06.02.13

Mali

Frankreich will schon im März Truppen abziehen

Bereits im kommenden Monat will Frankreich mit dem Truppenabzug aus Mali beginnen. Dort sind etwa 4000 französische Soldaten im Einsatz.

Foto: dpa
Französische Soldaten in Mali
Französische Soldaten in Mali

Paris. Frankreich will schon im kommenden Monat damit beginnen, seine Truppen aus Mali abzuziehen. "Ich denke, wenn alles wie geplant klappt, sollte die Zahl der französischen Truppen von März an sinken", sagte Außenminister Laurent Fabius der Zeitung "Metro" (Mittwoch). Derzeit sind etwa 4000 französische Soldaten in Mali im Einsatz. Frankreich beabsichtige nicht, dauerhaft in Mali zu bleiben. "Die Afrikaner und Malier selbst sollen die Garanten für die Sicherheit, territoriale Integrität und Souveränität des Landes sein", sagte Fabius. Deshalb werde man die Verantwortung schrittweise an die westafrikanische Militärmission Misma übergeben.

Vorerst würden französische Truppen aber weiter gegen islamistische Terroristen im Norden Malis vorgehen, sagte Fabius. Der Einsatz habe drei Komponenten, eine militärische, eine politische und eine humanitäre. "In der ersten Phase ist es sehr erfolgreich gelungen, die Terroristengruppen zu stoppen und Städte einzunehmen." Es könne aber nach wie vor zu einzelnen Aktionen der Islamisten kommen, sowohl in Mali als auch in den benachbarten Ländern. "Man sollte immer daran denken, dass die Gefahr jederzeit besteht", warnte Fabius.

Die islamistischen Rebellen im Norden Malis leisten nach Angaben des französischen Regierung zunehmend Widerstand. Seitdem Soldaten in der Umgebung der befreiten Städte mit Patrouillen begonnen hätten, gebe es Zusammenstöße mit kampfbereiten Dschihadisten-Gruppen, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Mittwoch in einem Interview des französischen Radiosenders Europe 1. In der Region Gao hätten zurückgebliebene Aufständische am Vortag Raketen abgefeuert.

Nach Einschätzung von Le Drian haben die islamistischen Rebellen seit Beginn des französischen Militäreinsatzes allerdings jedoch schwere Verluste erlitten. Er sprach von Hunderten getöteten Kämpfern des Gegners.

Französische Soldaten hatten am 11. Januar damit begonnen, gemeinsam mit malischen Truppen gegen die aus dem Norden vorrückenden islamistischen Rebellen vorzugehen. Seither wurden die Städte Timbuktu und Gao, die sich über Monate in der Hand der Islamisten befanden, zurückerobert. In der Stadt Kidal im Nordosten Malis, sicherten französische Soldaten den strategisch wichtigen Flughafen, während die Stadt selbst nach Angaben der französischen Regierung von rund 1800 Soldaten aus dem zentralafrikanischen Tschad kontrolliert wird.

Seit Beginn des französischen Einsatzes seien auf Seiten der Islamisten mehrere Hundert Kämpfer getötet worden, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Dienstagabend dem französischen Nachrichtensender BFMTV. Auch die materiellen Schäden seien erheblich. Auf französischer Seite kam bislang ein Soldat ums Leben.

In Bezug auf mögliche Unterstützung internationaler Partner verwies Le Drian erneut auf nicht ausreichende Mittel zur Luftbetankung der französischen Kampfjets. Zudem fehlten Drohnen für Aufklärungsmissionen.

Fabius zeigte sich erfreut über die große Unterstützung für den Einsatz, national wie international. Die Kosten allein für die französischen Truppen bezifferte er auf mehrere 10 Millionen Euro.

Westafrikas Gemeinschaft Ecowas

 Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Economic Community of West African States/Ecowas) wurde 1975 gegründet. Ziel war eine regionale wirtschaftliche und finanzielle Integration der Mitgliedsländer.

Die 15 Ecowas-Staaten sind Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, die Kapverden, Liberia, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo.

 Neben wirtschaftlichen Zielen nimmt die Ecowas zunehmend auch politische Aufgaben wahr. 1990 stellte sie eine Eingreiftruppe auf, die in den folgenden Jahren unter anderem in Liberia und Sierra Leone zum Einsatz kam.

Im Konflikt um den seit April 2012 von Tuareg-Rebellen und Islamisten besetzen Norden Malis einigten sich die westafrikanischen Staatschefs nach gescheiterten Kompromissplänen im November auf die Entsendung von Soldaten in den Krisenstaat.

 Die 3300 bis 3500 Mann starke Truppe der "afrikanisch geführten internationalen Unterstützungsmission in Mali" (African-led International Support Mission in Mali, Afisma) wird gestellt von Nigeria, Niger, Burkina Faso, Togo, Senegal und der Elfenbeinküste.

Zunächst sollen 2000 Soldaten Malis Armee im Kampf gegen die Islamisten unterstützen. Der UN-Sicherheitsrat hatte dem Ecowas-Militäreinsatz am 20. Dezember einstimmig zugestimmt. Das Mandat soll über ein Jahr laufen.

Wichtige Gruppen und Männer in Mali

Die Lage im westafrikanischen Mali ist weiterhin unsicher. Folgende Gruppen und Männer spielen oder spielten eine Rolle:

Amadou Toumani Touré: Bis März 2012 war er gewählter Präsident des Landes. Dann verübten meuternde Soldaten einen Staatsstreich gegen seine Regierung und stürzten ihn. Im April trat er offiziell zurück.

Cheikh Modibo Diarra: Der Astrophysiker ist erst 2011 in die Politik gegangen. Mitte April wurde er zum Ministerpräsidenten der Übergangsregierung ernannt – bis ihn das Militär Mitte Dezember zum Rücktritt zwang.

Dioncounda Traoré: Der ehemalige Parlamentspräsident ist seit April Übergangspräsident in Mali.

Nach dem Rücktritt Diarras bestimmte er Django Sissoko zum neuen Premierminister. Der besetzte mehrere Posten in seiner Regierung mit Männern, die den Putschisten nahestehen.

Amadou Sanogo: Der Hauptmann führte den Putsch gegen Touré im März an und einigte sich mit der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, die Macht wieder in die Hände einer zivilen Regierung zu legen. Auch beim Sturz Diarras soll er die Hände im Spiel gehabt haben.

MNLA: Die "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad" ist eine Tuareg-Gruppe. Sie kämpft seit Jahren für Autonomie im Norden des Landes und einen eigenständigen Staat Azawad in der Region. Die Gruppe hat das Gebiet gemeinsam mit islamistischen Kämpfern erobert.

Ansar Dine: Die islamistische Tuareg-Gruppe kämpfte gemeinsam mit den Tuareg-Rebellen der MNLA. Die "Unterstützer des Glaubens" kontrollieren gemeinsam mit anderen Islamisten mittlerweile alle wichtigen Städte im Norden. Nach Schätzungen verfügt die Gruppe über rund 1000 Kämpfer.

Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQM): Die Terrororganisation hat etwa 450 Kämpfer in Mali, nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen hat sie von der MNLA die Rolle als Wortführer in Nordmali übernommen. Das Gebiet gilt schon lange als Rückzugsort der AQM.

(dpa)
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