Politik
Bundestag
Merkel hat Kanzlermehrheit bei Euro-Rettung
29.09.2011, 10:10
Uhr
29.09.2011, 10:10
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ryb/abendblatt.de
Nach einer emotionalen Debatte stimmten 523 Abgeordnete dafür. Angela Merkels Bundesregierung ist gestärkt. Live-Ticker von abendblatt.de.
Kanzlerin Angela Merkel bei der Abstimmung
Foto: dapd/DAPD
Berlin.
Es war die vermutlich wichtigste Entscheidung in der Kanzlerschaft von Angela
Merkel (CDU). Der Bundestag hat die erweiterten Euro-Hilfen und den
Rettungsfonds EFSF beschlossen. Und: Die Kanzlermehrheit stand trotz der
Abweichler. Verfolgen Sie hier im Live-Ticker bei abendblatt.de die
historische Debatte und die Abstimmung.
13.17 Uhr: Das sind einzelnen Ergebnisse:
CDU/CSU: Zehn Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Nicht zugestimmt haben
die Abgeordneten Wolfgang Bosbach, Thomas Dörflinger, Herbert Frankenhauser,
Alexander Funk, Peter Gauweiler, Josef Göppel, Manfred Kolbe, Carsten
Linnemann, Thomas Silberhorn und Klaus-Peter Willsch. Enthalten hat sich
Veronika Bellmann.
FDP: Drei Nein-Stimmen kamen von Jens Ackermann, Frank Schäffler und
Torsten Staffeldt. Sylvia Canel enthielt sich.
SPD: Nur Wolfgang Gunkel stimmte gegen das Gesetz, Ottmar Schreiner
enthielt sich.
Grüne: Hier stimmte allein Hans-Christian Ströbele mit Nein.
Linke: Die Links-Fraktion stimmte komplett mit Nein.
12.36 Uhr: 315 Stimmen sollen aus der schwarz-gelben Koalition gekommen sein.
Das heißt: Die Kanzlermehrheit stand. Allerdings ist die Zahl
der Abweichler auch hoch.
12.32 Uhr: Die Zahlen über das Abstimmungsverhalten der einzelnen
Abgeordneten werden erst später veröffentlicht. Noch ist nicht klar, ob
Angela Merkel tatsächlich die Kanzlermehrheit aus den eigenen
Reihen hatte. Die Zahl der Abweichler von Union und FDP ist noch ungewiss.
12.12 Uhr: Der Bundestag hat die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF
mit großer Mehrheit gebilligt. Für die Stärkung stimmten 523
Abgeordnete. 85 Parlamentarier waren dagegen, 3 enthielten sich. 611 von 620
Stimmen wurden abgegeben.
11.52 Uhr: Die Aussprache ist nach fast drei Stunden beendet, die
Abstimmung beginnt.
11.20 Uhr: Der Abweichler spricht: Der CDU-Bundestagsabgeordnete
Klaus-Peter Willsch hat vor dauerhaften Schäden für Europa gewarnt. Denn
immer mehr Bürger würden sich von der Europäischen Union abwenden, wenn wie
geplant immer mehr Geld verbraucht werde, wie Willsch sagte. „Wir leihen das
Geld von unseren Kindern und Enkeln – wir haben es nicht“, sagte er. „Ich
halte es für einen ökonomisch grundfalschen Weg, der gegen meine
Überzeugungen geht.“
11.03 Uhr: Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte: „Die
Menschen haben das Vertrauen verloren, dass Europa ihnen guttut.“ Rösler
wurde beinahe niedergebrüllt. Die Zahl der Zwischenrufer war
groß. „Wir wollen eine echte Stabilitäts-Union.“ Rösler hatte Mühe, sich
Gehör zu verschaffen. Rösler hatte sich als Euro-Skeptiker gezeigt, als er
von einer geordneten Insolvenz Griechenlands sprach. Hubertus Heil (SPD)
warf Rösler anti-europäischen Populismus vor. Rösler rede mit gespaltener
Zunge. Rösler verteidigte sich. Er sagte, die Menschen erwarteten, dass die
Schulden nicht vergemeinschaftet werden. Die SPD habe sich im Europäischen
Parlament gegen die europäische Vernunft gewandt.
10.39 Uhr: Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erinnerte an die
Bürger, die sich fragten, ob die Politik die Euro-Rettung tatsächlich
meistern könnte. Er ging den SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider direkt
an. Schneider habe erstgesagt, Schäubles Anwesenheit im Haushaltsausschuss
sei nicht erforderlich. Später habe er öffentlich das Gegenteil behauptet.
Schäuble verteidigte die Offenheit, mit der er den Rettungsfonds behandelt
habe. Auch die Bundesregierung wolle besser regulierte Märkte. Das sei auch
eine Frage der Demokratie. Die Bürger fragten sich, ob die Politik noch die
Oberhand habe oder die Finanzmärkte.
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10.21 Uhr: Grünen-Fraktionschef Jürgen
Trittin sagte an Gysi gewandt, die Linken seien doch anti-europäisch. Es
gehe um die richtigen Instrumente, um Spekulationen gegen den Euro zu
verhindern. Diese Spekulationen richteten sich gegen ganz Europa. Es gab
immer wieder Zwischenrufe, Trittin musste gegen die Lautstärke beinahe
anbellen. „Noch nie in der Geschichte der EU war Deutschland so isoliert wie
heute“, warf er der Bundesregierung vor. Die Bundesregierung habe sich gegen
einen europäischen Währungsfonds ausgesprochen. Jetzt habe man einen
Mechanismus, der Stabilität biete. Trittin attackierte Brüderle und Merkel,
die in der Talkshow von Günther Jauch von kleinen Schritten gesprochen habe.
Die Krise sei für Merkel zu groß.
10.15 Uhr: Linken-Fraktionschef Gregor Gysi appelliert an Merkel:
„Geben Sie eine Garantieerklärung für die Bürger ab.“ Die einfachen Leute
sollten besser geschützt werden als die Banken und Finanzunternehmen. Was
die Abstimmung über den Rettungsfonds betrifft, machte Gysi klar: „Unser
Nein ist sicher.“
9.52 Uhr: FDP-Fraktionschef Rainer Brüdele sagte: „Wenn das Geld
schlecht wird, wird alles schlecht.“ Der EFSF sei ein wichtiger dauerhafter
Mechanismus. Die SPD habe sich bei den wichtigen Entscheidungen immer „vom
Acker gemacht“. Die Geburtsfehler des Euro gelte es jetzt zu überwinden.
Brüderle teilte heftig gegen die SPD aus. Und gegen die Grünen. „Herr
Trittin, Sie haben Deutschland das Dosenpfand beschert. Sie möchten
Finanzminister werden. Wir werden verhindern, dass Sie Europa eine
Blechwährung bescheren werden.“
9.38 Uhr: Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte: „Nach dem
chinesischen Kalender sind wir im Jahr des Hasen.“ Und so hasenfüßig
sei auch die Bundesregierung. Steinbrück sprach sich für eine größere
Regulierung der Finanzmärkte aus.
8.16 Uhr: CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat die
Abgeordneten der schwarz-gelben Regierungsfraktionen zur Geschlossenheit
aufgerufen. „Union und FDP sind es als klare „Pro-Europa-Parteien“ ihrer
staatspolitischen Verantwortung schuldig, diese Aufgabe gemeinsam zu
schultern“, sagte Gröhe im Reuters-Interview. „Ich möchte nicht, dass wir
angewiesen sind auf eine Opposition, die sich in europapolitischen Fragen
schon häufiger als äußerst wankelmütig erwiesen hat.“
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Schlagabtausch über Euro-Rettung
8.02 Uhr: Der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler hofft
auf eine kontroverse Bundestagsdebatte über die Erweiterung des
Euro-Rettungsschirms EFSF. Die Diskussion solle den Bürgern demonstrieren,
dass sich das Parlament „die Frage nicht zu einfach macht“, sondern um die
richtige Euro-Politik „kontrovers ringt“, sagte Schäffler der
Nachrichtenagentur dapd. Der FDP-Politiker erklärte, auch „kritische
Stimmen“ müssten im Bundestag zu Wort kommen. Er habe bei Bundestagspräsident
Norbert Lammert (CDU) Redezeit in der Debatte beantragt, da seine
Fraktion andere Abgeordnete bestimmt hat, um zum Rettungsschirm zu sprechen.
Die Diskussion über den „richtigen Weg“ dürfe nicht nur vor den Türen des
Parlaments ablaufen, sondern müsse auch im Bundestag geführt werden.
7.39 Uhr: Beim Festempfang zum 70. Geburtstag des früheren bayerischen
Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) in München gab es ein
etwas missglücktes Bekenntnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
zu ihrem schwarz-gelben Regierungsbündnis. Merkel reichte Außenminister Guido
Westerwelle (FDP) am Mittwochabend anlässlich eines Ehrensaluts der
Gebirgsschützenkompanie Wolfratshausen ihren Schnapsbecher und sagte: „Auf
die Koalition!“ Westerwelle strahlte, trank aus dem Becher der CDU-Chefin –
und monierte: „Da war ja fast nichts mehr drin.“ Parallelen zum Absinken der
FDP in der Wählergunst seit dem Start der Berliner Koalition zog er
allerdings nicht.
7.12 Uhr: Die SPD-Fraktion will die von der Bundesregierung geplante Änderung
des Wahlrechts vor dem Bundesverfassungsgericht kippen. „Gegen das
Gesetz, dass FDP und CDU heute verabschieden wollen, werden wir vor dem
Bundesverfassungsgericht klagen“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer
der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, im Deutschlandfunk. Dieses
Gesetz komme zu spät, es sei „handwerklich schlecht gemacht und es löste die
Probleme nicht“. Weder löse das Gesetz das Problem des negativen
Stimmengewichts, noch gebe es eine Lösung für das Problem der
Überhangmandate, kritisierte Oppermann.