08.12.12

Klimakonferenz in Doha

Mini-Kompromiss: Kyoto-Protokoll bis 2020 verlängert

Nach zähem Ringen entschied Abdullah bin Hamad Al-Attiyah quasi im Alleingang, dass das neue Gerüst ab dem Jahr 2013 gelten soll.

Foto: dapd
UN-Klimakonferenz in Doha
Der stellvertretende katarische Ministerpraesident Abdullah bin Hamad Al-Attijah am Sonnabend in Doha, Katar

Doha (dpa) – Das Kyoto-Protokoll wird bis Ende 2020 verlängert. Das setzte die katarische Präsidentschaft der UN-Klimakonferenz in Doha am Sonnabend durch. Nach zähem Ringen entschied Abdullah bin Hamad Al-Attiyah quasi im Alleingang, dass das neue Gerüst, das aber keine schärferen Verpflichtungen vorsieht, ab 2013 gelten soll.

Zuvor hatten erst Polen und dann Russland und die Ukraine die Verlängerung des bisher einzigen internationalen Abkommens mit verpflichtenden Vorgaben für eine Minderung klimaschädlicher C02-Emissionen blockiert. Nach Wiedereinberufung des Plenums ließ al-Attiyah binnen Minuten zu allen den 194 Staaten zur Abstimmung vorliegenden Fragen den Hammer fallen.

Neben den 27-EU-Staaten machen rund zehn weitere Länder bei Kyoto II mit. Ein Weltklimavertrag, bei dem sich alle Länder verpflichten sollen, ist erst ab 2020 geplant. Zwar beteiligen sich an Kyoto II nur noch Länder, die 15 Prozent der Emissionen ausmachen. Dennoch gilt die Fortsetzung des bisher einzigen bindenden Klimaschutzabkommens als wichtiges Symbol, damit andere Länder sich tatsächlich in einen Weltklimavertrag einbinden lassen.

Viele andere Staaten wollen bis 2020 freiwillig Emissionen mindern - aber meist auf niedrigem Niveau. Wichtige Länder wie Kanada und Japan machen bei dem verlängerten Kyoto-Protokoll, das ab 2013 gelten soll, nicht mehr mit. Damit Kyoto II nicht nur eine Festschreibung des Status Quo wird, soll es 2014 eine Überprüfung geben, bei der Länder ihre Ziele hochschrauben können. Für die EU wäre das der Moment, sich zu einer Reduktion von 30 Prozent CO2 im Vergleich zu 1990 zu verpflichten. Bisher sind es 20 Prozent.

Darum geht es auf dem Klimagipfel in Doha

Beim UN-Klimagipfel in Doha (Katar) sollen vor allem zwei Dinge vereinbart werden: Eine konkrete Fortführung des Kyoto-Protokolls und ein Fahrplan zum globalen Klimaschutzvertrag.

Kyoto-Protokoll: Der Doha-Gipfel soll konkrete Punkte zur Weiterführung des Kyoto-Protokolls ab 2013 festlegen. Offen ist zum Beispiel noch, ob die nächste Runde 2017 oder 2020 endet. Bislang haben sich die EU, Australien und weitere Länder zu Kyoto 2 bekannt. Diese stoßen zwar nur rund 15 Prozent der globalen Treibhausgase aus, sie nehmen damit aber die Forderung ärmerer Staaten ernst, dass Industrieländer weiterhin einen Schritt vorangehen sollten.

Globaler Klimavertrag: Bis 2015 soll ein globaler Klimavertrag entstehen, der auch die Klimaziele der USA, Chinas, Indiens und weiterer Staaten erfasst und 2020 in Kraft tritt. In Doha müsste daher ein Fahrplan bis 2015 ausgearbeitet werden, damit das Werk in drei Jahren fertiggestellt ist und verabschiedet werden kann.

Geld: Ärmere Staaten sollen weiterhin Geld für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel erhalten. Ab 2020 sollen es jährlich 100 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) sein. Eine wichtiger Pfeiler dafür ist der Grüne Klimafonds (Green Climate Fund). In Doha geht es um konkrete Finanzzusagen ab 2013, aber auch um neue Geldquellen, etwa eine derzeit heftig umstrittene Abgabe auf Flüge und eine noch schwerer durchsetzbare auf den Schiffsverkehr.

Heiße Luft: Russland darf laut Kyoto-Protokoll 2012 ebenso viel Kohlendioxid ausstoßen wie 1990, hat aber wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs derzeit weniger Emissionen. Daher möchte es künftig Gutschriften für mehrere Gigatonnen Kohlendioxid international verkaufen. Die EU und Entwicklungsländer wehren sich dagegen. (dpa)

(dpa)
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