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Ausland

Ausschreitungen in Athen und Thessaloniki

Jugendliche und Polizei liefern sich in Athen Straßenschlachten

Das Bekennerschreiben zum Anschlag auf eine Hamburger Polizeiwache könnte den Ermittlern in Athen Hinweise liefern.

Im Zentrum Athens lieferten sich am Sonntag rund 300 Vermummte Straßenschlachten mit der Polizei.
Foto: AP

Athen/Hamburg . Ein Jahr nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel ist Griechenland von neuen Krawallen erschüttert worden. Im Zentrum Athens lieferten sich am Sonntag rund 300 Vermummte Straßenschlachten mit der Polizei. Die Randalierer zündeten Mülltonnen an und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte, mehrere Schaufenster gingen zu Bruch. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein. „Es kam immer wieder zum Nahkampf“, berichteten Reporter. Die Polizei hatte 10.000 Beamte mobilisiert.

Bis in die Nacht zum Montag hinein lieferten Jugendliche und die Polizei sich Im Zentrum von Athen schwere Straßenschlachten. Im Gebäude der Polytechnischen Universität verschanzten sich Maskierte und warfen immer wieder Steine und Flaschen auf Polizisten. Diese setzten Tränengas ein. Zuvor hatten Jugendliche auch die Universität von Athen besetzt und die Fahne der anarchistischen Bewegung gehisst. An mehreren Teilen der Stadt wurden Fensterscheiben von Banken eingeworfen oder Abfallbehälter in Brand gesetzt.

In Athen wurden 177 Personen wegen Störung der öffentlichen Ordnung verhaftet. Weitere 103 wurden in Thessaloniki verhaftet. Auch in Patras und Ioannina kam es zu Demonstrationen. Die seit Oktober amtierende Regierung der linksgerichteten PASOK verteidigte das härtere Vorgehen der Polizei und kündigte eine „Null-Toleranz“-Strategie an. Der für den Zivilschutz zuständige Minister Michalis Chrisochoidis sagte: „Vandalen und Hooligans haben mit Demokratie nichts zu tun.“

Eine Spur der Krawalle führt möglicherweise auch nach Hamburg. Nach einem am Sonntag bekanntgewordenen Bekennerschreiben soll ein Anschlag auf eine Hamburger Polizeiwache mit den Geschehnissen in Griechenland in Verbindung stehen. Mit dem Anschlag habe man an die „Ermordung“ des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos erinnern wollen, heißt es in dem Bekennerschreiben, das bei der „Hamburger Morgenpost“ einging. Eine Gruppe „Koukoulofori„ (Die Vermummten) gab an, Streifenwagen angezündet, Fenster eingeworfen und Beamte mit Steinen attackiert zu haben. Die angegriffene Wache sei für „Misshandlungen und rassistischen Terror“ bekannt. Die Polizei bestätigte die Existenz des Schreibens.

In Athen drangen Autonome ins historische Gebäude des Rektorats der Universität ein und beschmierten die Wände mit Sprüchen wie „Gewalt gegen die Staatsgewalt“. Die Randalierer hissten die rotschwarze Fahne der Anarchie auf dem Gebäude. Der Universitätsrektor Christos Kittas wurde verletzt, er musste mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, hieß es in Radioberichten.

Zuvor hatten zahlreiche Menschen an einer „Seelenmesse“ am Grab des 15-Jährigen teilgenommen. Die Familie des Jungen hatte die Medien gebeten, dem Grab fernzubleiben, berichteten Reporter, die den Gottesdienst in der Athener Vorstadt Palaio Faliro aus der Ferne beobachteten. Nach dem Tod des Jungen war Griechenland von einer beispiellosen Welle der Gewalt überzogen worden.

Bereits in der Nacht zum Sonntag war es in Athen und der Hafenstadt Thessaloniki zu Ausschreitungen gekommen. In der Athener Vorstadt Keratsini besetzten Autonome mehrere Stunden lang das Rathaus. Die Sicherheitskräfte nahmen mehr als 160 Menschen vorläufig fest, in 84 Fällen wurde Anklage erhoben, wie es hieß. Unter den Festgenommenen waren nach Medienberichten auch zwei Frauen aus Spanien und fünf Männer aus Italien. (ap/dpa/abendblatt.de)

 

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