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Ausland

Terroranschlag in Afghanistan

Raketen, Bomben, Granaten: Anschläge erschüttern Kabul

Die Sicherheitslage hat sich zwei Tage vor der Präsidentenwahl dramatisch zugespitzt: Selbstmordattentäter und Raketenangriffe verbreiten Angst und Schrecken.

Ein Mann hält in Kabul sein verletztes Kind auf dem Arm und bringt es ins Krankenhaus. Die Sicherheitslage in der Hauptstadt ist so katastrophal wie die medizinische Versorgung.
Foto: AFP

Kabul/Hamburg. Kurz vor den Wahlen in Afghanistan nimmt die Gewalt weiter zu. Bei einem Selbstmordanschlag in Kabul wurden am Dienstag mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt, nach Angaben der NATO-Truppe ISAF waren auch ausländische Soldaten unter den Opfern. Zuvor hatten radikalislamische Taliban, die zum Boykott der Wahl aufrufen, Raketen auf Kabul abgefeuert und unter anderem den Präsidentenpalast getroffen.Der Attentäter sprengte sich nach Polizeiangaben auf einer belebten Hauptstraße im Osten der Hauptstadt in die Luft. Der Anschlag, zu dem sich die Taliban bekannten, richtete sich gegen einen Konvoi der internationalen Truppen, wie ein Polizeivertreter sagte. Da die Bombe in der Nähe eines Basars hochging, seien zahlreiche Zivilisten unter den Opfern. Nach UN-Angaben wurden auch zwei Mitarbeiter der Vereinten Nationen getötet, ein weiterer wurde verletzt.

 

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Nach Angaben von Sicherheitsvertretern waren zuvor zwei bis drei Raketen auf Kabul abgefeuert worden. Ein Geschoss schlug nach Regierungsangaben am Rande des Präsidentenpalastes ein. In Dschalalabad im Osten des Landes wurden bei Raketeneinschlägen mindestens zehn Menschen verletzt. In der südafghanischen Provinz Urusgan sprengte sich ein Attentäter vor einem Militärposten in die Luft und riss drei einheimische Soldaten und zwei Zivilisten mit in den Tod. In der Provinz Dschawdschan im Norden des Landes wurde erneut ein Kandidat für die Provinzwahlen getötet. Nach Polizeiangaben wurde Abdul Rahim von Taliban-Kämpfern aus einem Hinterhalt angegriffen und erschossen. Die Wahlen der Provinzräte finden zeitgleich mit den Präsidentschaftswahlen am Donnerstag statt, bei denen Amtsinhaber Hamid Karsai als Favorit ins Rennen geht.

Der Urnengang findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt: 200.000 afghanische und 100.000 internationale Sicherheitskräfte sollen die rund 7000 Wahllokale absichern. Die NATO-Truppe ISAF will ihre „offensiven Operationen“ am Wahltag aussetzen. Am Wochenende hatten die Taliban erstmals mit direkten Angriffen auf Wahllokale gedroht. Am Dienstag bekräftigten sie ihre Warnung. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) geht davon aus, dass die Wahl von Gewalt, Betrug und einer geringer Wahlbeteiligung überschattet wird. Probleme erwartet sie unter anderem bei der Registrierung der Wähler und bei der Stimmauszählung. Wie ein Sprecher der EU-Kommission sagte, wissen die Wahlbeobachter der EU über „Unregelmäßigkeiten“ Bescheid, insbesondere bei der Ausgabe von Stimmzetteln an Frauen.

US-Präsident Barack Obama schwor sein Land unterdessen auf einen langen Kampf gegen die Taliban und andere Aufständische in Afghanistan ein. „Wir werden sie nicht über Nacht besiegen“, sagte Obama vor Kriegsveteranen im US-Bundesstaat Arizona. Zugleich verteidigte er den Einsatz am Hindukusch als „grundlegend für den Schutz des amerikanischen Volkes“. Auch in Deutschland wurde weiter über den Einsatz der ausländischen Truppen am Hindukusch diskutiert. Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei forderte im „Tagesspiegel“ eine Abzugsperspektive für die Bundeswehr. Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, warnte dagegen vor einem festen Abzugstermin. Dies gebe den Taliban „eine Kalkulationsgrundlage, wie lange sie noch durchhalten müssen“, sagte er der Zeitung. (afp/abendblatt.de)

 

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