Syrien-Krise Die Hisbollah macht den Libanon zum Schlachtfeld

So, 26.05.2013, 12.38 Uhr

In Beirut sind zwei Raketen in einem Schiiten-Viertel explodiert. Der Libanon gerät weiter in den Strudel des syrischen Bürgerkriegs, seit die Hisbollah in dem Konflikt im Nachbarland mitkämpft.

Video: Reuters
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Die libanesische Hisbollah erklären sich zur Kriegspartei in Syrien. Sie stützt den bedrängten Machthaber Assad. Am Sonntag schlugen darauf Raketen in Beirut ein. Dem Land droht eine Zerreißprobe.

Die libanesische Hisbollah kämpft im syrischen Bürgerkrieg jetzt offiziell an der Seite des Assad-Regimes. Und setzt damit die Stabilität des eigenen Heimatlandes aufs Spiel. Der Generalsekretär der Schiitenbewegung, Hassan Nasrallah, prophezeite während einer Fernsehansprache einen Sieg in Syrien. Er versprach, dass die Milizen solange wie notwendig blieben. Nur wenige Stunden nach der Rede schlugen am Sonntag Raketen in zwei von der Hisbollah kontrollierten Vororten Beiruts ein. Fünf Menschen wurden verletzt.

Angesichts der wachsenden Sorge vor einem Flächenbrand in Nahost ruhen viele Hoffnungen auf einer von den USA und Russland initiierten Syrien-Friedenskonferenz. Syriens Außenminister Walid al-Muallim sagte am Sonntag in Bagdad, die Regierung in Damaskus sei grundsätzlich zu einer Teilnahme bereit. Dagegen kam die syrische Opposition am Wochenende in Istanbul bei ihren Beratungen über eine Teilnahme zu keinem Ergebnis. Nach Angaben von Oppositionellen in Damaskus könnte das Treffen für den 12. Juni in Genf einberufen werden.

Während sich Kämpfer der Schiitenorganisation Hisbollah mit Soldaten von Syriens Machthaber Baschar al-Assad verbünden, gibt es im Libanon aber auch Muslime sunnitischer Glaubensrichtung, die schwer bewaffnet sind und die syrische Opposition unterstützen. Damit droht dem Libanon immer mehr eine Zerreißprobe. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vor der "Gefahr eines Flächenbrandes". Das kleine arabische Land versank bereits von 1975 bis 1990 in einem Bürgerkrieg.

Hisbollah werden auf "Sieg" eingeschworen

Bei den Raketenangriffen im Süden der libanesischen Hauptstadt schlugen nach Angaben von Sicherheitskräften zwei Geschosse vom Typ "Grad" in eine Automobilausstellung und ein Wohngebäude ein. Zunächst bekannte sich niemand zu den Attacken. Libanons Innenminister Marwan Charbel sah in dem Angriff einen Versuch, die Sicherheitslage in seinem Land zu destabilisieren. In dem östlichen Ort Hermel nahe der syrischen Grenze schlugen laut libanesischer Nachrichtenagentur NNA zwei Raketen aus Syrien ein, verletzt wurde niemand.

Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah hatte am Vorabend seine Kämpfer auf einen "Sieg" in Syrien eingeschworen. Ein Sturz des Regimes von Baschar al-Assad komme nicht infrage. Syrien sei das Rückgrat des Widerstandes, und der Widerstand (die Hisbollah) werde nicht mit verschränkten Armen zuschauen, wie Syrien von den USA, Israel und Extremisten das Rückgrat gebrochen werde.

Mit Hilfe von Hisbollah-Milizionären haben syrische Regierungstruppen in der strategisch wichtigen Kleinstadt Al-Kusair am Wochenende eine neue Offensive gestartet. Rund 2000 Hisbollah-Kämpfer sollen an den Gefechten beteiligt sein.

Iran macht Türkei für Eskalation verantwortlich

Al-Kusair liegt an der Grenze zum Libanon und in der Nähe einer Straße, die Damaskus mit den vom Regime kontrollierten Küstengebieten verbindet. Auch für die Rebellen ist der Ort von strategischer Bedeutung, weil hier Nachschublinien aus dem Libanon entlanglaufen. Die Hisbollah wiederum will nach den Worten von Nasrallah verhindern, dass radikale Islamisten oder Extremisten das Gebiet entlang der Grenze zum Libanon kontrollieren.

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) appellierte an alle Libanesen, sich im Interesse von Frieden und Stabilität im eigenen Land aus dem Syrienkonflikt herauszuhalten. Assads Bündnispartner Iran machte die Türkei für die Eskalation verantwortlich. "Das war von vornherein klar, dass die Syrien-Krise intern gelöst werden musste, und dass Waffenlieferungen an Radikale nur zu einem Krieg in der Region führen würde", sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani laut Mehr Nachrichtenagentur.

Der Syrienkonflikt hat seit seinem Beginn im März 2011 UN-Schätzungen zufolge mehr als 80.000 Menschen das Leben gekostet. Im Nordlibanon wurden bei den jüngsten Kämpfen zwischen Unterstützern des syrischen Regimes und dessen Gegnern binnen einer Woche mindestens 26 Menschen getötet.