15.02.11

Warnung

Weiter Terrorgefahr durch Islamisten in Deutschland

Staatssekretär Schröder spricht von 110 Gefährdern. Tunesien-Flüchtlinge sollen nicht auf EU-Staaten aufgeteilt werden.

Foto: dpa
Islamist Abu Askar.
Das Internetvideo zeigt den Islamisten Abu Askar.

Berlin. Das Bundesinnenministerium warnt davor, die Gefahr des islamistischen Terrorismus in Deutschland zu unterschätzen. Es gebe Informationen, dass "220 Besucher von Terrorcamps aus Deutschland kommen oder einen starken Deutschlandbezug haben", sagte der Parlamentarische Innen-Staatssekretär Ole Schröder (CDU) beim Europäischen Polizeikongress in Berlin. Von diesen Personen leben laut Schröder 110 Personen in Deutschland. Zu 70 von ihnen existierten konkrete Hinweise, die für eine absolvierte paramilitärische Ausbildung sprechen.

Der Staatssekretär sagte, ohne einen Generalverdacht auszusprechen müsse man sagen, dass es sich beim islamistischen Terrorismus um "ein mit Migration verbundenes Problem" handle. Schröder hat sich außerdem gegen die Aufteilung von Flüchtlingen aus südlichen EU-Ländern auf andere Mitgliedstaaten ausgesprochen . Vielmehr müsse man dafür sorgen, dass die Flüchtlinge in ihren Heimatländern Perspektiven bekämen, sagte Schröder. Angesichts der Flüchtlingswelle aus Tunesien hatten Politiker von SPD und Grünen dafür plädiert, afrikanische Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen.

Schröder sagte, man könne nicht davon sprechen, dass nur die südlichen EU-Länder besonders stark von Flüchtlingsströmen betroffen seien. Im vergangenen Jahr habe Belgien dreimal mehr Asylbewerber aufgenommen als Italien und zehnmal mehr als Spanien. Schweden habe mit rund 30.000 Asylbewerbern fünfmal so viele Menschen aufgenommen wie Italien. Deutschland gab rund 48.000 Asylbewerbern eine Chance.

Tausende Tunesier sind in den vergangenen Tagen auf die kleine italienische Insel Lampedusa geflüchtet. Die Flüchtlingslager sind so überfüllt, dass der humanitäre Notstand ausgerufen wurde. Schröder sprach sich dafür aus, die Schleuserkriminalität in Tunesien zu bekämpfen. Zudem müssten die Menschen in Tunesien demokratische Mitspracherechte und wirtschaftspolitische Perspektiven bekommen.

Bei einer Aufteilung von Flüchtlingen auf EU-Mitgliedsstaaten entstehe die Frage, nach welchen Kriterien dies geschehen solle, sagte Schröder: Nach Einwohnerzahl, Wirtschaftskraft – oder nach früheren Aufnahmezahlen? "Dann hätte Deutschland keine Veranlassung, Flüchtlinge aus anderen Ländern aufzunehmen", sagte Schröder. "Das alles zeigt, dass ein solcher Mechanismus keinen Sinn macht."

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex bereitet sich wegen der Flüchtlingsströme aus Tunesien jetzt auf einen Einsatz an der italienischen Südgrenze vor. "Die Planungen für Aktionen laufen", sagte Frontex-Chef Ilkka Laitinen beim Europäischen Polizeikongress. Zunächst aber seien die italienischen Behörden sowie Tunesien gefordert. Frontex stellt vor allem Hubschrauber und Boote, aber auch mobile Radaranlagen und Wärmebildkameras zur Verfügung. Ende vergangenen Jahres kam es zudem erstmals zum Einsatz des sogenannten "Rapid Border Intervention Teams" (Rabit). Aufgrund dieses 2007 unter deutscher Ratspräsidentschaft geschaffenen Frontex-Instruments hatten die EU-Mitgliedstaaten einen Pool von knapp 700 Grenzschutzbeamten geschaffen, den sie im Bedarfsfall zur Verfügung stellten.

Urteile gegen Islamisten in Deutschland
Urteile gegen Islamisten in Deutschland
Oktober 2009:Ein Deutsch-Afghane muss wegen Unterstützung der terroristischen Islamischen Dschihad-Union für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Sein türkischer Komplize soll nach dem Urteil des Oberlandesgerichts in Frankfurt ein Jahr und zwei Monate absitzen. Beide halfen den Ausbildern der "Sauerland-Gruppe" mit Geld und Ausrüstung.
Juli 2009: Ein Terrorhelfer der islamistischen al-Qaida wird zu acht Jahren Haft verurteilt. Aus Sicht des Koblenzer Oberlandesgerichts hat der Deutsche pakistanischer Herkunft Geld und Material beschafft sowie potenzielle Kämpfer angeworben. Das Urteil wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung sowie Verstößen gegen das Außenwirtschaftsgesetz und ein EU-Embargo ist noch nicht rechtskräftig.
Dezember 2008: Der "Kofferbomber von Köln" muss als treibende Kraft der gescheiterten Terroranschläge auf deutsche Reisezüge nach einem Urteil des Düsseldorfer Oberlandesgerichts lebenslang hinter Gitter.
September 2008: Ein in Schweden festgenommener Marokkaner wird vom Oberlandesgericht in Schleswig wegen Unterstützung von al-Qaida und Beihilfe zur Gründung einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu vier Jahren Haft verurteilt. Er hatte islamistische Kämpfer für den Einsatz im Irak rekrutiert.
Juli 2008: Wegen eines geplanten Anschlags auf den früheren irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi werden drei Männer zu zehn, acht und siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Oberlandesgericht Stuttgart sieht es als erwiesen an, dass die drei Iraker Mitglieder der radikal-islamischen Terrorvereinigung Ansar al-Islam (Helfer des Islam) waren und versuchten, Allawi bei dessen Deutschlandbesuch 2004 zu ermorden.
Juni 2008: Für die Verbreitung von Gewaltaufrufen der Terrorgruppe El Kaida im Internet muss erstmals in Deutschland ein Mann ins Gefängnis. Das Oberlandesgericht Celle verurteilt den Iraker kurdischer Abstammung zu drei Jahren Haft.
Januar 2007: Das Hamburger Oberlandesgericht verurteilt den Helfer der Todespiloten des 11. September 2001, Mounir El Motassadeq, zu 15 Jahren Gefängnis. Der Marokkaner hatte Beihilfe zum Mord in 246 Fällen geleistet und war Mitglied in einer Terrorvereinigung.
Januar 2006: Im bundesweit ersten Prozess wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorgruppe verurteilt das Oberlandesgericht München einen irakischen Kurden zu sieben Jahren Haft. Er soll Mitglied der irakischen Ansar al-Islam gewesen sein.
Quelle: dpa
(dapd/dpa)
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