24.01.13

Krise in Nordafrika

Alarm in Libyen: Westliche Bürger sollen Bengasi verlassen

Seit dem Geiseldrama in Algerien herrscht in Nordafrika erhöhte Alarmbereitschaft. Konkrete Bedrohung rund um die Hafenstadt.

Foto: ZGBZGH
The U.S. Consulate in Benghazi is seen in flames during a protest
Beim Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi am 11. September 2012 gab es zahlreiche Tote

Berlin/London. Terrorangst in Libyen: Wegen einer konkreten Bedrohung haben die Regierungen Deutschlands und anderer westlicher Staaten ihre Staatsbürger dazu aufgerufen, die Region um die Hafenstadt Bengasi umgehend zu verlassen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach bei einem Besuch in Lissabon von einer "ernsten und delikaten Lage". Die Warnung sei aufgrund von "verschiedenen Hinweisen" erfolgt. Konkreter wurde Westerwelle nicht. Das Auswärtige Amt geht von nur wenigen Deutschen in Bengasi aus, konnte aber keine genaue Zahl nennen.

Am Nachmittag hatte zuerst das britische Außenminister zum verlassen Bengasis und der umliegenden Küstenregion aufgerufen. "Wir sind über eine spezifische und unmittelbare Bedrohung für westliche Staatsbürger in Bengasi informiert", hieß es. Nur wenig später meldete das Auswärtige Amt im Internet eine "unmittelbare konkrete Bedrohung westlicher Staatsangehöriger in Bengasi".

Auch das niederländische Außenministerium rief seine Bürger auf, Bengasi umgehend zu verlassen. Eine akute Bedrohung sei nicht ausgeschlossen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Abend dem niederländischen Radio. Nach der Intervention Frankreichs in Mali sei die Gefahr von Vergeltungsschlägen auf westliche Ziele größer geworden. In Bengasi halten sich nach Angaben des Ministeriums zur Zeit aber nur mehr vier Niederländer auf.

In der mit knapp 700.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Libyens gab es erst vor vier Monaten einen schlimmen Terroranschlag. Am 11. September, dem elften Jahrestag der verheerenden Terrorattacken in den USA, wurde das US-Konsulat in Bengasi angegriffen. US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten kamen ums Leben.

Vor einer Woche waren bei einem Geiseldrama im Nachbarland Algerien rund 70 Menschen getötet worden. Der Angriff islamistischer Kämpfer auf eine Gasförderanlage in der algerischen Wüste war eine Reaktion auf die französische Intervention im westafrikanischen Mali.

Seitdem ist die ganze Region in Alarmbereitschaft. Für Libyen hatte das Auswärtige Amt bereits vor dem aktuellen Hinweis eine Reisewarnung ausgegeben. "Die Lage im ganzen Land ist weiterhin unübersichtlich. Bewaffnete Auseinandersetzungen finden vereinzelt weiterhin statt und sind jederzeit möglich", heißt es darin. Die jetzige konkrete Warnung vor einer Bedrohung mit der dringenden Aufforderung, die Region zu verlassen, ist aber äußerst ungewöhnlich.

Das britische Außenministerium warnte auch vor Reisen in andere Städte der Küstenregion wie beispielsweise Misrata. Air Malta strich nach der britischen Warnung einen Flug nach Bengasi.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte am Mittwoch wegen der angespannten Sicherheitslage in Nordafrika eine Reise nach Algerien und Libyen abgesagt. Der Vizekanzler und FDP-Chef wollte vom 5. bis 7. Februar mit Vertretern von deutschen Firmen in beide Länder reisen, um vor allem Energie- und Infrastrukturprojekte voranzubringen. Auch waren in Algier und Tripolis hochrangige Gespräche mit Regierungsvertretern geplant.

Der Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi am 11. September war erst Tage später von der Regierung in Washington ausdrücklich als gezielter Terrorakt eingestuft worden. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte am Mittwoch in einer Anhörung die Schuld für Sicherheitsversäumnisse vor dem Anschlag auf sich genommen. Deutschland hat kein Konsulat in Bengasi.

(dpa)
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