10.01.13

Frankreich

Proteste nach Mord an PKK-Mitbegründerin

Drei kurdische Aktivistinnen fallen in Paris einem Mordanschlag zum Opfer. Tat erinnert an eine Hinrichtung. Hintergründe völlig unklar.

Foto: AFP
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Mitglieder der kurdischen Gemeindschaft in Frankreich protestieren am Donnerstag in der Nähe eines kurdischen Informationszentrums, in dem drei Frauen mit einem Kopfschuss getötet worden sind

Paris/Istanbul. Bei einem Mordanschlag sind in Paris drei kurdische Aktivistinnen getötet worden. Darunter ist Sakine Cansiz, ein Gründungsmitglied der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Auch bei den beiden anderen Frauen soll es sich um kurdische Aktivistinnen handeln. Die Polizei sprach von einer Exekution. Die Leichen waren am frühen Donnerstagmorgen im Kurdistan Informationszentrum im nördlichen Teil der Pariser Innenstadt entdeckt worden.

Unmittelbar nach Entdeckung der Leichen versammelten sich mehrere hundert Mitglieder der kurdischen Gemeinschaft am Tatort. Sie skandierten immer wieder: "Sie sind nicht tot" und "Wir sind alle PKK".

Die Hintergründe der Tat waren zunächst völlig unklar. In der Türkei gibt es derzeit neue Friedensgespräche zwischen dem türkischen Geheimdienst MIT und dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan. Die türkische Regierung will erreichen, dass die PKK die Waffen niederlegt und führende PKK-Kader die Türkei verlassen.

Die türkische Kurdenpartei BDP verurteilte den Mordanschlag scharf. Sie rief am Donnerstag auch in der Türkei zu Protesten auf, berichtete die Nachrichtenagentur Firat, die der PKK nahesteht.

Die Leichen der drei Aktivistinnen wiesen Schusswunden in Leib, Genick oder Kopf auf. Frankreichs Innenminister Manuel Valls nannte die Tat "unerträglich". Noch am Morgen besuchte er den Tatort. "Drei Frauen wurden erschossen, getötet, wahrscheinlich exekutiert. Das ist eine ernste Angelegenheit", sagte Valls.

Die BDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtas und Gültan Kisanak forderten die französische Regierung auf, "dieses Massaker aufzuklären, ohne dass Raum für Zweifel bleibt". Es werde nicht möglich sein, die im belebtesten Teil von Paris verübte Tat zu verdecken.

Ein türkischer Regierungspolitiker sagte am Donnerstag, der Anschlag könne auch Teil eines PKK-internen Streites sein. "Es sieht aus wie eine interne Abrechnung", sagte Huseyin Celik, Sprecher der Regierungspartei AKP. Das kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt wies dies in einer Mitteilung umgehend zurück.

Der Kurden-Konflikt
Die Kurden sind ein Volk in Vorderasien. Sie leben im Grenzbereich Türkei/ Irak/ Iran sowie in Nordost-Syrien und Südwest-Armenien. Sie sprechen eine eigenständige nordwest-iranische Sprache. Schätzungen über die Zahl der Kurden schwanken zwischen zwölf und 30 Millionen. Trotz gemeinsamer Sprache, Kultur und Geschichte konnten sie keinen eigenen Nationalstaat errichten.
Kemal Atatürk , der Staatsgründer der Türkei, schlug in den 20er- und 30er-Jahren mehrmals kurdische Aufstände nieder. Seit 1984 kämpft die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unter Abdullah Öcalan zunächst für einen unabhängigen Staat, dann für mehr Autonomie.
Im Jahr 2008 nannte der türkische Generalstabschef Ilker Basbug für den Zeitraum von 1984 bis 2008 die Zahl von 32 000 getöteten Militanten der PKK. 46 000 seien "gesund oder verletzt" gefasst worden. Im gleichen Zeitraum seien 5560 Zivilisten und 6482 Angehörige der Streitkräfte getötet worden.
(dpa)
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