18.10.12

Kolumbien

Regierung und Guerilla wollen neue Friedensgespräche

Hunderttausende Tote und Verletzte: Nach 50 Jahren der Gewalt nehmen Regierung und Rebellenorganisation einen neuen Anlauf für den Frieden.

Foto: DPA
Friedensgespräche kolumbianischen Regierung - Linksguerilla Farc
Mitglieder der Linksguerilla Farc in Piendamo

Oslo/Bogotá. Hoffnung auf Frieden in Kolumbien: Vertreter der Regierung und der linksgerichteten Farc-Guerilla sind in Oslo eingetroffen, um einen neuen Friedensprozess für das südamerikanische Land auf den Weg zu bringen. Nach ersten informellen Kontakten wollten sie den offiziellen Beginn der Verhandlungen am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz in einem Hotel außerhalb der norwegischen Hauptstadt erklären. Norwegen und Kuba vermitteln in dem Friedensprozess. Schon bald sollen die Gespräche nach Havanna verlegt werden.

Es ist der vierte Versuch seit 1984, den inzwischen fast 50 Jahre dauernden Konflikt in Kolumbien zu beenden. Die marxistisch orientierten "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) sind mit rund 9000 Kämpfern die größte und älteste Guerilla Südamerikas. Seit 1964 bekämpfen sie den Staat. Der Konflikt hat bisher mehr als 200 000 Menschen das Leben gekostet und Millionen Menschen aus ihren Heimatregionen vertrieben. Der bislang letzte Friedensprozess war im Februar 2002 gescheitert.

Bei den Gesprächen wird es auch um die Frage einer Waffenruhe gehen. Die Regierung hat die Forderung der Guerilla nach einer Feuerpause bislang abgelehnt. Bei Angriffen der Farc waren zuletzt am Dienstag 17 Menschen verletzt worden.

Menschenrechtsorganisationen und Angehörige der Opfer fordern, dass Übergriffe und Verletzungen der Menschenrechte auf beiden Seiten verfolgt werden. Ein dauerhafter Frieden werde nur möglich sein, wenn der Anspruch der Opfer auf Gerechtigkeit geachtet werde, erklärte die Organisation Human Rights Watch. "Der Frieden wird weder dauerhaft noch gerecht sein, wenn eine Vereinbarung beider Seiten auf Strafffreiheit für Gräueltaten basiert", hieß es.

Die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die von der Guerilla verschleppt worden war und bis zu ihrer Befreiung rund sechseinhalb Jahre lang im Dschungel festsaß, rief zur Versöhnung auf. Nur so könne ein dauerhafter Frieden erreicht und ein Schlussstrich gezogen werden. "Es ist sehr schwierig zu vergeben. Aber die Belohnung dafür ist Frieden für unsere Kinder und unsere Enkel. Es ist die Chance auf ein blühendes Kolumbien", sagte sie.

Die Unterhändler der Regierung werden von dem ehemaligen kolumbianischen Vizepräsidenten Humberto de la Calle angeführt. An der Spitze der Farc-Vertreter steht Luciano Marín, alias "Iván Márquez". Zur Verhandlungsgruppe der Rebellen zählt auch die niederländische Guerillera Tanja Nijmeijer, alias "Alexandra". Sie wird aber erst in einer nächsten Phase an den Gesprächen teilnehmen. Die 34-Jährige hatte sich vor zehn Jahren den Rebellen angeschlossen.

Abgesehen von den Farc leidet Kolumbien auch unter der Gewalt der prokubanischen "Nationale Befreiungsarmee" (ELN) sowie von kriminellen Banden und Drogenkartellen.

(HA/dpa)
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