27.11.12

War es Giftmord?

Arafats Leichnam auf Mordspuren untersucht

Experten aus mehreren Ländern suchen nach radioaktiven Spuren. Ergebnisse erst in Monaten erwartet. Verdacht: Arafat wurde vergiftet.

Foto: Getty Images
In der Nacht zu Dienstag ist die Leiche von Jassir Arafat exhumiert worden.
In der Nacht zu Dienstag ist die Leiche von Jassir Arafat exhumiert worden

Ramallah. Acht Jahre nach seinem Tod wird der Leichnam des früheren Palästinenser-Präsidenten Jassir Arafat auf Giftspuren untersucht. Experten aus der Schweiz, Frankreich, Russland und der Palästinenser entnahmen am Dienstag Proben aus dem Grab in Ramallah. Abgeschirmt hinter einer blauen Plane öffneten die Rechtsmediziner das Mausoleum nahe des Hauptsitzes der Autonomiebehörde. Arafats Witwe Suha hatte die Untersuchung angestoßen, blieb ihr aber fern. Erste Ergebnisse sollen erst in mehreren Monaten vorliegen.

Geklärt werden soll, ob der umstrittene Politiker mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Nicht nur in seiner Familie, auch unter Palästinensern ist die Untersuchung aber umstritten. "Das ist verkehrt. Wie wollen sie nach all dieser Zeit plötzlich die Wahrheit finden?", fragte der Bauarbeiter Ahmad Jusef, der vor dem Mausoleum anhielt, um einen Blick auf die Untersuchung zu werfen. Arafat war 2004 in einem Pariser Krankenhaus gestorben – bereits zu dem Zeitpunkt wurde gemutmaßt, dass Fremdverschulden im Spiel sein könnte. Nachdem ein Schweizer Institut Spuren von Polonium an Arafats Kleidung gefunden hatte, leiteten französische Richter im August Mordermittlungen ein.

Viele Araber verdächtigen Israel, hinter dem Tod Arafats zu stecken, was der jüdische Staat bestreitet. Nach zweieinhalbjähriger israelischer Belagerung seines Amtssitzes hatte sich Arafats Gesundheitszustand im Oktober 2004 plötzlich so sehr verschlechtert, dass er in ein französisches Militärkrankenhaus gebracht wurde, wo er einen Monat später starb. Arafats Ärzte nannten keine konkrete Todesursache. Eine Autopsie war damals auf Antrag der Witwe Suha nicht angeordnet worden.

Im August diesen Jahres hatte Suha Arafat schließlich an einem Gericht in Nanterre bei Paris doch die Aufnahme von Mordermittlungen beantragt – allerdings ohne einen konkreten Verdacht zu nennen. In von der Witwe für eine Fernseh-Dokumentation zur Verfügung gestellter Kleidung Arafats hatte ein Schweizer Institut eine hohe Konzentration des radioaktiven Stoffs Polonium-210 gefunden. Mit dem Mittel war der russische Regierungskritiker und frühere Agent Alexander Litwinenko 2006 in London vergiftet worden.

Wettlauf mit der Zeit

"Die Untersuchungen werden mehrere Monate dauern, um alles zu prüfen, gegenzuprüfen und nochmals gegenzuprüfen und deshalb glaube ich nicht, dass wir etwas Konkretes vor März oder April nächsten Jahres haben", sagte der Sprecher der Universitätsklinik in Lausanne, Darcy Christen. Das Krankenhaus hatte auch die ersten Untersuchungen von Arafats Kleidern geleitet und im August den Sinn einer Untersuchung in Frage gestellt, falls der Zugang zu Arafats Leichnam bis in den Oktober oder November verschoben würde. Weil das radioaktive Material schnell zerfällt, gelten acht Jahre als Grenze für den Nachweis von Polonium-Spuren.

Mehrere Experten hatten im Vorfeld die Möglichkeit einer radioaktiven Vergiftung bezweifelt, da sich Arafats Gesundheitszustand kurzfristig wieder gebessert und er nicht alle Haare verloren habe.

dapd/abendblatt.de
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