08.06.11

Libyen

Nato-Luftangriffe bereiten Rebellenangriff auf Tripolis vor

Muammar al-Gaddafi tönt: "Ich bleibe – tot oder lebendig." Seine Kinder sollen bereits ins Ausland geflohen sein. Die Rebellen befreien Gefangene.

Foto: REUTERS
Rebellen in Misrata

Tripolis/Brüssel. Nach den bisher schwersten Luftangriffen der Nato auf Ziele in Tripolis beraten die Verteidigungsminister des Bündnisses über eine weitere Verstärkung des Libyen-Einsatzes. In der Nacht wurden fünf Kommandozentralen getroffen, von denen aus Angriffe der Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi auf Zivilisten gelenkt worden seien, teilte die Nato mit. Auch seien ein Fahrzeugdepot, zwei Luftabwehrgeschütze und eine Radaranlage zerstört worden. Die libyschen Rebellen sehen die massiven Nato-Luftangriffe als Vorbereitung für ihren Einmarsch in Tripolis. Machthaber Gaddafi gibt sich weiterhin trotzig. "Ich bleibe in Tripolis – tot oder lebendig", ließ er in einer Audiobotschaft über das Staatsfernsehen verbreiten. "Wir haben keine Angst, und wir sind stärker als eure Raketen und eure Artillerie." Die Regierung in Tripolis sprach von 30 Toten bei insgesamt 60 Angriffen am Dienstag.

Ein Sprecher der Aufständischen, Guma al-Gamaty, erklärte via Twitter: "Die Zerstörung der Mauern und Tore von Bab al-Asisija bedeutet, dass sich Gaddafi eine blutige Nase geholt hat. Den K.-o.-Schlag werden ihm schon sehr bald die Libyer selbst versetzen." Im Stützpunkt Bab al-Asisija, der bereits mehrfach Ziel der Nato-Angriffe war, befindet sich das Anwesen Gaddafis.

Nato-Diplomaten bestätigten, dass in den vergangenen Tagen die Angriffe auf Ziele in Tripolis verstärkt worden seien. Seit Beginn des Nato-Einsatzes am 31. März wurden knapp 10.200 Einsätze geflogen, davon 3860 Kampfeinsätze. Bisher nehmen 14 der 28 Nato-Staaten an dem seit zwei Monaten dauernden Einsatz teil. Nur 9 der 14 beteiligen sich aktiv an Kampfeinsätzen.

Der Staatssekretär im deutschen Verteidigungsministerium, Christian Schmidt, sagte, Deutschland werde sich auch weiterhin nicht an dem Militäreinsatz beteiligen. Er bestätigte, dass vor allem Frankreich, Großbritannien und auch Italien, die bisher die Hauptlast des Einsatzes trugen, um Entlastung gebeten haben. Auf die Frage, ob sich Deutschland an den Kosten des Einsatzes beteiligen werde, sagte er: "Es ist zu früh über diese Dinge im Einzelnen zu reden."

In den Medien der Aufständischen hieß es unterdessen, in der Stadt Jafren südwestlich von Tripolis hätten ihre Kämpfer zahlreiche Waffen der Gaddafi-Truppen erbeutet, die sie für die Schlacht um die Hauptstadt nutzen wollten. Sie rechneten in vier Stadtvierteln von Tripolis mit Unterstützung durch Anhänger der Revolution. Bislang konnten sich die Rebellen nach eigenen Angaben der Hauptstadt auf bis zu 80 Kilometer nähern.

In Tripolis konnten sie nach eigenen Angaben den Oppositionellen Abdurrahman al-Suwaihili befreien, der Anfang März festgenommen worden war. Al-Suwaihili, der dem Regime wegen kritischer Äußerungen in mehreren Fernsehinterviews negativ aufgefallen war, sagte dem Nachrichtensender al-Dschasira die Befreiungsaktion in Tripolis sei sehr professionell abgelaufen. Außer ihm seien auch seine drei Söhne und mehrere andere Gefangene befreit worden. Sie seien nicht in einem geheimen Gefängnis festgehalten worden.

Die Aufständischen behaupteten zudem, mehrere Kinder des Machthabers Gaddafi hätten inzwischen das Land verlassen. Al-Saadi, der einst in Italien als Fußballer angeheuert hatte, sei ausgereist. Gaddafis Tochter Aischa halte sich mit ihrer Familie in einem Hotel in Marokko auf.

Deutschland will nach Ende des Kriegs in Libyen Polizisten für das nordafrikanische Land ausbilden. "Das ist eine der Optionen, die wir konkret prüfen", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke. Am Abend zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington den USA Unterstützung beim Aufbau staatlicher Institutionen in Libyen zugesagt, etwa beim Aufbau der Polizei in Bengasi. Peschke sagte, Deutschland sehe den Nationalen Übergangsrat in Bengasi als einen legitimen Ansprechpartner für die Belange des libyschen Volkes an. Deshalb seien die Beziehungen zu dem Rat intensiviert und in Bengasi ein Verbindungsbüro eröffnet worden. (dpa/dapd)


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