Kommentar: Friedensnobelpreis an Obama
Wenn Rhetorik mit Realität kollidiert
Als die Nominierungsfrist für den Friedensnobelpreis endete, war Barack Obama gerade zehn Tage im Amt. So viel zu der Frage, ob der US-Präsident die Auszeichnung verdient habe. Was er ja selbst bezweifelt. Das hat er in Oslo eingeräumt. Ein frischgebackener Friedensnobelpreisträger rechtfertigt als Kriegspräsident die Entsendung von 30 000 weiteren Soldaten nach Afghanistan? Das ist einfach zu grotesk, da ist sogar Obama, die rhetorische Jahrhundertbegabung, in seiner Dankesrede an Grenzen gestoßen. Der einstige Hoffnungsträger hat an Strahlkraft eingebüßt, weil seine Rhetorik mit der Realität kollidiert - nicht nur in Afghanistan, auch in der Frage der Guantánamo-Schließung, der atomaren Abrüstung oder der israelischen Siedlungspolitik. Richtig ist aber auch, dass die Erfolge nur deshalb so dürftig wirken, weil Obama selbst zu hohe Erwartungen geweckt hat.



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