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Ausland

Irans Präsident Ahmadinedschad feiert seinen "Sieg"

Wahl im Iran: Grün war die Hoffnung

Vor allem die Studenten hatten auf den Reformer Mussawi gesetzt. Jetzt schwanken sie zwischen Wut und Resignation. Eine Reportage aus den Straßen Teherans von Stephanie Rupp.

Grüne Tücher sind ihr Markenzeichen: Anhänger des Verlierers Mussawi protestieren in Teheran gegen das Wahlergebnis.
Foto: AP

Teheran. Der leuchtend grüne Mantel und das grüne Stirnband liegen am frühen Sonntagmorgen verknittert in der Ecke. Die Kleider sind durchgeschwitzt und schmutzig von der staubig-schwarzen Luft Teherans. Die Augen der 25-jährigen Mahnaz sind gerötet, weil sie seit Tagen ihre Nächte draußen verbringt und wenig geschlafen hat. Aus ihrer Stimme sprechen tiefe Wut, Enttäuschung, Trauer und Resignation: "Wir waren so hoffnungsfroh, und jetzt ist alles vorbei", sagt die Betriebswirtschaftsstudentin.

Mit friedlichen Mitteln wollte sie wie so viele Iraner ihrer Generation verhindern, dass Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad wiedergewählt wird und der Reformer Mir Hussein Mussawi den jungen Leuten nicht nur mehr wirtschaftliche Perspektiven bietet, sondern ihnen auch mehr Freiheit gibt.

Doch jetzt sitzt ihr Hoffnungsträger Mussawi in Hausarrest, und über 100 führende Reformpolitiker, darunter der äußerst populäre jüngere Bruder Mohammed Chatamis, Mohammed Reza Chatami, sind in Haft. Sämtliche Hauptstadt-Büros der Reformbewegung sind gewaltsam geschlossen worden.

In der Nacht zum Sonntag war Mahnaz bis 3 Uhr morgens auf der Straße, um gegen das Wahlergebnis zu demonstrieren. Auf der Valiasr-Straße, die den armen Süden Teherans mit dem reichen Norden verbindet, fängt ihr Kopftuch um ein Haar Feuer. Funken von brennenden Autoreifen stieben ihr ins Gesicht. Ein paar Meter weiter schlägt ein Polizist eine junge Frau mit einem Knüppel, weil sie ein zertretenes Wahlplakat Ahmadinedschads hochhält. Neben ihr ruft eine junge Frau: "Nieder mit der Diktatur, nieder mit dem Führer!"

"Betrug, Betrug, Lüge, Lüge, Mussawi ist der Sieger, wir wollen Neuwahlen", brüllt ein junger Mann mit hochstehenden Haaren. Der Polizist neben ihm tut so, als überhöre er das, und geht weiter. So viel Glück hat ein Pärchen, das lautstark gegen die "Manipulation von Anfang an" protestiert, nicht. Es wird festgenommen und abgeführt.

Mahnaz sieht, wie Scheiben einer Bank zu Bruch gehen, wie Mülleimer brennen, Verletzte Hilfe suchen. Und bei all dem ist sie orientierungslos und verwirrt. Denn mit ihren Freunden kann sie sich nicht treffen, obwohl das so verabredet war. Die Staatsmacht hat das Mobilfunknetz abgeschaltet. Erst am nächsten Morgen, als sich die Lage auf den Straßen kurzzeitig beruhigt, funktioniert ihr Handy wieder. Im Internet hingegen kann Mahnaz keine Seite der wenigen reformorientierten Zeitungen mehr lesen, die es zuletzt noch gab. Die BBC-Seiten auf Persisch und Englisch sowie Facebook sind ohnehin seit Sonnabend gesperrt, und mit Störsendern wird die Satelliten-Berichterstattung ausländischer Sender behindert.

Am späten Vormittag erfährt Mahnaz von einem Kommilitonen, dass gegen 13 Uhr Mussawi in Begleitschutz in die Valiasr-Straße kommen soll, um dort zu seinen Unterstützern zu sprechen. Doch er erscheint nicht. Später heißt es, er soll am Abend in Nord-Teheran eine Botschaft an die Menschen richten.

Massive Proteste gegen Ahmadinedschad

Derweil brennt am Valiasr-Square ein Gebäude, in einem nördlichen Stadtviertel Teherans gehen erneut Scheiben von Banken zu Bruch. Und in der belebten Jordan-Straße, wo die Wohlhabenderen gern shoppen gehen, wird eine Tankstelle angezündet. Oppositionelle rufen lautstark: "Ahmadinedschad, verlassen Sie die Regierung. Gehen Sie nach Hause. Sofort!"

Politische Beobachter, die der Generation Ahmadinedschads entstammen und vor 30 Jahren mit ihm auf die Straße gegangen waren, fühlen sich an die Zeit von damals erinnert. "Ich denke, wir stehen vor einer neuen Revolution", sagt einer von ihnen. Die Regierung und vor allem der Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei hätten "alles aufs Spiel gesetzt - und möglicherweise ihre eigene Zukunft". Denn kaum jemand im Land glaube, dass es bei dieser Wahl mit rechten Dingen zugegangen ist. Und selbst wenn dem doch so wäre, fragt der junge Mann, "warum in aller Welt schließt man nach der Wahl die Universitäten, schickt die Mitarbeiter des Innenministeriums nach Hause, mobilisiert Polizei, Pasdaran und Armee? Und warum schließt man die Büros der legalen Opposition und verhaftet ihre Mitglieder?"

Es sehe alles danach aus, als habe von Anfang an die Absicht bestanden, das Wahlergebnis zu fälschen und dem Volk klarzumachen, dass seine Stimme nicht gefragt ist, sagt er. Ein auffälliges Zeichen dafür sei auch, dass sich das Wahlergebnis seit Nennung der ersten Auszählungen kaum verändert habe. Und das, obwohl die ersten Auszählungen aus den Dörfern kamen. In den Städten aber habe Mussawi deutlich mehr Anhänger - in Teheran bis zu 80 Prozent. "So etwas ist verdächtig."

Am Sonntagnachmittag lässt sich Ahmadinedschad von Zehntausenden seiner Anhänger in Teheran feiern. Es gebe nun einmal nach jeder Wahl Unzufriedene, die sich beschwerten, sagt der Präsident zu den Protesten der Opposition. Dies sei wie bei einem Fußballspiel, bei dem sich die Anhänger des unterlegenen Teams auch nicht mit einer Niederlage abfinden könnten.

Aber trotz massiver Polizeikontrollen versammeln sich auch diesmal wieder viele Mussawi-Anhänger. Sie skandieren "Tod dem Diktator" und "Wir wollen unsere Stimmen zurück". Ein Mitarbeiter des Nachrichtensenders CNN in Teheran berichtet später, er habe gesehen, wie Ahmadinedschad-Anhänger mit Motorrädern Jagd auf oppositionelle Demonstranten machten. Sie seien mit Metallstangen bewaffnet und verfolgten sogar unbeteiligte Passanten. Er habe auch Schüsse gehört.

Vieles deutet darauf hin, dass vor allem die jungen Teheraner bei aller Enttäuschung noch weit davon entfernt sind, ihre Proteste alsbald aufzugeben.

 

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