nach Überfall auf Rabbiner
Zentralrat: "Wir Juden lassen uns nicht einschüchtern"
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin hatte gesagt, er würde es nicht empfehlen, in jedem Stadtteil mit einer Kippa herumzulaufen.
Berlin. Nach dem brutalen Überfall auf einen Rabbiner in Berlin hat der Zentralrat der Juden in Deutschland dazu aufgerufen, die jüdische Religionszugehörigkeit nicht zu verstecken. "Ich lasse nicht zu, dass wir unser Judentum nur im Hinterzimmer ausleben dürfen", sagte Zentralrats-Präsident Dieter Graumann dem Berliner "Tagesspiegel" (Sonnabend). "Wir Juden in Deutschland werden uns jedenfalls ganz sicher nicht einschüchtern lassen."
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Gideon Joffe, hatte dagegen gesagt, er würde es Juden nicht empfehlen, in jedem Stadtteil Berlins mit einer Kippa herumzulaufen.
Der überfallene Rabbiner hatte diese traditionelle jüdische Kopfbedeckung am Dienstagabend getragen, als er im gutbürgerlichen Stadtteil Friedenau von vier – laut Polizei vermutlich arabischstämmigen – Jugendlichen zusammengeschlagen wurde. Er erlitt einen Jochbeinbruch. Seiner Tochter, die bei dem Überfall dabei war, drohten die Täter mit dem Tod.
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Als Zeichen der Solidarität mit dem Rabbiner wollten Politiker und Kulturschaffende am Sonnabend eine Kippa tragen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit forderte die Bürger auf, abends an der ersten Langen Nacht der Religionen teilzunehmen. "Das wäre ein Zeichen für den Rabbiner, so wie ich aus Solidarität mit ihm heute die Kippa trage", sagte der SPD-Politiker der Berliner Zeitung "B.Z." (Sonnabend).
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte der "Berliner Morgenpost" (Sonnabend), er wünsche sich, dass auch die islamischen Bürger Solidarität zeigten. Genel Merkez, Mitglied der Türkischen Gemeinde, will sich eigenen Worten zufolge mit den "jüdischen Menschen solidarisieren". Schauspieler Ulrich Matthes sagte, er trage Kippa, "weil der Angriff leider kein Einzelfall war".
Als Reaktion auf die Attacke wollten mehrere Organisationen am Sonntag (12.00 Uhr) mit einer Kundgebung ihre Solidarität bekunden. Zu der Aktion in Sichtweite des Tatortes in Friedenau war Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) als Rednerin angekündigt. Der Friedenauer SPD-Vorsitzende Serge Embacher sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Stadtteil gelte sonst als friedlich: "Das soll auch so bleiben." Embacher rechnet mit bis zu 200 Teilnehmern auf dem Grazer Platz.















