06.09.12

Parteitag in Charlotte

US-Demokraten nominieren Obama - Clinton kämpft mit

Präsident Obama ist nun offiziell als Kandidat für die Wahl im November nominiert. Hilfe im Wahlkampf kommt von Ex-Präsident Bill Clinton.

Foto: AFP
Democratic National Convention: Day 2
Barack Obama (l.) und Ex-Präsident Bill Clinton beim Parteitag in Charlotteville. Clinton hielt eine umjubelte Nominierungsrede für Obama

Charlotte. Die US-Demokraten sorgen auch am zweiten Abend ihres Parteitags für einen Gänsehautmoment. Ex-Präsident Bill Clinton hält eine umjubelte Nominierungsrede für Barack Obama. Hilft der Rückenwind im Wahlkampf?

Eine Woche nach der Kür des Republikaners Mitt Romney zum Präsidentenkandidaten haben die Demokraten nun auch offiziell Amtsinhaber Barack Obama in die Wahlschlacht um das Weiße Haus geschickt. Der Parteitag stimmte am Mittwochabend (Ortszeit) in Charlotte (North Carolina) der Nominierung Obamas für die Wahl am 6. November zu. Zuvor hatte Ex-Präsident Bill Clinton in einer umjubelten Nominierungsrede die Bilanz seines Nachfolgers gegen Angriffe der Republikaner verteidigt. "Ich will einen Mann nominieren, der nach außen hin cool ist, aber im Inneren für Amerika brennt", rief Clinton den jubelnden Delegierten zu.

Am Ende der 48 Minuten langen Rede zu bester TV-Sendezeit kam Obama überraschend auf die Bühne, um Clinton zu umarmen. Sein erster Auftritt bei dem Parteitag war eigentlich erst für Donnerstag (Ortszeit) geplant. Auch Obamas Ehefrau Michelle, die am Vorabend mit ihrer Rede im Rampenlicht stand, schaute in der Arena zu.

Clinton brach vor allem eine Lanze für Obamas Wirtschaftspolitik, die ein Hauptangriffspunkt der Republikaner ist. Der Präsident habe in seinen ersten vier Jahren die wirtschaftliche Erholung weit vorangetrieben und das Sozialsystem der USA auf neue Beine gestellt, sagte Clinton. "Lasst Obama im Amt", rief der 66-Jährige seine Landsleute auf. "Er hat das Fundament für eine neue, moderne und erfolgreiche Ökonomie gelegt. Wenn Sie den Vertrag des Präsidenten verlängern, dann werden das zu spüren bekommen", sagte er.

+++ Michelle Obama: "Wir werden es schaffen - das tun wir immer!" +++

Punkt für Punkt und von vielen Statistiken untermalt zählte Clinton die Erfolge der Obama-Regierung auf. Von der Rettung der US-Autoindustrie bis zur Verabschiedung seiner Gesundheitsreform habe der Amtsinhaber viele Erfolge gefeiert. "Ist der Präsident zufrieden? Nein. Stehen wir besser da als damals, als er ins Amt kam? Die Antwort ist Ja." Clinton reagierte damit auf Romneys Hauptthese in seiner Wahlkampagne, unter Obama hätten sich die Verhältnisse für die Bevölkerung verschlechtert.

Clinton warf den Republikanern vor, Obama bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren wirtschaftlich eine "totale Sauerei" hinterlassen zu haben. "Kein Präsident, nicht ich, keiner meiner Vorgänger, hätte jemals den Schaden reparieren können, den er in nur vier Jahren vorgefunden hat", sagte er. Bei der Wahl gehe es darum, welchen Weg die Amerikaner künftig weiter beschreiten wollten. "Wenn sie ein Land mit geteiltem Wohlstand und geteilter Verantwortung wollen – eine Gesellschaft, in der wir alles gemeinsam durchstehen – dann sollten Sie Barack Obama wählen."

Romney hatte am Mittwoch erneut die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Amtsinhabers kritisiert. Dass der Schuldenstand im US-Haushalt nun die Marke von 16 Billionen Dollar (12,7 Billionen Euro) überschritten habe, zeuge von seinem Versagen. "Es gibt keinen Weg, diese Zahl mit der Aussage zu verknüpfen, dass es Amerika besser geht", sagte er bei einem Auftritt in New Hampshire.

Dem Auftritt Clintons wurde sehr große Bedeutung beigemessen, da der Ex-Präsident als beliebtestes Mitglied der Partei gilt. Das Verhältnis von Clinton und Obama war einst sehr angespannt, weil Clintons Ehefrau Hillary 2008 die parteiinternen Vorwahlen um die Präsidentenkandidatur gegen Obama verloren hatte. Heute ist sie als Außenministerin Teil der Regierung. Schon die Einbindung seiner damaligen Kontrahentin zeige, dass der 51-Jährige auf Kooperation statt Auseinandersetzung setze, sagte Clinton mit einem Augenzwinkern: "Verdammt, er hat sogar Hillary ernannt."

Vor der Nominierung kam es auf dem Parteitag zum Streit über die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. Dieser Passus stand noch 2008 in der Wahlplattform. Vor dem diesjährigen Parteitag wurde er gestrichen. Dreimal mussten die Delegierten per Akklamation abstimmen, weil keine klare Mehrheit auszumachen war. Die Passage wurde dann wieder aufgenommen. Viele Delegierte quittierten das mit Buhrufen.

Der politische Status von Jerusalem ist zwischen Israel und den Palästinensern besonders umstritten. Die Palästinenser wollen in dem von Israel besetzten arabischen Ostteil der Stadt die Hauptstadt ihres künftigen Staates aufrufen. Israel betrachtet Jerusalem als seine "unteilbare und ewige Hauptstadt". Das ist international nicht anerkannt. Offizielle US-Politik ist, dass der Streit über Jerusalem in Friedensverhandlungen geregelt werden soll. Auch die US-Botschaft befindet sich in Tel Aviv.

Das Weglassen der Passage in dem am Dienstag verabschiedeten Manifest hatte herbe Kritik von den Republikanern und jüdischen Organisationen ausgelöst. Auch dass der Begriff "Gott" nirgends in dem Papier auftauchte, sorgte für Unmut. Nach US-Medienberichten hatte sich Obama persönlich für die Änderung stark gemacht. "Das Manifest wurde ergänzt, um die Einheitlichkeit mit den persönlichen Ansichten des Präsidenten zu erhalten", sagte die Parteivorsitzende Debbie Wasserman Schultz laut einer Mitteilung.

Mit Material von dpa

Das Programm des Parteitags der US-Demokraten
Das Programm des Parteitags der US-Demokraten
Der Parteitag der US-Demokraten in Charlotte im US-Staat North Carolina eröffnet am Dienstag und schließt mit der Rede von US-Präsident Barack Obama am Donnerstagabend.
Bereits am Montag, an dem in den USA der Labor Day gefeiert wird, startete das Rahmenprogramm mit Parteikonferenzen und einer Feier im Zentrum von Charlotte.
Dienstag: Am ersten Abend wird unter anderem First Lady Michelle Obama in der Time Warner Cable Arena zu den Delegierten sprechen. Als erster Hispanic bei einem Demokratischen Parteitag wird der Bürgermeister der texanischen Stadt San Antonio, Julian Castro, am selben Abend die Grundsatzrede halten. Die beiden sollen vor allem Frauen und die hispanische Bevölkerung ansprechen. Der ehemalige Präsident Jimmy Carter wird per Video zugeschaltet.
Mittwoch: Wichtigster Redner am Mittwoch ist Ex-Präsident Bill Clinton, der Barack Obama offiziell zum Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaftswahl am 6. November nominiert. Vor ihm tritt unter anderem auch Elizabeth Warren auf, die sich in Massachusetts für einen Sitz im US-Senat bewirbt.
Donnerstag: Vizepräsident Joe Biden und John Kerry, der Senator von Massachusetts ist, werden am Donnerstagabend zur Menge im Bank-of-America-Stadion sprechen, bevor Obama selbst das Podium betritt und gemeinsam mit Biden die Nominierung durch seine Partei annimmt.
Obama und Romney - die Kontrahenten in Zitaten
Zitate aus dem Wahlkampf der Kontrahenten Mitt Romney und Barack Obama:
Barack Obama: "Das ist das Gegenteil von Robin Hood – Romney Hood"! (am 6. August auf einer Kundgebung in Connecticut zu den Steuerplänen seines Gegners)
Obama: "Ich glaube, es wird eng, aber ich denke, wir werden gewinnen." (am 30. Juli auf einer Veranstaltung in New York) "Ich werde jeden Morgen aufwachen und hart für euch kämpfen." (am 25. Juli auf einer Kundgebung in New Orleans)
Obama: "Diese Regelung gilt ab sofort." (am 15. Juni zur Aussetzung der Abschiebung von illegalen jungen Latinos)
Obama: "Dem privaten Sektor geht es gut. (....) Wenn du erfolgreich bist, hat dir jemand dabei geholfen, hat in Straßen und Brücken investiert." (am 8. Juni auf einer Pressekonferenz zur Lage auf dem Arbeitsmarkt)
Obama: "Für mich ist es wichtig voranzugehen und zu bekräftigen, dass gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit zur Heirat haben sollten." (am 9. Mai in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC zur Homo-Ehe)
Obama: "Wir werden unsere Mission abschließen und den Krieg in Afghanistan beenden." (am 1. Mai bei einer Visite auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan)
Obama: "Wir haben beide Abschlüsse aus Harvard. Ich habe einen, er hat zwei, (...) was für ein Snob." (am 28. April vor der Presse über seinen Konkurrenten Romney)
Mitt Romney: "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert bleiben. (...) Ich schäme mich nicht für die Macht Amerikas." (am 24. Juli vor der US-Veteranenvereinigung VFW)
Romney: "Ich will alle Amerikaner repräsentieren, von jeder Rasse, Religion oder sexuellen Orientierung, von den Ärmsten bis zu den Reichsten und jedem dazwischen." (am 11. Juli vor Vertretern der schwarzamerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP)
Romney: "Unser geliebtes Land ist in Gefahr. Darum kandidiere ich als Präsident." (am 21. Juni vor der Latino-Vereinigung NALEO)
Romney: "Als euer Präsident werde ich vom ersten Tag an alles in meiner Macht Stehende tun, um die Tage von Niedergang und Enttäuschung zu beenden (... .) Ich werde Obamacare (die Gesundheitsreform Obamas) am Tag eins zurückdrehen." (am 7. Juni in St. Louis, Missouri)
Romney: "In diesem Land glauben wir, dass jedes Kind etwas beitragen kann. Egal, in welche Verhältnisse es geboren wurde (...) Zu viele Träume werden nie wahr, weil unser Bildungssystem scheitert." (am 23. Mai vor der US-Handelskammer)
Romney: "Es gibt keine größere Kraft zum Wohle der Nation als ein tätiges christliches Bewusstsein." (am 13. Mai in einer Grundsatzrede über traditionelle Werte)
Romney: "Meiner Ansicht nach ist die Ehe eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau." (Am 9. Mai zu Obamas Plädoyer für die Homo-Ehe)
Romney: "Zusammen werden wir am 6. November gewinnen." (am 24. April nach seinem Vorwahlsieg in New Hampshire)
Quelle: dpa
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