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Politik

Weihnachten 2009

Kirchen mahnen zu Zusammenhalt in der Wirtschaftskrise

Die Banken- und Wirtschaftskrise hat nach Ansicht der Kirchen in Deutschland zu größerer Nachdenklichkeit und einem Stimmungswandel geführt.

Zahlreiche Menschen nahmen am Heiligabend im Hamburger Michel am Weihnachtsgottesdienst teil.
Foto: dpa/DPA

Hamburg. In zahlreichen Interviews habe katholische und evangelische Bischöfe an Heiligabend zu mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft aufgerufen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, bezeichnete Weihnachten als Ansporn zum Einsatz für andere und die Gesellschaft. „Weihnachten sprengt das kleinliche Aufrechnen und fördert die Tugend der Großzügigkeit“, schreibt der Freiburger Erzbischof in der Tageszeitung „Die Welt“. Das Fest der Liebe Gottes zu den Menschen ermuntere aber auch zu „einer Politik aus dem Geist der Menschenachtung bis hinein in die globalen Verantwortungszusammenhänge“, betonte er unter Verweis auf die Klima- und Umweltproblematik.

In einem Gastbeitrag für die „Mittelbadische Presse“ betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, gerade die Wirtschaftskrise lasse neu darüber nachdenken, was im Leben wirklich wichtig sei. Kleine Gesten der Menschenfreundlichkeit und Güte, etwa in Partnerschaft, Familie oder am Arbeitsplatz, könnten in die Gesellschaft hineinstrahlen, so Zollitsch.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, sagte im NDR, durch die Wirtschaftskrise habe die „Weiter-so-Mentalität“ einen Kratzer erhalten. Viele Menschen dächten mittlerweile darüber nach, ob es nicht auch eine Ethik des „Genug“ gebe.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann schreibt in der „Rheinischen Post“, Weihnachten sei kein rührseliges Fest. Gott streife die Welt „nicht wie ein leuchtender Komet, der wieder im All verschwindet, sondern er wird wirklich Mensch, einer von uns“. Jesus bekomme die volle Realität der Welt zu spüren. „Hinter der Krippe wird schon das Kreuz sichtbar.“

Auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann erklärte, Weihnachten stehe nicht für eine naiv-heile Welt, sondern für die Hoffnung auf eine geheilte Welt. Krippen seien Gegenbilder zur Alltagswelt, die schon wegen der Dauerkonflikte in Afghanistan, im Irak und im Heiligen Land oder wegen der weltweiten Finanzkrise ungeordnet bleibe, schreibt Ackermann in seinem Beitrag für den „Trierischen Volksfreund“.

Vor einer „elementaren Gottvergessenheit“ warnte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen. Das Reden von Gott drohe immer mehr aus der Öffentlichkeit zu verschwinden, so der Bischof in der „Fuldaer Zeitung“. Hierbei drohten verhängnisvolle Konsequenzen: „Wer aufhört, Gott zu ehren, fängt schließlich an, ihn zu spielen.“ So habe die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen in Großbritannien die Grenze zur vollständigen Verzweckung des Menschen überschritten.

Nach den Worten des Rottenburg-Stuttgarter Bischofs Gebhard Fürst weckt Weihnachten die Sehnsucht nach unzerstörbarem Frieden. In diesen Tagen verdichte sich alles auf die Frage, was dem Leben Sinn und Frieden gebe, schreibt Fürst in einem Beitrag für das „Landwirtschaftliche Wochenblatt“.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann kritisierte Weihnachtskitsch. Man komme scheinbar ohne den religiösen Kern aus – stattdessen sei man nur noch von Lichterketten, Rentieren und Weihnachtsmännern umgeben, schreibt er in der Ludwigshafener „Rheinpfalz“.

 

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