31.10.12

Hurrikan "Sandy"

New York kämpft sich aus der Sturm-Katastrophe

Hurrikan "Sandy" war wohl der teuerste Sturm in der US-Geschichte. Zahl der Toten steigt auf mindestens 50. Obama verschafft sich Lagebild.

Foto: AFP

Dieses Haus an der Küste von New York wurde durch Wirbelsturm "Sandy" völlig zerstört

29 Bilder

New York. Einen Tag nach dem Monstersturm "Sandy" ist an der US-Ostküste das ganze Ausmaß der Schäden deutlich geworden. Heimatschutz-Ministerin Janet Napolitano nannte den Sturm, der nun gewaltige Schneemassen über das Gebiet der Großen Seen treibt, den möglicherweise teuersten in der US-Geschichte. Die Zahl der Todesopfer stieg bis Mittwoch auf mindestens 50. Präsident Barack Obama reiste sechs Tage vor der Wahl in den Bundesstaat New Jersey, um sich dort einen Überblick über die Schäden zu verschaffen. In der Millionen-Metropole New York begann die mühselige Rückkehr zur Normalität. Erste Pendlerzüge sollten bereits am Mittwoch wieder fahren.

Napolitano sagte, die Regierung bringe große Mengen an Hilfsgütern in die betroffenen Gebiete. "Es war einer der teuersten, wenn nicht sogar der teuerste Sturm unserer nationalen Geschichte", sagte die Ministerin. Experten gehen von Schäden zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar aus.

So kurz vor der Wahl war Obamas Reise nach New Jersey von besonderer Bedeutung. Der Präsident sollte vom republikanischen Gouverneur Chris Christie begleitet werden, der im Wahlkampf Obamas Herausforderer Mitt Romney unterstützt, gleichwohl aber voll des Lobes für das Krisenmanagement des Amtsinhabers und der Regierung in Washington ist.

Obamas Vorgänger George W. Bush war 2005 wegen mangelnder Hilfen des Bundes für die Opfer des Hurrikans "Katrina" massiv kritisiert worden. Der Katastrophenschutz des Bundes erklärte, für schnelle Hilfen an die Betroffenen sei genug Geld vorhanden. Obama hatte New York und New Jersey zum Katastrophengebiet erklärt. Er und Romney hatten wegen des Unwetters mehrere Wahlkampftermine abgesagt. Der Präsident will am Donnerstag wieder in das Rennen um das Weiße Haus einsteigen, sein Herausforderer tat dies bereits am Mittwoch in Florida.

"Die Zerstörung ist unvorstellbar", hatte Gouverneur Christie am Dienstag eine erste Bilanz gezogen. So saßen in der Stadt Hoboken nach Angaben des Bürgermeisters 20.000 Menschen wegen Überschwemmungen in ihren Wohnungen fest. Die Nationalgarde pumpte Keller aus. Im New Yorker Bezirk Staten Island rettete die Polizei mit Hubschraubern Menschen, die sich auf die Dächer ihrer Häuser geflüchtet hatten. Im Bundesstaat New York kamen 27 Menschen ums Leben, davon 22 allein der Stadt. Je sechs Tote gab es in New Jersey und Pennsylvania.

Bahnen sollen bald wieder fahren

Trotz der Wiederaufnahme des Busbetriebs gestaltete sich der Weg zur Arbeit für viele New Yorker extrem schwierig. Weil die wenigen eingesetzten Busse überfüllt waren und U-Bahnen wegen überfluteter Schächte noch nicht wieder fuhren, nahmen Berufstätige lange Fußmärsche in Kauf. Andere versuchten, eines der wenigen Taxis zu stoppen. Einen Hoffnungsschimmer bot Gouverneur Andrew Cuomo: Am Nachmittag würden Pendlerzüge in begrenztem Umfang den Verkehr wiederaufnehmen, erste U-Bahnen führen ab Donnerstag. Drei der sieben Tunnel unter dem East River seien leergepumpt worden.

Viele New Yorker hatten zuvor eine weitere Nacht im Dunkeln und ohne warmes Wasser zugebracht. Mehr als 760.000 der rund drei Millionen Kunden von Consolidated Edison waren nach Angaben des Energieversorgers ohne Elektrizität. Wegen einer Explosion in einem Umspannwerk war die südliche Hälfte Manhattans von der Energieversorgung abgeschnitten. Dort wohnen 250.000 Menschen. Der Wiederanschluss an das Stromnetz werde mindestens eine Woche dauern, teilte der Energieversorger mit. An der gesamten Ostküste hatten mehr als acht Millionen Menschen keinen Strom.

Mit dem John F. Kennedy Airport und dem internationalen Flughafen von Newark nahmen zwei der drei wichtigsten Flughäfen im Großraum der Stadt ihren Betrieb in begrenztem Umfang wieder auf. Der überschwemmte LaGuardia-Flughafen bleibt wegen Überschwemmung bis auf weiteres geschlossen.

Der Marathon in New York soll am Sonntag wie geplant stattfinden. Allerdings dürfte sich die Anreise der Teilnehmer wegen 16.000 ausgefallener Flüge und der Reparaturen an der U-Bahn als schwierig gestalten. Dennoch äußerte sich der Veranstalter New York Road Runners zuversichtlich. Die Millionenmetropole und ihre Einwohner müssten zwar gerade eine sehr schwierige Zeit durchmachen, aber der Marathon sei schon immer ein Symbol für die Lebensfreude und Widerstandskraft dieser Stadt gewesen.

Rückkehr zur Lebensfreude signalisierten auch die Theater am Broadway. Die meisten Vorstellungen würden am Mittwoch wieder öffnen, teilten die seit Sonntag geschlossenen Bühnen mit. Dagegen wurde der traditionelle Halloween-Umzug abgesagt.

Reaktionen in den USA auf das letzte TV-Duell

Wie die letzte von drei Fernsehdebatten zwischen US-Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney auf Parteifreunde und Angehörige gewirkt hat:

"Heute abend haben wir gesehen, was es ausmacht, der Oberbefehlshaber zu sein. Weitblick, Mut und eine ruhige Hand." (Joe Biden, demokratischer Vizepräsident, über Obamas Auftritt)

"Wo bleibt die Klimaerwärmung bei dieser Debatte? Der Klimawandel ist ein wichtiges außenpolitisches Thema." (Der frühere demokratische Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore)

"Ich bin so stolz darauf, wie Barack uns in den vergangenen vier Jahren auf der Weltbühne präsentiert hat. Und heute Abend hat er auch auf der Debattenbühne geglänzt." (Michelle Obama, Ehefrau des Präsidenten)

"Drei Debatten, keine Vision." (Reince Pribus, Vorsitzender der Republikanischen Partei, über Obama)

"Heute abend wirkt Barack Obama wie ein Kandidat, der weiß, dass ihm die Zeit davonläuft." (Romneys Sprecher Ryan Williams)

"POTUS hat Recht: Wir müssen kluge Entscheidungen treffen. Die erste davon: einen neuen POTUS bekommen." (Karl Rove, Berater des früheren Präsidenten George W. Bush. POTUS ist die Protokoll-Abkürzung für "President of the United States")

Quelle: dpa

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