Selbstmordattentat
Militärhauptquartier in Damaskus nach Anschlägen in Flammen
Bei einem Anschlag auf das Militärhauptquartier wurden mindestens vier Menschen getötet. Zeugen berichten von anschließenden Gefechten.
Damaskus. Mit einem tödlichen Doppelanschlag auf das Hauptquartier der syrischen Streitkräfte in Damaskus haben zwei Selbstmordattentäter am Mittwoch eines der wichtigsten Symbole der Herrschaft von Präsident Baschar Assad in Flammen aufgehen lassen. Vier Wachen wurden dem Staatsfernsehen zufolge bei den Anschlägen getötet, 14 weitere Menschen verletzt. Anschließend lieferten sich Rebellen und Soldaten nach Angaben von Augenzeugen Gefechte in der Innenstadt von Damaskus, möglicherweise sogar im Inneren des Militärkomplexes.
Die beiden Explosionen ereigneten sich laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur SANA am Mittwochmorgen in der Nähe der Hauptquartiere von Heer und Luftwaffe. Zwei Attentäter hätten im Abstand von zehn Minuten ihre Autobomben detonieren lassen, berichtete das Staatsfernsehen. Anschließend waren Bilder von der Heereszentrale zu sehen, die vollständig in Flammen stand, schwarzer Rauch stieg über der Innenstadt von Damaskus auf. Die Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) bekannten sich zu den Anschlägen.
Die Polizei sperrte das Gebiet rund um den zentralen Omaijaden-Platz ab. Im Inneren des Heeresführung-Komplexes sei es zu heftigen Kämpfen gekommen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Beide Seiten hätten dabei Verluste erlitten.
Augenzeugen berichteten von stundenlangen Schusswechseln in der Umgebung der Militärzentrale kurz nach dem Doppelanschlag. Die Explosionen brachten zahlreiche Fenster umliegender Gebäude zum Bersten. Ein nahegelegenes großes Hotel war ebenfalls betroffen. Der englischsprachige Fernsehsender Iranian Press TV berichtete, dass einer ihrer Korrespondenten, der 33-jährige Syrer Maja Nasser, bei den Schusswechseln nach den Detonationen getötet worden sei.
Ausgelöst hätten die Explosionen eine Autobombe sowie ein Sprengsatz in der Nähe der Gebäude der Heeresführung, teilten die Streitkräfte mit. Zeitgleich hätten "Terroristen" in dem Areal das Feuer eröffnet. Diese Bewaffneten würden von den Behörden verfolgt, hieß es weiter. Syrische Stellen sprechen für gewöhnlich von "Terroristen", wenn sie die Rebellen meinen, die für den Sturz von Präsident Baschar Assad kämpfen.
Vor den Berichten über die Toten hatte Informationsminister Omran Subi erklärt, durch die Explosionen sei lediglich Sachschaden entstanden. Zugleich versuchte er zu beruhigen. "Alles ist normal. Es gab einen Terroranschlag, möglicherweise in der Nähe eines wichtigen Gebäudes", sagte Subi. Die Attentäter hätten ihr Ziel jedoch nicht erreicht.
Die syrischen Rebellen haben in den vergangenen Monaten verstärkt Einrichtungen der staatlichen Sicherheitsorgane angegriffen. Bei einem Anschlag Mitte Juli auf ein Treffen ranghoher Regierungsvertreter wurden drei Menschen getötet, darunter der Verteidigungsminister und der Schwager von Assad. Bei einer Bombenexplosion am Dienstag in der Nähe einer Schule, die laut Aufständischen von Sicherheitskräften als Kommandozentrale genutzt wurde, waren mehrere Menschen verletzt worden. Seit Beginn des Aufstands gegen die Assad-Regierung wurden nach Angaben von Aktivisten rund 30.000 Menschen getötet.
Die internationale Gemeinschaft, die derzeit bei der UN-Generaldebatte über das Schicksal Syriens diskutiert, ist weiter gespalten. Nach einem Aufruf von US-Präsident Barack Obama nach einem Ende des Assad-Regimes am Dienstag, warnte der russische Präsident Wladimir Putin ausdrücklich vor solchen Forderungen. Blutige Regimewechsel würden nur weitere Unruhen nach sich ziehen, sagte Putin am Mittwoch vor ausländischen Diplomaten in Moskau. Vielmehr solle die internationale Gemeinschaft als Einheit auftreten.















