01.01.13

Pressefreiheit

China weist Journalisten der "New York Times" aus

Chris Buckley musste das Land verlassen. Zeitung vermutet Racheakt. Chinas Führer sind verärgert über die Aufdeckung ihrer Vermögen.

Foto: dpa
Wen Jiabao
Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao. China hat erneut einen ausländischen Journalisten ausgewiesen.  Die Visaprobleme des 45-jährigen Australiers Chris Buckley erfolgten vor dem Hintergrund der Enthüllungen der Zeitung über die großen Reichtümer der Familie von Wen Jiabao

Peking. Die Ausweisung des "New York Times"-Korrespondenten Chris Buckley aus China hat Sorgen ausgelöst, dass die chinesischen Behörden den Druck auf ausländische Journalisten noch verschärfen. Nach seiner Ankunft in Hongkong äußerte der 45-jährige Australier am Dienstag die Hoffnung, bald wieder nach China zurückkehren und seine Berichterstattung fortsetzen zu können. Der langjährige China-Korrespondent wollte sich nicht dazu äußern, ob seine Ausweisung mit den Enthüllungen der Zeitung über die riesigen Reichtümer der Familie des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao zusammenhängt.

Ein Kommentar der "International Herald Tribune", der weltweiten Ausgabe der "New York Times", fragte allerdings: "Übt China Vergeltung an westlichen Journalisten?" Das Blatt sprach von einem "Kalten Krieg gegen Nachrichtenorganisationen", die mit ihren Berichten die chinesischen Führer verärgert hätten. "Ich hoffe, dass diese Angelegenheit gelöst werden kann, damit ich nach China zurückkehren und meine journalistische Arbeit fortsetzen kann", sagte Buckley in Peking.

Mit seiner Frau und zwölfjährigen Tochter musste der Journalist am Vortag nach Hongkong ausreisen, weil ihm eine Verlängerung seines Visums zum Jahresende verweigert worden war. Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) äußerte sich "besorgt". Asiendirektor Bob Dietz sagte: "Wir drängen die chinesischen Behörden, seine Akkreditierung so schnell wie möglich zu bewilligen." Die chinesischen Behörden verschärften den Druck auf ausländische Journalisten, stellte das Komitee fest.

Dietz verwies unter anderem auf die Ausweisung der amerikanischen Journalistin Melissa Chan im Mai sowie die Blockade der Webseiten der "New York Times" und der US-Nachrichtenagentur Bloomberg, nachdem sie über die geschäftlichen Aktivitäten und Vermögen der Verwandten von Regierungschef Wen Jiabao und des neuen Parteichefs Xi Jinping berichtet hatten. Auch verweigert China dem designierten künftigen Bürochef der "New York Times" in Peking, Philip Pan, seit Monaten bereits ein Journalistenvisum.

"Die Visumprobleme erfolgen vor dem Hintergrund des Drucks der Regierung auf ausländische Nachrichtenmedien wegen der Recherchen in die Finanzen führender chinesischer Führer, die eine heikle Angelegenheit sind", schrieb die "New York Times". "Über Korruption wird in China umfangreich berichtet, aber die hohen Führer werden als unantastbar betrachtet."

Buckley selbst war an den Enthüllungsgeschichten nicht einmal beteiligt. Er arbeitete seit zwölf Jahren als akkreditierter Journalist in China – erst für die "New York Times", dann seit 2005 für die Nachrichtenagentur Reuters, bevor er im September wieder zu der US-Zeitung zurückkehrte.

(dpa)
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