10.11.12

US-Geheimdienst

CIA-Direktor Petraeus stolpert über Sex-Affäre mit Biografin

CIA-Direktor David Petraeus ist zurückgetreten. Als Grund nannte er eine außereheliche Beziehung. Obama akzeptiert Rücktritt.

Foto: REUTERS
File photo of CIA Director David Petraeus speaking to members of a Senate (Select) Intelligence hearing on "World Wide Threats" on Capitol Hill in Washington
Der CIA-Chef, David Petraeus

Washington. CIA-Direktor David Petraeus hat wegen einer außerehelichen Affäre überraschend seinen Rücktritt erklärt. US-Präsident Barack Obama akzeptierte das Rücktrittsgesuch des früheren Vier-Sterne-Generals am Freitag und erklärte: "Ich bin vollkommen überzeugt, dass der CIA weiter Erfolg haben und seine unentbehrlichen Aufgaben verrichten wird." Übergangsweise werde der bisherige Vize des CIA, Michael Morell, den Auslandsgeheimdienst leiten, sagte Obama.

Aus Kreisen des FBI wurde bekannt, dass Ermittler den E-Mail-Verkehr des 60-Jährigen überwacht hatten und ihm so auf die Schliche kamen. Dem zufolge handelt es sich bei der Frau, mit der Petraeus eine Beziehung pflegte, um seine Biografin Paula Broadwell. Die FBI-Informanten blieben anonym, weil sie keine Erlaubnis hatten, öffentlich zu dem Fall Stellung zu nehmen. Broadwell, die auch Reserveoffizierin der US-Streikräfte ist, war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen.

Petraeus erklärte gegenüber den CIA-Mitarbeitern, er habe mit der Affäre ein "extrem schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt. Sein Verhalten sei als Ehemann und Direktor einer Organisation wie der CIA nicht hinnehmbar. Mit Ehefrau Holly, mit der sei fast vier Jahrzehnten verheiratet war, hat Petraeus zwei Kinder.

Verhalten von Petraeus Bruch der Sicherheitsregeln

Wenige Tage nach seiner Wiederwahl musste Obama mit dem Rücktritt einen schweren Rückschlag hinnehmen. Das Verhalten des CIA-Direktors bedeutete einen klaren Verstoß gegen Sicherheitsregeln und hätte für die USA ein Sicherheitsrisiko bedeutet, wenn feindliche Mächte von der Affäre gewusst hätten. Es ist möglich, dass Petraeus sich vor einem Militärgericht verantworten muss.

Obama nannte ihn dennoch "einen der herausragendsten Generäle seiner Generation". Petraeus habe männliche und weibliche Soldaten im Irak und in Afghanistan durch eine bemerkenswerte Phase geführt und die USA sicherer und stärker gemacht. Auf die Gründe für den Rücktritt ging Obama indes nicht direkt ein. Seine Gedanken und Gebete seien nun bei David und Holly Petraeus, erklärte er nur.

Petraeus genoss wegen erfolgreicher Einsätze im Irak und Afghanistan in Washington über Parteigrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. In Kreisen der Republikaner wurde er als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt. Petraeus habe seit Jahrzehnten außerordentliche Dienste für die USA geleistet, teilte Obama schriftlich mit.

60-Jähriger erst seit gut einem Jahr CIA-Direktor

Petraeus stand seit September vergangenen Jahres an der Spitze des CIA. Zuvor hatte er sich als General im Irakkrieg, insbesondere mit seiner Strategie zur Aufstandsbekämpfung, und als Kommandeur der US-Streitkräfte in Afghanistan einen Namen gemacht. Seine Frau Holly lernte er einst als Kadett in der Militärakademie West Point kennen. Gemeinsam mit der US-Regierung unterstützte sie die Familien von Militärangehörigen.

In der vergangenen Woche war Petraeus nach Libyen und Jordanien gereist. Von dort hatte er die Reaktion der CIA auf den tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi koordiniert, der noch immer nicht restlos aufgeklärt werden konnte. Nun wird in Washington angenommen, dass bei nichtöffentlichen Sitzungen des Kongresses kommende Woche der vorläufige Nachfolger Morell zum dem Thema Stellung bezieht.

dapd
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