28.01.13

Syrien

Opposition will mehr Waffen – Flüchtlingszahl steigt

Syriens Opposition appelliert an die internationale Gemeinschaft. Sie fordert mehr Waffen und mehr Geld.

Von (dpa)
Foto: AFP

Ein Junge hilft beim Holzhacken im Flüchtlingscamp nördlich der syrischen Stadt Azaz

8 Bilder

Istanbul/Paris. Die syrische Opposition fordert im Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar Al-Assad von der internationalen Gemeinschaft erneut Waffen und mehr Geld. "Die Zeit spielt gegen uns, und die Fortsetzung des Konflikts kann für die Region und die Welt nur in einer Katastrophe enden", sagte Riad Seif, Vizechef der Nationalen Syrischen Koalition, am Montag in Paris. Sein Amtskollege Georges Sabra bezifferte den Unterstützungsbedarf auf mindestens 500 Millionen US-Dollar.

Die Führungsvertreter der Nationalen Syrischen Koalition sprachen in der französischen Hauptstadt mit Vertretern aus rund 50 Unterstützerstaaten. Das Treffen war von Frankreichs Außenminister Laurent Fabius organisiert worden, um weitere Hilfen für die syrische Opposition zu organisieren. Fabius hatte zuvor kritisiert, dass etliche Unterstützungszusagen offensichtlich nicht gehalten worden seien. Die Konferenz solle sicherstellen, dass die Opposition die notwendigen Mittel zum Handeln erhalte, sagte der Minister.

Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Assad hat der Konflikt in Syrien mehr als 60.000 Menschen das Leben gekostet. Auch am Montag wurde landesweit gekämpft, die Regierungstruppen flogen Luftangriffe auf die von Rebellen eroberten Gebiete. Aktivisten beklagten, dass auch Zivilisten in Homs, Daraa und dem Umland von Damaskus unter Beschuss geraten seien. Auch Aleppo werde heftig von Regimesoldaten angegriffen. Syrische Staatsmedien berichteten, dass Assads Truppen einen Rebellenangriff auf einen Militärflughafen in Idlib abgewehrt hätten. Bis zum Nachmittag wurden mindestens 33 Menschen getötet.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt weiter an. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) geht davon aus, dass seit Jahresbeginn mehr als 100.000 Syrer in die Nachbarländer geflohen sind. Allein in Jordanien hätten 52.000 Syrer die Grenze überschritten, hieß es aus den jordanischen Streitkräften. Das Grenzgebiet gleiche einer "Kriegsregion". Vereinte Nationen und Arabische Liga wollen am Mittwoch bei einer Geberkonferenz in Kuwait weitere Hilfen für die Flüchtlinge beschließen.

Im türkischen Grenzgebiet gab es indes einen neuen Zwischenfall. Ein vermutlich aus Syrien abgefeuertes Raketengeschoss schlug in der Nacht zu Montag in ein Wohnhaus in der grenznahen ostanatolischen Provinz Sanliurfa ein. Es kam jedoch nicht zu einer Detonation, so dass niemand verletzt wurde, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

"Patriot": Symbolische Hilfe für die Türkei

 Der Einsatz von "Patriot"-Raketen ist ein wichtiges Zeichen im Syrien-Konflikt. Türkisches Gebiet schützen können die deutschen Luftwaffensoldaten aber kaum. Denn der Bundeswehreinsatz findet auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Kahramanmaras gut 100 Kilometer im türkischen Hinterland statt. Angesichts der Bedrohungen und der Fähigkeiten, welche die deutschen und niederländischen Militärs nach Ost-Anatolien schicken, bleibt der Beitrag eher symbolisch.

Bei einer effektiven Kampfreichweite von maximal 45 Kilometern ist in Abfangen von Raketen oder Flugzeugen für die deutschen Soldaten erst lange nach Verletzung des türkischen Luftraums möglich. Auch die Radar-Systeme reichen vom Boden aus kaum bis an die Grenze heran. Die Hauptaufgabe wird damit den AWACS-Flugzeugen zur Luftraumüberwachungsflugzeugen zufallen.

 Die AWACS-Beteiligung ist vorsorglich Teil des neuen Mandats. Denn an Bord der im pfälzischen Spangdahlem startenden NATO-Flugzeuge sind auch deutsche Soldaten, und diese Flugzeuge tragen wesentlich zum Luftlagebild der Raketenstaffeln bei. Schließlich können sie – anders als die "Patriots" – tief in syrisches Gebiet blicken. Dies geschieht zum Teil aber auch schon jetzt im Rahmen der Mittelmeerflüge unter dem NATO-Mandat "Active Endevour", das erst Mitte der Woche durch das Parlament verlängert wurde.

Das Luftabwehrsystem "Patriot" gilt als eines der modernsten der Welt. Beim Einsatz gegen Kampfflugzeuge in mittleren und großen Höhen erzielen die Lenkflugkörper gute Abschussergebnisse. In den Golfkriegen mit dem Irak schossen amerikanische "Patriot"-Verbände auch die verhältnismäßig langsamen "Scud"-Mittelstreckenraketen von Saddam Hussein ab. Mit solchen Raketen hatte zuletzt auch das Assad-Regime vermutete Rebellenstellungen im Grenzgebiet beschossen.

 In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Dörfer entlang der Grenze Ziel von Granaten aus Mörsern oder Artilleriegeschützen. Diese erfolgreich abzufangen, ist mit einem Raketensystem eigentlich unmöglich. Die Artilleriegeschosse bewegen sich schnell, sie sind sehr klein und haben eine verhältnismäßig steile Flugbahn.

Für den Schutz gegen Artilleriebeschuss ist "Patriot" also nicht geeignet. Zwischen dem Granat-Abschuss und dem Auffassen durch die Radarsysteme liegen meist einige Sekunden, die gleiche Zeit verstreicht, bis das Lagebild am Radarschirm erkannt und ausgewertet wird. Bis eine Entscheidung getroffen wird, die Rakete zu starten, können noch einmal 20 bis 30 Sekunden verstreichen. Bei einem anfliegenden Flugzeug oder einer ballistischen Rakete mit gleichmäßiger Flugbahn reicht dies aus. In der gleichen Zeit aber sind Mörser oder Artilleriegranaten längst eingeschlagen.

 Zwar verfügt die Luftwaffe inzwischen mit dem hochmodernen Waffensystem "Mantis" über die Technik, auch diese Geschosse abzuwehren. Jedoch gibt es bislang nur fünf solcher Geschütztürme - also gerade mal genug für ein einziges Feldlager. Der Schutz der gut 900 Kilometer langen syrisch-türkischen Grenze ist mit dieser Waffe weder möglich noch bezahlbar.  (dapd)

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
ObamaBrightcove Videos

Millionen Einwanderer ohne gültige Papiere können aufatmen: US-Präsident Obama legalisiert per Dekret den Aufenthalt vieler illegal in den USA lebende Immigranten – zum Ärger der Republikaner.mehr »

Top Bildergalerien mehr

Ebola-Verdachtsfall in Hamburg

Seenplatte

Hier wird Merkels Kanzler-Tanne gefällt

Medien

Sophia Thomalla bei Gala in Hamburg

Eröffnung vom "Santa Pauli"-Weihnachtsmarkt

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr