US-Wahl
Romneys Hoffnung: Paul Ryan soll Vizepräsident werden
Der 42-Jährige sei ein "Mensch großer Zuverlässigkeit, dessen Integrität unbestritten ist", sagte Romney bei der Vorstellung Ryans.
Washington. Auf einem Kriegsschiff hat der US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney den Konservativen Paul Ryan offiziell als seinen Kandidaten fürs Vizeamt vorgestellt. Der 42-Jährige sei ein "Mensch großer Zuverlässigkeit, dessen Integrität unbestritten ist", sagte Romney am Sonnabend bei einer Kundgebung auf dem Schiff in Norfolk (Bundesstaat Virginia).
+++ Obama und Romney langweilen die Amerikaner +++
Ryan habe feste Prinzipien, die er in die Praxis umsetzen könne. Er verstehe die finanziellen Herausforderungen des Landes und sei ein "intellektueller Führer der Partei". Gleichzeitig behandele er seine politischen Gegner mit Respekt, sagte Romney. Bei der Präsentation unterlief Romney ein peinlicher Fehler. Er stellte Ryan als den "nächsten Präsidenten der USA" vor. Später kam er zurück ans Mikrofon und korrigierte sich.
Ryan griff in seiner ersten Rede als Anwärter auf die Vizepräsidentschaft den demokratischen Präsidenten Barack Obama und dessen Vize Joe Biden an. "Wir brauchen eine neue Führung, um den Wohlstand, Wirtschaftswachstum und die Arbeitsplätze wiederherzustellen", sagte er. Er sei stolz, gemeinsam mit einem Mann anzutreten, der so viel Erfahrung aus der Wirtschaft mitbringe.
Ryan wird von einigen Parteimitgliedern als Mittler zwischen der eher traditionelleren Strömung der Grand Old Party sowie der zuweilen aufgeregt agierenden Tea-Party-Bewegung, die nie wirklich warm geworden ist mit Romney.
Zudem dürfte der 42-Jährige die Wahlchancen der Republikaner in Wisconsin erhöhen. Jenem Staat also, der vor vier Jahren noch an Barack Obama ging. Diesen November dürfte das zumindest schwieriger werden. Ryan gilt als Karrierist. Er hat eine Laufbahn hinter sich, von der unzählige junge Amerikaner träumen. In nur 20 Jahren vom Praktikanten im US-Kongress bis zum Sprungbrett für die politische Spitze des Staates aufzusteigen: Das gelingt den Allerwenigsten. Der Katholik irischer Abstammung aus Janesville im Bundesstaat Wisconsin könnte es schaffen. Nach dem Wirtschafts- und Politikstudium in Ohio, wo er einer Bruderschaft angehörte, hospitierte er in der Poststelle des Senators Robert Kasten. Der war von dem jungen Mann so beeindruckt, dass er ihn zu seinem Berater für Wirtschaftspolitik machte. Von da an ging es für Ryan steil bergauf - vielleicht bis ins Weiße Haus.
Er war Redenschreiber für den Vizepräsidentschaftskandidaten von 1996, Jack Kemp, und zog bei der Kongresswahl zwei Jahre später mit nur 28 Jahren in das US-Abgeordnetenhaus ein. Dort machte er sich bis heute als Vorsitzender des mächtigen Haushaltsausschusses einen Namen als eiserner Sparpolitiker, der das Steuersystem und die Sozialkassen der überschuldeten USA für die Zukunft fit machen will.
Für die Demokraten sind Ryens radikale Pläne ein rotes Tuch. Präsident Barack Obama – der sich auch schon Wortgefechte mit Ryan lieferte – bezeichnet den 2011 vorgestellten Haushaltsentwurf des Republikaners als "Sozialdarwinismus". Der 42-Jährige ist seit rund zwölf Jahren verheiratet und hat drei Kinder, die Tochter Elizabeth Anne und die Söhne Charles Wilson und Samual Lowery. Er gilt als außerordentlich sportlich und verbringt nach eigenen Angaben seine Freizeit am liebsten in der Natur. Ryan ist ein leidenschaftlicher Jäger und Angler. Passenderweise hat er seiner Frau den Hochzeitsantrag während eines Angelausflugs an einen See im Norden Wisconsins gemacht. Freunde bezeichnen ihn als fröhlich und sympathisch, aber auch als sehr beharrlich.
Mit Material von dpa und dapd















