26.05.13

Moral-Appelle Messerangriff auf türkische Kuss-Protestler


Kuss-Proteste in Ankara. Gegen die Aufforderung „moralischen Verhaltens“ demonstrierten etwa 300 Menschen - mit öffentlichen Küssen

Foto: BO AJP**LON** / AP

Kuss-Proteste in Ankara. Gegen die Aufforderung „moralischen Verhaltens“ demonstrierten etwa 300 Menschen - mit öffentlichen Küssen Foto: BO AJP**LON** / AP

In der Türkei wurde vergangene Woche dazu aufgerufen, sich in der U-Bahn "moralisch zu verhalten". Gegen die zunehmenden Moral-Appelle demonstrierten nun etwa 300 Menschen. Sie wurden angegriffen.

In der türkischen Hauptstadt Ankara haben religiöse Aktivisten Teilnehmer einer "Kuss-Demonstration" angegriffen. Wie die türkische Zeitung "Hürriyet" am Sonntag berichtete, hatten sich etwa 300 Demonstranten an einer U-Bahn Station versammelt, um mit dem Küssen in der Öffentlichkeit gegen eine zunehmende Islamisierung in der türkischen Gesellschaft zu demonstrieren.

Anlass war, dass nach einem vermeintlich "unangebrachten Verhalten" von Jugendlichen in der Metrostation vergangene Woche ein Schild angebracht worden war mit der Aufforderung, sich "der moralischen Ordnung nach angemessen zu verhalten".

Die im Vorfeld bekannt gewordene Protestaktion hatte auch Gegendemonstranten auf den Plan gerufen, darunter Mitglieder der Jugendorganisation der islamisch-konservativen Regierungspartei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

"Keine Schweinereien in der U-Bahn"

Diese hätten ebenfalls in sozialen Netzwerken unter dem Motto "Keine Schweinereien in der U-Bahn" mobilisiert, schrieb "Hürriyet".

Dem Bericht zufolge bemühte sich die Polizei die Gruppen auseinanderzuhalten. Dennoch seien die selbst ernannten Sittenwächter mit "Allahu-Akbar"-Rufen, Gott ist Groß, auf die Küssenden losgegangen. Als das Happening bereits beendet war, hätten sie einige der Kuss-Aktivisten verfolgt und mit Messern verletzt.

(dpa/KNA/ds)