08.12.12

Ägypten

Machtwort des Militärs: Opposition boykottiert Mursi

Erstmals schaltet sich Ägyptens Militär in die jüngste politische Krise ein. Die Armeeführung ruft Regierung und Opposition zum Dialog auf.

Foto: REUTERS
Ein Mann protestiert in Kairo gegen Präsident Mursi
Ein Mann protestiert in Kairo gegen Präsident Mursi

Istanbul/Kairo. Nach den heftigen Massenprotesten gegen Präsident Mohammed Mursi hat das ägyptische Militär sich erstmals in den Konflikt eingeschaltet und ein Machtwort gesprochen. Im Streit um die künftige Verfassung müsse es einen Kompromiss geben, der im Interesse der Nation und der Menschen in dem Land ist, erklärte die Armeeführung am Samstag in Kairo. Das gehe nur über einen Dialog. Alles andere werde Ägypten durch einen "dunklen Tunnel" in die Katastrophe führen. "Das werden wir nicht erlauben", warnte das Militär.

Nach Informationen der staatlichen Tageszeitung "Al-Ahram" plant Mursi einen Erlass, der Soldaten die Festnahme von Zivilisten erlaube. Das Militär würde dieser Verfügung nach zusammen mit der Polizei für die Sicherheit im Land und den Schutz wichtiger Einrichtungen zuständig. Diese Regelung soll laut Bericht so lange gelten, bis eine neue Verfassung gebilligt wurde und die daraufhin anberaumten Parlamentswahlen beendet sind. Das von Muslimbrüdern und Salafisten dominierte erste Parlament nach dem Sturz von Machthaber Husni Mubarak war im Sommer vom Militärrat aufgelöst worden, nachdem das Verfassungsgericht die Wahl für ungültig erklärt hatte.

Mursi hatte für Sonnabend die Opposition zum Dialog gebeten. Der Einladung folgten jedoch nur wenige prominente Oppositionelle. Von den bekannten Aktivisten nahm nach Angaben einer Korrespondentin des Nachrichtensenders Al-Dschasira lediglich der Liberale Eiman Nur teil. Mursis Sprecher Jasser Ali teilte mit, dass mehr als 40 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bei den Diskussionen zugegen waren. Allerdings hatten fast alle maßgeblichen Oppositionsführer, unter ihnen Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei, bereits am Vortag abgewunken.

Die Aktivisten fordern von Mursi, dass er zunächst die Machtbefugnisse zurücknimmt, die er auf Kosten der Justiz ausgeweitet hatte. Zudem verlangen sie, dass das für den 15. Dezember geplante Referendum über den von Islamisten formulierten Verfassungsentwurf verschoben wird. Dazu erklärte sich Mursi nach Angaben seines Stellvertreters Mahmud Mekki am späten Freitagabend unter Vorbedingungen bereit.

Die Vorlage zur neuen Verfassung war von einer von Islamisten dominierten Versammlung erarbeitet worden. Die Opposition kritisiert, dass sich ihre Interessen in dem Verfassungsentwurf nicht wiederfinden und fordert eine Überarbeitung. Sie befürchtet zudem, dass der derzeitige Entwurf einer Islamisierung der Gesellschaft Vorschub leisten könnte. Denn vorgesehen ist danach ein größerer Einfluss der Religionsgelehrten.

Der Vorsitzende der Muslimbrüder, Mohammed Badia, ging die Aktivisten bei einer Pressekonferenz scharf an. Die jüngsten Ausschreitungen seien das Werk von bezahlten Krawallmachern, die dem Land schaden wollten. Die Bruderschaft habe acht "Märtyrer" zu beklagen, sagte er und betonte: "Wir werden uns selbst, unsere Büros und Ägypten verteidigen." Bislang war in Ägypten von mindestens sieben Toten und mehr als 770 Verletzten bei den Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und Oppositionellen in mehreren Städten des Landes die Rede gewesen.

Ähnlich wie Badia äußerte sich auch der von den Muslimbrüdern ursprünglich als Präsidentschaftskandidat aufgestellte Unternehmer Chairat al-Schater. Es gebe Kräfte, die dem Land und der neuen Regierung schaden wollten, sagte er und verwies zugleich auf die schwierige Wirtschaftslage in Ägypten. Solange es keine Verfassung und kein Parlament gebe, werde auch nicht investiert, betonte Schater bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte. Deshalb müsse die neue Verfassung rasch verabschiedet werden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach sich derweil für einen "Dialog ohne Vorbedingungen" in Ägypten aus. Dem "Kölner Stadt-Azeiger" (Samstagausgabe) sagte der FDP-Politiker: "Präsident Mursi sollte die Kraft und Entschlossenheit haben, auf die Opposition zuzugehen. Der Verfassungsprozess war gedacht, um das Land zu einen. Nun droht er zum Anlass der inneren Spaltung Ägyptens zu werden." # dpa-Notizblock ## Orte

(dpa)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
President Barack Obama and family, from left, daughter Sasha, first lady Michelle Obama, and daughter Malia, arrives at Tegel International Airport in Berlin, Tuesday, June 18, 2013. Obama is scheduled to meet with German Chancellor Angela Merkel, and deliver a speech at the Brandenburg Gate on European and U.S. ties. President Barack Obama is opening a 24-hour visit to Germany, the culmination of which will be a speech Wednesday at Berlin's iconic Brandenburg Gate. Obama will also hold meetings with German Chancellor Angela Merkel and other government officials. He arrived in Berlin following a two-day summit of the Group of 8 industrial nations in Northern Ireland. (AP Photo/Evan Vucci)
18.06.13US-Präsident in Berlin
Deutschland empfängt die Familie Obama

Über vier Jahre hat er auf sich warten lassen, monatelang wurde geplant, jetzt ist er da: Barack Obama besucht zum ersten Mal als US-Präsident Berlin. Und lässt sich von den Deutschen feiern. mehr...


Blaulicht eines Polizeifahrzeugs
18.06.13Klassenreise nach Sylt
Verdacht: Hamburger Lehrer soll Schüler missbraucht haben

Die Polizei ermittelt gegen einen Lehrer aus Hamburg, der während einer Klassenfahrt nach Sylt in der vergangenen Woche mehrere Jungen missbraucht haben soll. Die Übergriffe sollen sich im Hamburger… mehr...


Brasiliens Olympiasieger Bruno Prada und Robert Scheidt. Scheidt tritt bei der Kieler Woche im Segel-Duell gegen den Allgäuer Philipp Buhl an
18.06.13Segelfest
Kieler Woche startet mit Generationen-Duell

4500 Teilnehmer aus 50 Ländern werden zum Segelfest erwartet. Sportliches Highlight zum Auftakt ist der Kampf zwischen Laser-Europameister Philipp Buhl und Olympiasieger Robert Scheidt aus Brasilien. mehr...


Jacques Zoua will kommende Saison für den HSV jubeln
18.06.13Möglicher Neuzugang
Basel-Talent Zoua will zu seinem Wunschverein HSV wechseln

Der Sportdirektor des FC Basel, Georg Heitz, bestätigt, dass Jacques Zoua nur zum HSV wechseln will. Auch ein Leihgeschäft sei denkbar. Die Verhandlungen über die Ablösesumme laufen. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Sport
HSV bietet Santa Cruz Zwei-Jahres-Vertrag

Roque Santa Cruz soll der neue Top-Stürmer beim HSV werden und mit einem bis Sommer 2015 datierten Vertrag ausgestattet werden.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Konzert

Depeche Mode live in Hamburg

Massenproteste in Brasiliens Großstädten

Rathaus

Sommerfest der Bürgerschaft

Brandstiftung

Autobrände in Schnelsen

Highlights
rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr

rb_webcam_926043a.jpg
Webcams

Besuchen Sie online die schönsten Orte der Welt. mehr