07.09.12

Parteitag der Demokraten

Barack Obama verspricht den US-Bürgern bessere Zeiten

US-Präsident Obama hat seine Anhänger beim Nominierungsparteitag der Demokraten auf eine Schicksalswahl eingeschworen.

Foto: AFP

US-Präsident Barack Obama und seine Tochter Malia beim Parteitag der Demokraten in Charlotte

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Charlotte. Zwei Monate vor den Wahlen in den USA hat US-Präsident Barack Obama in einer Rede vor Millionen Menschen vor den Fernsehern an die Wähler appelliert, ihm mehr Zeit für die Lösung der Probleme des Landes zu geben. Die USA seien auf dem richtigen Weg. Aber was sich in Jahrzehnten angehäuft habe, sei nicht in wenigen Jahren zu lösen, erklärte Obama auf der Parteiversammlung in Charlotte in North Carolina, wo er am Donnerstag die Nominierung als Spitzenkandidat seiner Demokratischen Partei für die Wahl am 6. November annahm.

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Bei der anstehenden Präsidentenwahl stünden die Wähler in den USA vor einer der klarsten Entscheidungen seit einer Generation, sagte Obama. Beide Kandidaten stünden für zwei völlig verschiedene Richtungen, in die das Land gehen könne, erklärte Obama weiter unter Bezug auf seinen republikanischen Kontrahenten Mitt Romney. "Ja, unser Weg ist härter, aber er führt zu einem besseren Ort."

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In seiner Rede wollte er versuchen, noch einmal die Begeisterung wie bei seinem Wahlkampf vor vier Jahren zu entfachen und dabei Zuversicht zu verbreiten. So versicherte Obama: "Unsere Probleme können gelöst werden, unsere Herausforderungen können gemeistert werden." Es war eine Botschaft, die sich durch die ganze Parteiversammlung zog, mit den Demokraten seien die USA auf dem Weg zur Besserung, mit Romney würde nur die gescheiterte Politik von Obamas Vorgängern wiederbelebt.

Als Ziele will Obama sich setzen, bis Ende 2016 eine Million neue Arbeitsplätze in der Industrie zu schaffen und das Defizit im nächsten Jahrzehnt um mehr als vier Billiarden Dollar abzubauen. Nur wenige Stunden nach der Rede Obamas werden am Freitag in den USA die neuen Arbeitslosenzahlen bekannt gegeben.

Die Republikaner, die Romney in der vergangenen Woche nominierten, sehen hingegen in der Arbeitslosenrate von 8,3 Prozent den klaren Beleg dafür, dass Obamas Politik gescheitert ist. In den Umfragen liegen beide Kandidaten derzeit gleichauf.

Vor Obama hatte schon Vizepräsident Joe Biden offiziell seine Nominierung als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten bei der Wahl im November angenommen. "Wir sind auf einer Mission, diese Nation vorwärtszubringen, von Zweifel und Niedergang zu Hoffnung und Wohlstand", erklärte Biden.

Tags zuvor hatte Expräsident Bill Clinton in einem flammenden Appell für eine Wiederwahl Obamas geworben. Er glaube "von ganzem Herzen", dass Obama das Land in einen wirtschaftliche Aufschwung führen werde, erklärte Clinton am Mittwochabend in Charlotte. Der 66-Jährige schlug seinen Parteikollegen offiziell als Kandidat für die Wahl am 6. November vor. Kurz nach seiner Ansprache machten die Delegierten Obamas Nominierung perfekt.

"Ich möchte einen Mann nominieren, der sich nach außen cool gibt, jedoch tief drinnen für Amerika brennt", sagte Clinton. In seiner mit Humor gewürzten Rede versuchte der populäre Expräsident vor allem, die Gegensätze zwischen Demokraten und Republikanern aufzuzeigen. Die Amerikaner müssten sich fragen, in welchem Land sie eigentlich leben wollten. "Wenn ihr eine egoistische Gesellschaft wollt, in der der Sieger alles bekommt, solltet ihr auf das republikanische Ticket setzen", sagte Clinton. "Wenn ihr ein Land des gemeinsamen Wohlstands und der gemeinsamen Verantwortung wollt, solltet ihr Barack Obama und seinen Vize Joe Biden wählen."

Obama: Wir stehen vor der klarsten Wahl seit Generationen

In seiner Nominierungsrede sagte US-Präsident Barack Obama unter anderem:

SCHICKSALSWAHL

"...wenn alles gesagt und getan ist – wenn Ihr diesen Wahlzettel ...in die Hand nehmt -, dann werdet Ihr es mit der klarsten Wahl...seit Generationen zu tun haben. In den nächsten Jahren werden große Entscheidungen in Washington getroffen werden, über Jobs und die Wirtschaft, Steuern und Defizite, Energie und Bildung, Krieg und Frieden – Entscheidungen, die auf Jahrzehnte hinaus große Auswirkungen auf unser Leben und das Leben unserer Kinder haben werden."

"Es wird eine Wahl zwischen zwei verschiedenen Wegen für Amerika sein...Eine Wahl zwischen zwei fundamental verschiedenen Visionen für die Zukunft."

"Aber Du musst das wissen, Amerika: Unsere Probleme können gelöst werden. Unsere Herausforderungen können bewältigt werden. Der Weg, den wir bieten, mag härter sein, aber er führt zu einem besseren Ort. Und ich bitte Euch, diese Zukunft zu wählen..."

ÜBER DIE REPUBLIKANER

"Unsere Freunde auf dem republikanischen Parteitag waren mehr als glücklich, über alles zu sprechen, das nach ihrer Ansicht falsch läuft mit Amerika. Aber sie haben nicht viel darüber zu sagen gehabt, wie sie es richtig machen würden. Sie wollen Eure Stimme haben, aber sie wollen nicht, dass Ihr ihren Plan kennt. Und das liegt daran, dass alles, was sie zu bieten haben, das gleiche Rezept ist, das sie in den vergangenen 30 Jahren gehabt haben."

APPELL AN DIE GEDULD

"Ich will nicht so tun, als ob der Weg, den ich anbiete, schnell oder leicht ist. Das habe ich nie getan. Ihr habt mich nicht gewählt, damit ich Euch sage, was Ihr hören wolltet. Ihr habt mich gewählt, damit ich Euch die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist, es wird für uns mehr als einige wenige Jahre dauern, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben."

"Wenn Du an ein Land glaubst, in dem jeder eine faire Chance erhält, und jeder seinen fairen Beitrag leistet, und jeder sich an dieselben Regeln hält, dann brauche ich diesen November Deine Stimme...Ja, unsere Straße ist länger – aber wir reisen gemeinsam auf ihr. Wir kehren nicht um. Wir lassen niemanden zurück. Wie ziehen einander hoch. Wir gewinnen Stärke aus unseren Siegen, und wir lernen aus unseren Fehlern. Aber wir behalten unsere Augen auf jenen fernen Horizont gerichtet...in dem Wissen, dass wir wirklich gesegnet sind, Bürger der größten Nation auf der Erde zu sein. "

AUSSENPOLITIK

"In einer Welt neuer Bedrohungen und neuer Herausforderungen könnt Ihr eine Führung wählen, die geprüft worden ist und sich bewährt hat....Aber trotz aller Fortschritte, die wir erzielt haben, bleiben Herausforderungen...Mein Kontrahent und sein Vizekandidat sind Neulinge in der Außenpolitik...sie wollen uns in eine Ära des Getöses und der Schnitzer zurückbringen, die Amerika bereits so viel gekostet haben."

SELBSTKRITIK

"Ich bin nicht länger nur ein Kandidat. Ich bin der Präsident...Und während ich stolz auf das bin, was wir gemeinsam erreicht haben, bin ich mir weitaus stärker meiner eigenen Fehler bewusst...Aber ich habe nie größere Hoffnungen für Amerika gehabt. Nicht, weil ich glaube, dass ich alle Antworten habe...Ich bin hoffnungsvoll wegen Euch."

Mit Material von dapd und dpa

Obama und Romney - die Kontrahenten in Zitaten
Zitate aus dem Wahlkampf der Kontrahenten Mitt Romney und Barack Obama:
Barack Obama: "Das ist das Gegenteil von Robin Hood – Romney Hood"! (am 6. August auf einer Kundgebung in Connecticut zu den Steuerplänen seines Gegners)
Obama: "Ich glaube, es wird eng, aber ich denke, wir werden gewinnen." (am 30. Juli auf einer Veranstaltung in New York) "Ich werde jeden Morgen aufwachen und hart für euch kämpfen." (am 25. Juli auf einer Kundgebung in New Orleans)
Obama: "Diese Regelung gilt ab sofort." (am 15. Juni zur Aussetzung der Abschiebung von illegalen jungen Latinos)
Obama: "Dem privaten Sektor geht es gut. (....) Wenn du erfolgreich bist, hat dir jemand dabei geholfen, hat in Straßen und Brücken investiert." (am 8. Juni auf einer Pressekonferenz zur Lage auf dem Arbeitsmarkt)
Obama: "Für mich ist es wichtig voranzugehen und zu bekräftigen, dass gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit zur Heirat haben sollten." (am 9. Mai in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC zur Homo-Ehe)
Obama: "Wir werden unsere Mission abschließen und den Krieg in Afghanistan beenden." (am 1. Mai bei einer Visite auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan)
Obama: "Wir haben beide Abschlüsse aus Harvard. Ich habe einen, er hat zwei, (...) was für ein Snob." (am 28. April vor der Presse über seinen Konkurrenten Romney)
Mitt Romney: "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert bleiben. (...) Ich schäme mich nicht für die Macht Amerikas." (am 24. Juli vor der US-Veteranenvereinigung VFW)
Romney: "Ich will alle Amerikaner repräsentieren, von jeder Rasse, Religion oder sexuellen Orientierung, von den Ärmsten bis zu den Reichsten und jedem dazwischen." (am 11. Juli vor Vertretern der schwarzamerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP)
Romney: "Unser geliebtes Land ist in Gefahr. Darum kandidiere ich als Präsident." (am 21. Juni vor der Latino-Vereinigung NALEO)
Romney: "Als euer Präsident werde ich vom ersten Tag an alles in meiner Macht Stehende tun, um die Tage von Niedergang und Enttäuschung zu beenden (... .) Ich werde Obamacare (die Gesundheitsreform Obamas) am Tag eins zurückdrehen." (am 7. Juni in St. Louis, Missouri)
Romney: "In diesem Land glauben wir, dass jedes Kind etwas beitragen kann. Egal, in welche Verhältnisse es geboren wurde (...) Zu viele Träume werden nie wahr, weil unser Bildungssystem scheitert." (am 23. Mai vor der US-Handelskammer)
Romney: "Es gibt keine größere Kraft zum Wohle der Nation als ein tätiges christliches Bewusstsein." (am 13. Mai in einer Grundsatzrede über traditionelle Werte)
Romney: "Meiner Ansicht nach ist die Ehe eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau." (Am 9. Mai zu Obamas Plädoyer für die Homo-Ehe)
Romney: "Zusammen werden wir am 6. November gewinnen." (am 24. April nach seinem Vorwahlsieg in New Hampshire)
Quelle: dpa
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