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Politik

Arbeitslos - los, arbeiten

Wer den Job verliert, soll künftig mehr Eigeninitiative zeigen

Hamburg. Es ist viel von "Passgenauigkeit" die Rede, wenn Florian Gerster von der Neuordnung des Arbeitsmarktes redet. "Qualifizierung" gehört ebenfalls zu den Kernbegriffen des neuen Vorstandschefs der Bundesanstalt für Arbeit (BA). Ein Name übrigens, der dem Chef auch ein Dorn im Auge ist. Viel lieber wäre ihm eine Bezeichnung wie Arbeitsagentur. Denn dies würde gleich umreißen, worauf es Gerster ankommt: "Arbeitsvermittlung ist eine Dienstleistung. Sie muss sich so nahe wie möglich am Arbeitsmarkt orientieren." "Unser größtes Problem bei der Umgestaltung der Arbeitsmarkt-Verwaltung ist die Bindung von zu vielen Arbeitskräften nach innen. Was wir brauchen, ist mehr Freiheit beim Weg zum Ziel und eine stärkere Kontrolle des Ergebnisses", sagte Gerster bei seinem Besuch des Landesarbeitsamtes Nord in Hamburg. Der neue BA-Chef macht sich vor allem für eine Neustrukturierung der Qualifizierungsangebote seiner Behörde stark. Verzicht auf Langzeitqualifizierungen, früher anfangen und - vor allem - nach Rücksprache mit der örtlichen Wirtschaft, damit nicht am Bedarf des lokalen Arbeitsmarktes vorbeiqualifiziert wird, lautet Gersters Rezept, um vor allem Langzeitarbeitslosen zu einem Job zu verhelfen. "Langzeitarbeitslosigkeit ist kein unabwendbares Schicksal. Sie wäre viel geringer, wenn wir dafür sorgen, dass die Orientierungsphase bei Menschen, die sich arbeitslos melden, kürzer wird. Das Gleiche gilt für die Vermittlungszeit." Gerster sagte, dass Arbeitslose weitaus intensiver in die Pflicht genommen werden sollen. So könne, wer sich arbeitslos melde, auch schon mal binnen der ersten zwei Wochen zu einem Orientierungsseminar herangezogen werden. "Wir müssen uns fragen, ob es die richtige Haltung ist, erst mal in Urlaub zu fahren und dann weiterzusehen." Der Sozialdemokrat ist auch bereit, an Tabuthemen zu rütteln. So würde es nach seiner Ansicht vor allem Jobs für gering Qualifizierte geben, wenn einfache Dienstleistungen auch für private Haushalte steuerlich absetzbar wären. Gerster hat auch nichts gegen mehr Zeitverträge, allerdings will er den Kündigungsschutz nicht gelockert sehen. Gerster macht keinen Hehl daraus, dass bei aller Flexibilisierung nicht für alle Arbeit da ist. "Wer länger als zwei Jahre arbeitslos ist, kann praktisch nicht mehr vermittelt werden. Diese Personen sind dann aber ein Fall für unser Sozialsystem, nicht für die Arbeitsverwaltung", sagt der AA-Chef und gibt damit die Richtung vor, in die sowohl Koalition als auch Opposition gehen wollen: die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe unter einem neuen Namen. Dies würde auch helfen, die Statistik zu verbessern. Denn wer keine Arbeitslosenhilfe bekommt, gehört dann auch nicht mehr zum Heer der mehr als vier Millionen Arbeitslosen.

 

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