Afghanistan
Acht deutsche Soldaten bei Feuergefecht verletzt
Die Taliban setzten Panzerfäuste und Sturmgewehre ein. Ein deutscher Soldat muss mit Kopfverletzungen ausgeflogen werden.
Bundeswehrsoldaten auf Patrouille in der Ortschaft Madrassa am Stadtrand von Kundus in Afghanistan.
Foto: ddp/DDP
Berlin/Kundus. Bei zwei Angriffen der radikal-islamischen Taliban auf die Bundeswehr in Afghanistan sind acht deutsche Soldaten verletzt worden, davon ein Soldat schwer. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde am Mittwochmorgen eine deutsche Patrouille etwa zwölf Kilometer südlich des deutschen Wiederaufbauteams (PRT) im nordafghanischen Kundus attackiert.
Es kam zu einem etwa 40 Minuten langen Feuergefecht. Wenig später habe es einen zweiten Angriff auf die Bundeswehr in derselben Region mit einem einstündigen Feuergefecht gegeben. Luftunterstützung sei angefordert worden – scharf geschossen habe diese aber nicht. „Dies alles zeigt, dass die Lage gefährlich und angespannt bleibt“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Raabe.
Der schwer verletzte Soldat wurde mit dem Hubschrauber nach Masar- i-Scharif geflogen. Dort wird er zunächst im Bundeswehr-Lazarett behandelt. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam erlitt der Mann schwere Kopfverletzungen. Er soll nach Deutschland ausgeflogen werden. Der Zeitpunkt sei noch offen, sagte ein Sprecher. Die sieben leicht verletzten Soldaten bleiben nach derzeitigem Stand in Afghanistan, hieß es. Wie der Verwaltungschef des Distrikts Ali Abad, Habibullah Muhtaschim, mitteilte, wurden auch vier Aufständische getötet oder verletzt.
Die Bundeswehr erklärte hingegen, es sei nicht bekannt, ob es zu Verlusten auf der Gegenseite gekommen sei. Erst am Dienstag war in Nordafghanistan ein Bombenanschlag auf deutsche Soldaten verübt worden, bei dem niemand zu Schaden kam. Laut Raabe kehrte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan in der Nacht zum Mittwoch von einer Afghanistan-Reise zurück. Der Vier-Sterne-General informierte sich über die Vorgänge rund um den von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff vom 4. September auf zwei von den Taliban gekaperte Lastwagen. Einem afghanischen Untersuchungsbericht zufolge waren 99 Menschen getötet worden, darunter 30 Zivilisten. Schneiderhan habe sowohl mit Oberst Georg Klein gesprochen, der den Befehl zum Angriff gegeben hatte, als auch mit Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal.
Die Soldaten hätten es als „sehr angenehm“ empfunden, dass Schneiderhan in Afghanistan gewesen sei, sagte Raabe. „Sie haben auch noch mal hervorgehoben, dass sie es als sehr wohltuend empfunden haben, dass der Minister (der Verteidigung, Franz Josef Jung/CDU) sich sofort hinter sie gestellt hat.“ Die deutschen Soldaten hätten in Afghanistan momentan einen „schwierigen Einsatz“, sagte Raabe. Neben der von Präsident Hamid Karsai eingesetzten Untersuchungskommission untersuchen auch die Nato, die Vereinten Nationen sowie das Internationale Komitee des Roten Kreuzes den umstrittenen Luftangriff.





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