08.11.12

Obama-Anhänger feiern

Wahlpartys: So kitschig wie möglich

Eine Partynacht in Rot-Weiß-Blau: In Berlin feiern Politiker und Prominente ihren amerikanischen Traum. Ein Ortstermin.

Von Nina Paulsen
Foto: dpa
USA Wahlen
Amerikas Farben - und die richtige Zahl an Sternchen nicht vergessen: Die Obama-Fans weltweit mussten in der Wahlnacht länger als 2008 auf die erlösende Nachricht vom Sieg des US-Präsidenten warten

Berlin. In Oslo ist tote Hose. Ein paar Anzugträger stehen versprengt im Hintergrund herum, vorn lächelt eine junge, blonde Frau etwas verlegen in die Kamera. Im Berlin ist man da viel ungehemmter. Zwei Mittdreißiger im schwarzen Hemd, den obersten Knopf offen, sorgfältige Gelfrisur, prosten ihr johlend mit einem Glas Grauburgunder zu. "Yes, we can"-Wahlparty. Besser als in Norwegen auf jeden Fall.

Per Internet wurde in der schicken Bertelsmann-Repräsentanz in Berlin-Mitte eine Art Live-Schaltung installiert, die Gäste der Berliner Wahlparty können also den Gästen der Osloer Wahlparty über den Computer zuwinken. Nur, dass in Norwegens Hauptstadt so gut wie niemand winkt und alles ein bisschen gediegener zugeht. Anders an der Spree: Jubeltrubel, die Nacht ist lang, es gibt Fast Food, natürlich, und auch etwas Alkohol. Die Veranstalter dieser Wahlparty sind die Fernsehsender CNN, n-tv und RTL, und sie haben ganz schön was aufgefahren, um die Nacht so amerikanisch wie möglich zu machen. Es gibt Luftballons in Blau, Weiß und Rot, Girlanden, USA-Flaggen auf den Tischen, die Hostessen tragen kleine Glitzerzylinder in den US-Farben auf dem Kopf.

Sogar einige echte Amerikaner wurden eingeladen, etwa Philip Murphy, US-Botschafter, qua Amt ein kompetenter Ansprechpartner für diesen Wahlabend ("Mein Herz ist für Obama, keine Frage") - und Bruce Darnell. Wer auf Pro7 vor ein paar Jahren "Germany's next Topmodel" gesehen hat, weiß, wer das ist ("Die Handtasche muss lebendig sein"), ebenso die Zuschauer der RTL-Castingshow "Das Supertalent". Dort saß Darnell neben Dieter Bohlen am Jurorenpult und wusste: "Das ist der Wahrheit." Und wer Bruce Darnell reden hört, merkt am Akzent: Auch er kommt aus den USA.

Also ist er nicht nur Stargast in der Runde von n-tv-Moderator Heiner Bremer, der direkt aus einem angeschlossenen Studio sendet, sondern auch als Experte beim ZDF unterwegs ist, nur wenige Hundert Meter vom Bertelsmann-Haus entfernt. Klischees müssten bei so einem Ereignis einfach aufgegriffen werden, befand n-tv-Sprecher Thomas Hellwege vor der Party. Na, dann.

Wichtigstes Accessoire des Abends: der Button. Gleich am Eingang stehen zwei große Gläser, eines gefüllt mit Obama-Buttons, das andere mit Romney-Buttons. Die Obama-Buttons sind der Renner, mehrmals muss das Glas nachgefüllt werden, und um halb zwei in der Nacht ist der Vorrat erschöpft. Ob das Romney-Glas zu diesem Zeitpunkt noch immer halb voll ist oder schon halb leer bleibt - Ansichtssache. Obwohl man sich das bei der Button-Produktion natürlich hätte denken können: Erst wenige Tage vor der Wahl hatte eine Umfrage ergeben, dass 91 Prozent der Deutschen Barack Obama wählen würden, wenn sie denn könnten. Vor allem deshalb hat der Hamburger FDP-Bundestagsabgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen zum Romney-Button gegriffen. "Sonst sind hier ja alle für Obama, also bin ich jetzt mal für die Minderheit", sagt er. Wer diplomatisch sein will, trägt einfach beide Varianten nebeneinander.

Gut 600 Leute sind zur Bertelsmann-Wahlparty gekommen, und bis nach Mitternacht ist wirklich was los. Eine Trio macht Musik, anfangs noch Jazz-Varianten von Bobby Hebbs Klassiker "Sunny" oder "Valerie" von Amy Winehouse, zu Michael Jacksons "Billy Jean" wird später sogar getanzt. In einer Ecke ist eine Fotowand aufgestellt, sie zeigt das Weiße Haus, davor gibt es lebensgroße Pappfiguren von Obama und Romney, wobei Papp-Romney irgendwann allein abseits im Schatten steht, weil sich jeder nur mit Obama fotografieren lassen will.

Ein regelrechtes Obama-Fieber wie bei der Wahl 2008 bricht aber nicht aus. Auch als ab ein Uhr erste Ergebnisse über die Leinwände flackern, bleibt es ruhig, weder gibt es Jubel für Obama-Stimmen noch Buhrufe für Romney-Stimmen oder umgekehrt. Vielleicht liegt das auch ein bisschen daran, dass viele Gäste schlicht den Mund voll haben, denn Essen gibt es wirklich im Überfluss. Es wird Burgerfleisch gebraten, Bagels, Wraps und Hotdogs mit Chili und Käse serviert, es gibt ein ganzes Regal mit zuckergussglasierten Donuts in Rosa, Türkis oder Schokobraun. Erst gegen halb fünf, als nur noch eingefleischte US-Fans an den Bistrotischen stehen, hören die Kellner auf, die Kalorienbomben nachzufüllen.

Knapp 50 Leute sind zu diesem Zeitpunkt noch auf der Wahlparty, die Band hat aufgehört zu spielen, wer will, kann sich die Reste vom Büfett stilecht im Doggybag mit nach Hause nehmen. Bremers Live-Sendung ist längst vorbei. "Ich dachte, ich kann um drei nach Hause fahren", seufzt eine junge Berlinerin, die vor der Großbildleinwand sitzt und auf das Ergebnis wartet.

Beim ZDF sind die Gäste hartnäckiger. Als um 5.16 Uhr klar ist, dass Barack Obama Präsident bleiben wird, sind noch viele vor Ort. Auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der zwei Stunden vorher noch in der Bertelsmann-Repräsentanz Hände geschüttelt hat, sitzt um kurz vor sechs bei Moderatorin Bettina Schausten auf der Couch, freut sich über das Ergebnis und darüber, dass die politische Arbeit in den USA nun auch sofort weitergehen kann. Auch in seine Rolle als Ex-Außenminister schlüpft Steinmeier noch einmal: "Auch mit einem europäischen Blick ist Barack Obama der richtige Präsident für die USA." Bettina Schausten kündigt an, dass es jetzt Frühstück für die Gäste geben wird. Draußen fängt so langsam der Berufsverkehr an sich durch den Nieselregen zu schieben. Der Kontakt zu Oslo ist längst abgebrochen.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Reaktionen auf die Wahl
  • Angela Merkel (CDU)

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat US-Präsident Barack Obama nach seiner Wiederwahl gratuliert und ihn nach Deutschland eingeladen.  „Sehr geehrter Herr Präsident, zu Ihrer Wiederwahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gratuliere ich Ihnen sehr herzlich.

     Wir haben in den vergangenen Jahren eng und freundschaftlich zusammengearbeitet. Unsere zahlreichen Begegnungen und Gespräche über alle Fragen zur Weiterentwicklung der deutsch-amerikanischen und der transatlantischen Beziehungen, nicht zuletzt aber auch über die Bewältigung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, über unser gemeinsames Engagement in Afghanistan oder das iranische Nuklearprogramm schätze ich außerordentlich.

     Ich freue mich darauf, dies fortsetzen zu können, damit unsere beiden Länder auch weiterhin Seite an Seite die wichtigen außenpolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir als Freunde und Verbündete stehen, gemeinsam meistern können.

     Es wäre mir eine Freude, Sie bald wieder als meinen Gast in Deutschland begrüßen zu können.

     Für die vor Ihnen liegende zweite Amtszeit wünsche ich Ihnen weiterhin viel Kraft und Erfolg.”

  • Joachim Gauck

    Der Bundespräsident in einem Glückwunschschreiben an Barack Obama heißt es unter anderem:  „Sehr geehrter Herr Präsident,

     Zu Ihrer Wiederwahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gratuliere ich Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, sehr herzlich.

     Unsere Länder sind einander auf der Grundlage gemeinsamer Werte, der Freiheit, der Menschenrechte und der Demokratie, fest verbunden. Sie sind das Fundament der langjährigen Freundschaft zwischen beiden Staaten und Völkern. Nie werde ich vergessen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika uns Deutschen unverbrüchlich zur Seite standen, wann immer es um die Freiheit und Einheit unseres Landes ging.

     Als Partner gleicher Werte und Überzeugungen tragen wir gemeinsam Verantwortung in unserer einen Welt, auch über die Grenzen unserer Länder hinaus. Wir sind gefordert, die globalen Herausforderungen und Bedrohungen für Freiheit, Frieden, Wohlstand und unsere Umwelt anzunehmen. Dazu wird Deutschland an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika auch weiterhin verlässlich seinen Beitrag leisten.

     Für die vor Ihnen liegenden Aufgaben wünsche ich Ihnen Glück, Erfolg und Gottes Segen.” 

  • Guido Westerwelle (FDP)

    Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hofft nach der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama auf neue Impulse in der Abrüstung sowie für eine weitere Liberalisierung des Welthandels. „Bei der Abrüstungspolitik muss noch mehr passieren“, sagte Westerwelle in der Nacht zum Mittwoch in New York. Die „Gunst der Stunde“ müsse nun genutzt werden. Zugleich plädierte er für „mehr Freihandel“ zwischen Europa und den USA.

  • Frank-Walter Steinmeier (SPD)

    SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier begrüßte die Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama: „Meine Befürchtung war, dass ein Präsident Romney ein ohnehin gespaltenes Land eher weiter auseinander treibt“, sagte er. Obama habe das Potenzial, die unterschiedlichen Interessen, Schichten und Ethnien in dem Land zusammenzuführen. Man dürfe nicht unterschätzen, was Obama bislang geschafft habe. „Eine Gesundheitsreform in den USA ist eine kleine Revolution.“ Die Hoffnungen in Obama seien aber vielleicht nicht mehr ganz so „überirdisch“ wie bei seiner ersten Wahl vor vier Jahren.

    Er forderte Europa auf, mehr für die transatlantischen Beziehungen zu tun. „Wir haben ein Interesse daran, dass die Europäer wichtig bleiben, deshalb müssen wir auch mehr investieren in diese Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg“,

  • Anders Fogh Rasmussen

    Der Nato-generalsekretär lobte die„herausragenden Führungsqualitäten bei der Aufrechterhaltung dieses wichtigen Bündnisses“ Obamas.

  • David Cameron

    „Herzliche Glückwunsche an meinen Freund Barack Obama“, twittert der britische Premierminister David Cameron. „Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.“

  • Mike Huckabee

    Kurz nach der verlorenen Wahl schimpfte der ehemalige Präsidentschaftsanwärter über die „erbärmliche Minderheitenpolitik” seiner Partei, an der diese nun arbeiten müsse. „Das ist eine Gruppe, die eigentlich bei uns Konservativen sein müsste. Aber die Republikaner haben gehandelt, als könnten sie diese Wählergruppe ohnehin nicht gewinnen und es gar nicht versucht. Und deshalb haben sie sie auch nicht bekommen.“

  • Jose Manuel Barroso

    EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso twittert mit ähnlicher Wortwahl: „Herzlichen Glückwunsch, ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und auf noch engere Beziehungen.“

  • Papst Benedikt XVI.

    Der Papst gratulierte Obama. Er bete um Gottes Hilfe, ihn in seiner höchsten Verantwortung den USA und der internationalen Gemeinschaft gegenüber beizustehen. Obama solle sich vor allem für den Respekt fundamentaler menschlicher und spiritueller Werte einsetzen und eine „Kultur des Lebens und der religiösen Freiheit” fördern.

  • Benjamin Netanjahu

    Der israelische Ministerpräsident erklärte nach Obamas Siegesrede, die strategische Allianz zwischen den USA und Israel sei „stärker denn je“. Er werde weiterhin mit Obama zusammenarbeiten, um die Interessen durchzusetzen, „die für die Sicherheit der israelischen Bevölkerung entscheidend sind“.

  • Nikki Reed

    „Twilight“-Schauspielerin Nikki Reed (24) freute sich auf Twitter: „Amerika! Wir haben es geschafft! Obama!“

  • Heidi Klum

     Model Heidi Klum (39) hatte an den Wahlen teilgenommen. „Ich habe zum zweiten Mal in Amerika gewählt“, sagte Klum als Gast in der „Ellen DeGeneres“ Fernsehshow, ohne aber zu verraten, wer ihre Stimme bekommen hat. Gerade rechtzeitig zu den Wahlen vor vier Jahren hatte sie ihre Staatsbürgerschaft und damit auch das Wahlrecht erhalten.

  • Cher

    „Ich bin so froh! Das ist eine der besten Nächte meines Lebens! Tränen laufen über mein Gesicht!“, twitterte Pop-Star Cher (66).

  • La Toya Jackson

    Sängerin La Toya Jackson (56) gratulierte Obama zu seinem Wahlsieg. „Vier weitere Jahre! Der beste Mann hat gewonnen!“, tat sie ihren Twitter-Anhängern kund.

  • Katy Perry

    „Alles in Butter!“, jubelte Sängerin Katy Perry (28). Sie hatte sich im Wahlkampf mit Auftritten für Obama stark gemacht.

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