27.02.13

"Clown"-Eklat

Italiens Präsident sagt Treffen mit Steinbrück ab

Eklat um Peer Steinbrück: Italiens Präsident Giorgio Napolitano sagte kurzfristig ein Treffen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten in Berlin ab – weil dieser Silvio Berlusconi als "Clown" verspottet hatte.

Foto: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist für markige Aussagen bekannt – nun hat er Italiens Präsidenten gegen sich aufgebracht
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist für markige Aussagen bekannt – nun hat er Italiens Präsidenten gegen sich aufgebracht

Italiens Präsident Giorgio Napolitano hat sehr kurzfristig ein für diesen Mittwochabend geplantes Treffen mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in Berlin abgesagt.

Napolitano habe die Absage mit den Äußerungen Steinbrücks begründet, in denen dieser den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als "Clown" verspottet hatte, sagte Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer.

Wie Donnermeyer weiter sagte, habe Steinbrück Verständnis dafür, dass Napolitano "aufgrund der innenpolitischen Lage in Italien" abgesagt habe. Ursprünglich sollten sich Napolitano und Steinbrück im Berliner Hotel "Adlon" zum Abendessen treffen.

"Entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben"

Was genau war der Auslöser des Eklats? "Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", hatte Steinbrück am Dienstagabend über den Ausgang der Parlamentswahl in Italien gesagt. Einer davon sei der Berufs-Komiker Beppo Grillo, sagte der Sozialdemokrat. Der andere sei "definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub", so Steinbrück über Berlusconi.

Er teile nicht die Einschätzung, dass der Wählerzulauf für Grillo und Berlusconi auf Protest gegen den Sparkurs der Regierung in der Euro-Krise zurückgehen könnte. "Mein Eindruck ist, dass in Italien zwei Populisten gewonnen haben", sagte Steinbrück. In dieser Lage werde das wieder zu größeren Problemen in der Euro-Zone beitragen.

Die Regierungsbildung werde sehr schwierig, schätzte Steinbrück. "Offenbar hat Berlusconi zusammen mit dem Grillo die Mehrheit in dem sogenannten Senat. ... Das macht die Sache in Italien nicht leichter. ... "Ob die Menschen danach abgestimmt haben, uns ist zu sehr die Keule des Sparens über den Schädel gezogen worden, weiß ich nicht – oder ob sie eher danach abgestimmt haben, wer ihnen populärere und damit auch etwas angenehmere Botschaften vertreten hat", sagte Steinbrück weiter.

Steinbrück düpierte auch die Schweiz

Auch wenn die Linke um Pier Luigi Bersani die Abgeordnetenhauswahl gewonnen hatte, schnitten Berlusconi und Grillo überraschend stark ab. Im Senat konnte keiner der politischen Blöcke eine klare Mehrheit gewinnen.

Für Steinbrück ist die Erfahrung negativer Reaktionen im Ausland nicht neu. Im Steuerstreit mit der Schweiz drohte er dem Nachbarland 2009 – damals noch im Amt des Bundesfinanzministers – gar mit der Kavallerie.

Steinbrück selbst zeigte sich um Schadensbegrenzung bemüht. Als Staatspräsident in einer neutralen Rolle dürfe Napolitano nicht in die Nähe eines Begriffes gebracht werden, den er nicht zu vertreten habe, sagte Steinbrück in Potsdam bei einem Pressetermin. "Das kann ich sehr gut verstehen, dass er sagt, vor dem Hintergrund muss ich in meiner Neutralität als Staatspräsident Abstand wahren", sagte der Kanzlerkandidat. "Insofern habe ich Verständnis für die Absage."

Am Abend teilte Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer mit, Steinbrück habe ein klärendes Telefongespräch mit Napolitano geführt. Dabei sei "alles ausgeräumt" worden. Um eine Entschuldigung seitens des Kanzlerkandidaten habe es sich aber nicht gehandelt, betonte Donnermeyer.


Am Dienstag landete Italiens Präsident Giorgio Napolitano (l.) am Münchner Flughafen. Dort wurde er von Bundespräsident Joachim Gauck mit militärischen Ehren empfangen
Foto: dpa Am Dienstag landete Italiens Präsident Giorgio Napolitano (l.) am Münchner Flughafen. Dort wurde er von Bundespräsident Joachim Gauck mit militärischen Ehren empfangen
Reuters/AFP/jw
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