24.01.13

Demonstranten ziehen deutschem Soldaten Sack über den Kopf

Protest in der Türkei gegen Einsatz von Nato-Truppen

Berlin/Iskenderun. Gegner des Nato-Einsatzes in der Türkei haben in der Hafenstadt Iskenderun eine Gruppe Bundeswehrsoldaten angegriffen. Die in Zivil gekleideten Soldaten wurden beim Verlassen eines Geschäftes von etwa 40 Demonstranten bepöbelt und bedrängt. "Dabei wurde einem der Soldaten ein Sack über den Kopf gezogen, in dem sich weißes Pulver oder Puder befand. Die Soldaten konnten in umliegende Geschäfte flüchten", erklärte die Bundeswehr. Türkische Sicherheitskräfte hätten eingegriffen und eine weitere Eskalation verhindert. Unter den Deutschen habe es keine Verletzten gegeben.

Die Bundeswehrsoldaten gehören zum Einsatzkontingent "Active Fence Turkey", das den Nato-Partner Türkei mit "Patriot"-Luftabwehrraketen gegen mögliche Raketenangriffe aus Syrien schützen soll. Waffen und Ausrüstung für den Einsatz waren erst am Montag in Iskenderun angekommen.

Türkische Medien berichteten, die Demonstranten gehörten zur Jugendorganisation TGB der kleinen linksnationalistischen Partei IP ("Arbeiterpartei"). Sie hätten in Sprechchören gegen die Nato und den Einsatz von Nato-Soldaten in der Türkei protestiert.

TGB-Mitglieder hatten in den vergangenen Jahren bereits mehrfach ausländische Soldaten und Touristen attackiert und ihnen dabei Säcke über den Kopf gezogen. Die Angriffe gelten als Reaktion auf die Gefangennahme türkischer Soldaten im Irak durch US-Soldaten im Jahr 2003. Die Türken waren damals mit Säcken über den Köpfen zum Verhör abgeführt worden.

Die deutschen Soldaten, die aus Einheiten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stammen, sind derzeit in der Stadt Kahramanmaras stationiert, etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Insgesamt werden etwa 350 deutsche Soldaten die Türkei gemeinsam mit "Patriot"-Einheiten aus den Vereinigten Staaten und den Niederlanden vor Raketenangriffen schützen.

Die Bundesregierung forderte die Türkei nach dem Angriff auf die Bundeswehrsoldaten auf, besser für deren Schutz zu sorgen. Man erwarte, dass die Sicherheit der deutschen Soldaten gewährleistet sei, wenn sie sich in türkischen Städten bewegten, sagte der Sprecher von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Das Auswärtige Amt erklärte, es handele sich um einen ernsten Vorfall, der auch auf diplomatischen Kanälen aufgearbeitet werden müsse.

"Wir respektieren voll und ganz die Meinungsfreiheit in der Türkei", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. "Was aber nicht geht und was auch nicht zu rechtfertigen ist, ist, dass die Äußerung von Meinungsfreiheit in Gewalt umschlägt." Nun werde intensiv mit der türkischen Seite zu sprechen sein. Die Bundesregierung sei überzeugt, dass "türkischen Kräfte solche Vorfälle in der Zukunft verhindern werden".

(dpa)
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