscheinlich, dass mit der Festnahme eines Einzelnen die Nabelschnur zwischen der Führungsspitze und den Kommandeuren an der Front durchtrennt würde. So sind die Taliban nicht organisiert“, erklärte die US-Firma für globale Geheimdienststudien Stratfor.

Baradar kein Kandidat für Verhandlungen

Spekulationen gab es nicht nur über den Zeitpunkt der Bekanntgabe, sondern auch über den Zeitpunkt der Verhaftung selbst. „Wenn die pakistanischen Beamten ihn hätten festnehmen wollen, hätten sie das schon längst tun können“, ist der afghanische Parlamentsabgeordnete Scher Mohammed Achud Sada überzeugt. „Warum also haben sie es gerade jetzt getan?“ Wie der frühere Gouverneur der Provinz Helmand sehen auch andere Beobachter darin vor allem einen taktischen Schachzug des pakistanischen Geheimdienstes.

Bis zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die den US-Angriff auf Afghanistan auslösten, hat Pakistan die Taliban unterstützt. Seitdem ist der pakistanische Geheimdienst wiederholt beschuldigt worden, Taliban-Führer zu schützen. Ob dieser Verdacht mit der Verhaftung Baradars ausgeräumt werden kann, bleibt abzuwarten.

relatedlinksWichtig ist in diesem Zusammenhang, dass sich die USA und ihre NATO-Verbündeten unlängst bereiterklärt haben, mit gemäßigten Taliban zu verhandeln. Baradar gilt nicht als gemäßigt, so dass er wohl kaum zu solchen Gesprächen herangezogen worden wäre. Also könnte in pakistanischen Geheimdienstkreisen kein Interesse mehr bestanden haben, ihn noch länger zu decken.

Manche Analysten sehen Baradar als Pragmatiker, der unter bestimmten Umständen durchaus zu Verhandlungen bereit sein könnte. In einem schriftlichen Interview des US-Magazins „Newsweek“ im vergangenen Jahr sagte die Nummer zwei der Taliban allerdings, er sehe keinen Sinn in einem Dialog mit den USA. „Wir haben ein Problem mit den Amerikanern, weil sie unser Land angegriffen haben. Sie bieten Gespräche an in der Hoffnung, dass die Mudschahedin vor ihnen einknicken. Wir sehen darin keinen Nutzen für unser Land oder den Islam.“

Talibanhochburg – Die Provinz Helmand:

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