11.09.12

Yad Vashem

Horst Seehofer zeigt sich emotional in Yad Vaschem

Begleitet wurde Seehofer unter anderem von den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer und Uri Chanoch. Am Morgen traf er Schimon Peres.

Foto: dapd/DAPD
Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) besichtigt in Jerusalem während eines Besuchs der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem die Halle der Namen
Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) besichtigt in Jerusalem während eines Besuchs der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem die Halle der Namen

Jerusalem. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) war sichtlich bewegt, als er am Dienstag in Jerusalem die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem besuchte. "Sie haben mich geschockt", sagte der gegenwärtige Bundesratspräsident anschließend zu der Frau, die durch die Gedenkstätte führte. In das Gästebuch schrieb er: "Die Erinnerung an die entrechteten, verschleppten, gequälten und ermordeten Juden muss uns Deutschen und allen Völkern Mahnung sein, die Würde des Menschen zu achten und zu verteidigen."

Jad Vashem ist Hebräisch und heißt übersetzt "Denkmal und Name". Die Einrichtung wurde 1953 als Zentrum für Dokumentation, Erforschung, Pädagogik und Gedenken an den Holocaust gegründet. Sie ist die zentrale israelische Gedenkstätte für die sechs Millionen jüdischen Opfer des NS-Terrors. Zentrum ist "die Halle der Namen" mit individuellen Gedenkblättern.

Begleitet wurde Seehofer unter anderem von den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer und Uri Chanoch. Dabei waren auch die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

Knobloch hatte kürzlich mit einem bitteren Beitrag in der "Süddeutschen Zeitung" zur Beschneidungsdebatte für Wirbel gesorgt. Darin schrieb sie unter anderem: "Sechzig Jahre lang habe ich als Überlebende der Schoah Deutschland verteidigt. Jetzt frage ich mich, ob das richtig war."

+++ Seehofer besucht Israel und die Palästinensischen Gebiete +++

Auch bei Seehofers Israel-Besuch spielte das Thema eine Rolle. Der CSU-Chef äußerte "sehr viel" Verständnis für die Empörung bei Knobloch und anderen jüdischen Bürgern. Am Dienstag verlangte er bei einer Pressekonferenz in der Knesset mit Parlamentschef Reuven Rivlin, "dass die Religionsfreiheit gewährleistet bleibt und dass die Beschneidung straffrei bleiben soll". Das sei die Position, für die "ich jetzt in Berlin kämpfe".

Rivlin, der zunächst überlegt hatte, wegen des umstrittenen Beschneidungs-Urteils des Kölner Landgerichts eine Knesset-Delegation nach Deutschland zu schicken, gab sich überraschend diplomatisch. Er habe im Fernsehen ein Statement von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu dem Thema gesehen und sich gedacht: "Kein Jude, kein Israeli hätte das besser äußern können."

Rivlin hielt sich deshalb mit Forderungen zurück: "Manchmal muss man mehr den Verstand walten lassen – und nicht die Emotionen sprechen lassen. Ich will keinem die Gelegenheit geben, zu behaupten, dass Israel auf Deutschland Druck ausübt". Es herrsche sowieso Einvernehmen mit Merkel und dem bayerischen Ministerpräsidenten.

Gelassene Fröhlichkeit herrschte am Vormittag beim ersten Termin Seehofers – dem Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres. Der Friedensnobelpreisträger scherzte, der frühere CSU-Chef Franz Josef Strauß sei etwas merkwürdig gewesen: "Er war ein guter Freund von Mao Tse-Tung und von mir." Diese Konstellation sei seltsam. Zugleich lobte Peres mehrfach die guten Beziehungen Israels zu Bayern.

Seehofer fragte den Staatspräsidenten daraufhin, ob er den Franz-Josef-Strauß-Preis der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung annehmen wolle. Dies habe er zwar schon vor einem Jahr angefragt, damals habe es aber nicht geklappt. Seehofer fügte hinzu: "Ich erlaube mir heute, diesen Vorschlag zu wiederholen. Ich wäre Ihnen für eine positive Prüfung dankbar." Und Peres sagte diesmal sofort zu.

mit Material von dapd

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