28.02.13

Zeitungen

Neustart für die "Frankfurter Rundschau"

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und ihr Schwesterverlag Frankfurter Societät haben die insolvente "Frankfurter Rundschau" gekauft. Die linksliberale Ausrichtung soll erhalten bleiben.

Von Stefan Röttele
Foto: Getty Images

Tobias Trevisan (l.), Sprecher der Verlagsgeschäftsführung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Arnd Festerling, Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“ (M.) und Hans Homrighausen, Chef des Frankfurter Societäts-Druckerei werden künftig die neue „Frankfurter Rundschau“ auf den Markt bringen
Tobias Trevisan (l.), Sprecher der Verlagsgeschäftsführung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Arnd Festerling, Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau" (M.) und Hans Homrighausen, Chef des Frankfurter Societäts-Druckerei werden künftig die neue "Frankfurter Rundschau" auf den Markt bringen

Die Übernahme der insolventen Traditionszeitung "Frankfurter Rundschau" ("FR") durch den örtlichen Konkurrenten "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") ist besiegelt. Die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter über den Kauf der "FR" seien "mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages abgeschlossen" worden, teilte die "FAZ" in Frankfurt am Main mit.

Die "FR" werde ab Freitag "in einer unabhängigen Verlags- und Redaktionsgesellschaft" weitergeführt. Am Mittwoch hatte das Bundeskartellamt Grünes Licht gegeben.

Bei der heute kurzfristig einberufenen Pressekonferenz wirkte alles ein bisschen improvisiert. Für die Fotografen mussten nachträglich die aktuellen Ausgaben von "FR", "FAZ" und "Frankfurter Neue Presse" herbeigeholt werden.

Dann erläuterte Tobias Trevisan, Sprecher der "FAZ"-Geschäftsführung, wie er sich die "FR"-Zukunft vorstellt: Mehrheitsgesellschafter ist künftig mit 55 Prozent die Frankfurter Societät. Deren Geschäftsführer Hans Homrighausen wird auch Geschäftsführer der neugegründeten Frankfurter Rundschau GmbH.

Die "FAZ" beteiligt sich mit 35 Prozent. Zehn Prozent bleiben bei der Karl-Gerold-Stiftung. Sie soll bei inhaltlichen Fragen, etwa bei der Bestellung eines Chefredakteurs, noch mitreden dürfen. Am operativen Geschäft ist sie nicht mehr beteiligt.

Offenbar sehr günstiger Kaufpreis

Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Angeblich war dieser sehr günstig. Gegenstand des Deals sind die Markenrechte, die Abonnenten-Dateien und die Übernahme von 28 "FR"-Redakteuren.

Das Verlagsgeschäft für die "FR", also Leserservice, Vertrieb, Anzeigenverkauf und Marketing, wird künftig aus einer Hand bei "FAZ" und Societät gesteuert. Das schafft Synergien, beim Anzeigenverkauf kann man mit höherer Reichweite werben. Die harte Auflage der "FR" soll zuletzt noch rund 60.000 betragen haben. Gedruckt wird die "FR" dann ab Mai in der Druckerei der Societät in Mörfelden.

Die übrigen "FR"-Beschäftigten – je nach Zählweise sind es rund 300 beim Verlagshaus oder mehr als 400 inklusive Tochtergesellschaften – verlieren ihre Jobs und werden für sechs Monate in eine Transfergesellschaft übernommen.

Chefredakteur bleibt vorerst

Die Rumpftruppe der Übernommenen, an deren Auswahl der Betriebsrat beteiligt war, wird zunächst von dem bisherigen Chefredakteur Arnd Festerling geführt. Er kündigte an, dass er aber nur für eine Übergangszeit zur Verfügung stehen wird. Er wolle sich aber an der Suche nach einem Nachfolger beteiligen. Der zweite Chefredakteur der "FR", Rouven Schellenberger, hat indes seinen Rückzug verkündet.

"Wir bedauern den Abbau von Arbeitsplätzen und die traurigen Begleitumstände der Insolvenz. Wir freuen uns aber, einen Beitrag zu leisten, um diese wichtige Stimme der deutschen Medienlandschaft zu erhalten", sagte Trevisan.

"FAZ" hat kein Problem mit politischer Ausrichtung

Die "FAZ" fühle sich der Meinungsvielfalt verpflichtet. Insofern sei es "kein Problem", in einem Haus unter einem Dach mehrere Zeitungen unterschiedlicher politischer Ausrichtungen zu haben.

Homrighausen ergänzte: "Unser Ziel ist es, die Frankfurter Rundschau wieder wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Wir wollen sie dazu als eindeutiges Schwergewicht in der Region verankern. Mit einem Blick ins Überregionale."

Angeblich will die Zeitung unabhängig sein und die linksliberale Tendenz soll beibehalten werden. Auch versprechen beide Geschäftsführer ausdrücklich, dass zwischen den Redaktionen der drei Zeitungen keine Inhalte getauscht werden sollen.

Trevisan: "Das würde die Zeitung kaputt machen." Stattdessen sollen für eine Übergangszeit von drei Monaten die überregionalen Inhalte von der Berliner Zeitung und der Dumont-Redaktionsgemeinschaft zugekauft werden.

Wie es danach überregional weitergehen soll, sei "personell und konzeptionell noch nicht entschieden, so Homrighausen. "Unser Ziel ist, den Mantel selbst zu produzieren." Außerdem werde die bisherige Zusammenarbeit mit dem "Pressedienst Frankfurt" (PF) zunächst fortgesetzt.

Festerling möchte auch viele der freien Mitarbeiter und Autoren an die neue Zeitung binden. Auf rund 100 schätzt er ihre Zahl. Er verspricht: "Die Frankfurter Rundschau wird natürlich von einer angemessenen Zahl von Journalisten gemacht werden."

400 Mitarbeiter müssen gehen

Während rund 400 "FR"-Mitarbeiter in den nächsten Tagen im Sachsenhäuser Depot und in der Druckerei in Neu-Isenburg ihre Sachen packen, wird Festerling mit 27 anderen die neue "FR" produzieren.

Irgendwann werden sie dann umziehen in die Räume der Societät. Insolvenzverwalter Frank Schmitt sagte mit Blick auf die vielen Beschäftigten, die in diesem Konzept kein Platz haben: "Wir können uns leider keinen Investor backen. Wir haben getan, was wir konnten."

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