Abwertung durch "Standard & Poor's"
Auch Euro-Rettungsschirm verliert Top-Ranking AAA
Nur noch "AA+" statt "AAA" für den Euro-Rettungsschirm: Die Ratingagentur "Standard & Poor's" hat dem Fonds die Bestnote entzogen.
Die Rating-Agentur "Standard & Poor's" hat den Euro-Rettungsfonds abgestuft. Dieser hat nun nur noch ein "AA+"-Rating, und keinen "AAA"-Status mehr
Foto: picture-alliance
Luxemburg/Berlin/Brüssel. Es ist tatsächlich passiert - der Euro-Rettungsschirm ist angeschlagen. Nach mehreren Euro-Ländern hat die Rating-Agentur "Standard & Poor's" auch für den Fonds, der zur Entschuldung beitragen soll, den Daumen gesenkt und ihm das Top-Ranking genommen. Von nun an heißt es "AA+" statt "AAA" für den Rettungsschirm.
Das ist ein weiterer Rückschlag für die Eurozone im Kampf gegen die Schuldenkrise. Denn die Aufnahme von Krediten, mit denen der Fonds Hilfsprogramme für Wackelkandidaten finanziert, könnte nun erheblich teurer werden und die bisherige Rettungsstrategie torpedieren.
Der bittere Schritt war erwartet worden, nachdem die bisherigen AAA-Staaten Frankreich und Österreich ihre Spitzenbonität verloren hatten. Denn die Ausleihsumme des Fonds, die durch AAA-Garantien abgesichert ist, könnte durch den Ausfall von Paris und Wien von 440 auf 270 Milliarden Euro schrumpfen. Allerdings werden beide Länder - und auch der EFSF selbst – von den zwei anderen großen Ratingagenturen Moody's und Fitch nach wie vor mit AAA bewertet. Deswegen dürfen die meisten Großanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds auch weiter EFSF-Anleihen zeichnen.
Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker und EFSF-Chef Klaus Regling erklärten am Montagabend einstimmig, „die Ausleihsumme wird durch die S&P-Entscheidung nicht reduziert“. Der Fonds habe ausreichende Mittel für seine laufenden Programme für Irland und Portugal (gut 40 Milliarden Euro) sowie für ein geplantes zweites Rettungsprogramm für Griechenland (insgesamt 130 Milliarden Euro). Analysten warnen aber schon, dass auch Moody's und Fitch den Daumen senken könnten. Und spätestens dann würden die Mittel des Schirms zu knapp, sollten auch die Pleitekandidaten Italien und Spanien an den Eurotropf gelegt werden müssen.
Zur Vorbereitung darauf wird der permanente Rettungsfonds ESM zwar auf Juli vorgezogen, wie Juncker am Montag betonte. Und der ESM ist wegen seines eigenen Kapitalstock von mindestens 80 Milliarden Euro nicht mehr so abhängig von der Bonität seiner Mitgliedsstaaten. Doch bis zum Aufspannen des neuen Schirms dauert es noch ein halbes Jahr – es bleibt also ein Wettlauf mit der Zeit. Im März wird der EU-Gipfel deswegen prüfen, ob die Ausleihsumme der beiden Fonds nicht aufgestockt werden müssen – was für Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen des Widerstands im Bundestag eine Herkulesaufgabe wäre.
S&P lies noch eine weitere Tür geöffnet: Der EFSF könne die Top-Bonität zurückbekommen, wenn er seine Anleihen künftig besser absichere, hieß es aus London. Dazu müssten Barreserven aufgewendet werden. Diesen Schritt müssten die Euro-Finanzminister beschließen, die sich am Montag kommender Woche zum ersten Mal nach der Weihnachtspause wieder treffen. Den Ausfall Frankreichs, das alleine für 160 Milliarden Euro bürgt, würde durch sogenannte Kredit-Puffer aber nicht aufgefangen werden können.
EZB-Chef Mario Draghi sagte am Abend, Politik und Investoren müssten sich unabhängiger von den Ratingagenturen machen. „Wir müssen uns fragen, wie wichtig diese Bewertungen für den Markt, für Regulatoren und Anleger sind“, sagte er vor einem EU-Parlamentsausschuss in Brüssel. Seine Botschaft ist zum Teil schon angekommen: Auf die Herabstufung Frankreichs, Österreichs und sieben weiterer Eurostaaten in der Nacht zum Samstag reagierten die Märkte am Montag kaum. Frankreich gelang es sogar, mehrere Milliarden Euro zu günstigeren Zinsen als vor der Herabstufung aufzunehmen.





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