18.04.12Afghanistan
Fotos zeigen: US-Soldaten posierten mit Leichenteilen
Erneut gibt es Kritik an US-Streitkräften. Bereits 2010 sollen Soldaten mit Leichenteilen afghanischer Extremisten posiert haben, wie Fotos zeigen.
Von abendblatt.de
Foto: dpa/DPA
US-Soldaten und afghanische Polizisten in Turghundi, Afghanistan (Symbolbild)
Washington.
Neue Skandalfotos aus Afghanistan haben die US-Streitkräfte erneut in Erklärungsnot gebracht. Die in der Zeitung "
Los Angeles Times
" veröffentlichten Bilder zeigen Soldaten, die offenbar vor den Leichen afghanischer Extremisten posieren. Die Streitkräfte bezeichneten die Aufnahmen am Mittwoch als abstoßend. Sie würden den Dienst von hunderttausenden Amerikanern bei dem Einsatz in Afghanistan in Misskredit bringen, hieß es aus Militärkreisen.
Nach Angaben der "Los Angeles Times" stammen die Bilder von zwei Einsätzen der abgebildeten US-Soldaten im Jahr 2010. In einem Fall sollen die Soldaten und afghanische Polizisten mit den abgetrennten Beinen eines Selbstmordattentäters posieren.
Wenige Monate später wurde die Einheit dem Bericht zufolge entsandt, um die sterblichen Überreste von drei mutmaßlichen Aufständischen zu untersuchen, die sich offenbar versehentlich selbst in die Luft gesprengt hatten. Auch in diesem Fall hätten die Soldaten sich mit Leichenteilen fotografieren lassen, berichtete die Zeitung.
Bereits vor der Veröffentlichung der Fotos im Internet erklärte Pentagon-Sprecher George Little, US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteile das Verhalten der Soldaten. "Jeder, der für dieses unmenschliche Verhalten verantwortlich ist, wird entsprechend des Rechtssystems der Streitkräfte zur Verantwortung gezogen", kündigte Little an.
Das Verhalten einzelner US-Soldaten löst in Afghanistan immer wieder Skandale aus und hat das öffentliche Bild der Streitkräfte nachhaltig beschädigt. Im vergangenen Januar war bekannt geworden, dass Marineinfanteristen auf die Leichen von Afghanen uriniert und den Vorfall gefilmt hatten. Im Februar löste die Verbrennung von Koranen mehrtägige Ausschreitungen aus. Im März soll ein US-Soldat während eines Amoklaufs 17 Zivilpersonen getötet haben. (abendblatt.de/dapd)
"Natürlich ist das eine Bereitstellung, die zu einem Einsatz führen kann, vermutlich führen wird.(...) Bereitstellung ist Bereitstellung." (Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am 6. November 2001 zu seinen Plänen für einen möglichen Einsatz der Bundeswehr im Afghanistan-Konflikt)
"Der Militäreinsatz war die Bedingung für die Rückkehr eines ganzen Volkes in das zivile Leben." (Schröder am 11. April 2002 zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan)
"Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt", (Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), 5.Dezember 2002, Berlin)
"Es handelt sich um einen Stabilisierungseinsatz, zugegeben um einen recht robusten Stabilisierungseinsatz, der Kampfhandlungen miteinschließt." (Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Christian Dienst, am 4. September 2009)
Wir sind in unser Engagement in Afghanistan nicht kopflos hinein gestolpert, deswegen dürfen wir auch jetzt nicht kopflos hinaus stolpern. Das ist nicht zu verantworten." (Frank Walter Steinmeier (SPD) 8. September 2009)
"Es wäre aber nicht gut, Afghanistan zu einem Hauptthema im Wahlkampf zu machen. Auf dem Rücken der Soldaten sollte kein Wahlkampf gemacht werden." (SPD-Fraktionschef Struck am 8. September 2009)
"Ich selbst verstehe jeden Soldaten, der sagt: In Afghanistan ist Krieg, egal, ob ich nun von ausländischen Streitkräften oder von Taliban-Terroristen angegriffen, verwundet oder getötet werde." (Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am 3. November 2009)
"Auch wenn es nicht jedem gefällt, so kann man angesichts dessen, was sich in Afghanistan, in Teilen Afghanistans abspielt, durchaus umgangssprachlich – ich betone umgangssprachlich – in Afghanistan von Krieg reden". (Guttenberg am 4. April 2010)
"Krieg ist traditionell eine militärische Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr Staaten mit der Absicht der Eroberung oder Unterdrückung. Das ist in Afghanistan erkennbar nicht der Fall." (Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am 18. April 2010)
"Ich habe für die Bundesregierung im Deutschen Bundestag erklärt, dass es sich um einen bewaffneten Konflikt handelt. Das mag manchem nicht gefallen haben, aber so gefährlich ist die Lage. Etwas Gefährlicheres gibt es im Völkerrecht nicht." (Westerwelle am 18. April 2010)
"Wenn man sich mit der Realität unserer Soldaten befasst, ist das eben in der Region Kundus so, dass sie in wirklichen Gefechten stehen - so wie Soldaten das in einem Krieg tun. (...) Ich finde, das sollte man beim Namen nennen." (Kanzlerin Angela Merkel in Masar-i-Scharif, 18.Dezember 2010)
"Wenn wir die Sicherheit allmählich in afghanische Hände übergeben wollen, dann geht es nur so, dass wir es mit den Afghanen zusammen tun." (Verteidigungsminister Thomas de Maizière am 29. Mai 2011)
Die schwersten Angriffe auf die Bundeswehr in Afghanistan:
Beim Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan sind bisher insgesamt 44 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. 26 von ihnen wurden bei folgenden Anschlägen und Gefechten getötet:
15. April 2010: Bei einem Raketen-Angriff in der nordafghanischen Provinz Baghlan sterben vier deutsche Soldaten. Fünf werden verletzt.
2. April 2010: Bei schweren Gefechten im Unruhedistrikt Char Darah südwestlich von Kundus-Stadt kommen drei Bundeswehrsoldaten ums Leben. Acht weitere Deutsche werden bei den stundenlangen Kämpfen schwer verletzt.
23. Juni 2009: Nach einem Feuergefecht in der Region Kundus sterben drei Bundeswehrsoldaten. Sie kippten bei einem Ausweichmanöver mit ihrem Transportpanzer vom Typ "Fuchs" um und blieben in einem Graben liegen.
29. April 2009: In der Nähe der Stadt Kundus gerät eine Patrouille der Bundeswehr in einen Hinterhalt. Ein deutscher Soldat stirbt, vier weitere werden verletzt. Wenige Stunden zuvor waren bei einem Attentat in der Nähe des deutschen Feldlagers Kundus fünf deutsche Soldaten leicht verletzt worden.
20. Oktober 2008: Zwei deutsche Soldaten sterben bei einem Selbstmordanschlag nahe der Stadt Kundus. Die Taliban bekennen sich zu dem Anschlag.
27. August 2008: Eine Patrouille der Bundeswehr gerät in der Nähe von Kundus in eine Sprengfalle. Ein Soldat erliegt seinen Verletzungen, drei weitere werden verletzt.
6. August 2008:Bei einem Selbstmordanschlag nahe Kundus werden drei Soldaten verletzt, zwei davon schwer. Einer von ihnen stirbt Anfang Oktober 2009 an den Spätfolgen.
19. Mai 2007: Bei einem Selbstmordanschlag eines Taliban- Terroristen auf einem Markt in Kundus werden drei Soldaten einer Fußpatrouille getötet, zwei weitere verletzt.
14. November 2005: In Kabul reißt ein Selbstmordattentäter einen Bundeswehrsoldaten mit in den Tod, zwei weitere werden verletzt. Zu dem Anschlag bekennen sich die radikal-islamischen Taliban.
7. Juni 2003: In Kabul werden bei einem Selbstmordattentat vier Bundeswehrsoldaten getötet und 29 verletzt. Ein mit 150 Kilogramm Sprengstoff beladenes Taxi explodierte neben einem Bundeswehrbus.
29. Mai 2003: Ein Geländewagen fährt in der Nähe des deutschen ISAF-Camps in Kabul auf eine Mine. Ein deutscher Soldat stirbt.